Bei meiner Ankunft im Sossusvlei, der bekannten roten Dünenlandschaft mitten in der Wüste Namib, war ich auf vieles vorbereitet: auf glühend heiße Tage, auf bitterkalte Nächte und auf einen unglaublich detailreichen Sternenhimmel. Von der absoluten, fast schon unheimlichen Stille in der Wüste wusste ich vorher nichts. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es ist, absolut nichts zu hören: keine Autos, keine Menschen, keine Tiere, noch nicht einmal den Wind. Für mich waren diese Momente der Stille das beeindruckendste, was ich während meiner zwei Wochen in Namibia erfahren habe.

Dabei habe ich in dem Land, das doppelt so groß wie Deutschland ist, in dem aber nur knapp über 2 Millionen Menschen leben, meinen ersten Fallschirmsprung erlebt. Aber der Reihe nach:

Windhoek

Nach knapp vier Wochen in Südafrika bin ich von Kapstadt nach Windhoek geflogen. In einem relativ kleinen Flugzeug, das maximal 37 Passagiere fasst. Zum Vergleich: so viele Menschen finden mehr oder weniger bequem in vier Sitzreihen eines A380 Platz. Schon beim Flug über Namibia habe ich mich ein wenig in dieses endlos weite, unglaublich leere Land verliebt. Von oben sahen Wüste und Steppe genauso aus, wie ich mir Afrika immer vorgestellt habe. Unterbrochen wurden die weiten Ebenen nur von wenigen roten Bergketten.

Der Flughafen Windhoeks befindet sich etwa 40 Kilometer außerhalb der Stadt, die selber umgeben von hohen Bergen inmitten eines Talkessels liegt. Auf der Fahrt zu meinem Hostel wurde mir zum ersten Mal wirklich bewusst, was es bedeutet, dass dieses Land als Deutsch Südwest-Afrika Teil des Deutschen Reichs war: an nahezu jeder Straßenecke gab es deutschsprachige Straßenschilder (an meiner Lieblingskreuzung treffen sich übrigens die Bismarck- und die Fidel Castro-Straße).

Weitere Überreste der deutschen Kolonialzeit konnte ich dann am nächsten Tag beim Spaziergang durch die Stadt entdecken: Die Christuskirche, eines Wahrzeichen Windhoeks, den „Tintenpalast“, der das Parlament des Landes beherbergt, das Alte Fort und einige von Adlern gekrönte Statuen. Doch die Stadt befindet sich im Umbruch und entledigt sich immer mehr ihrer kolonialen Vergangenheit. An dem Platz, an dem sich heute das Unabhängigkeitsmuseum befindet, stand bis vor einigen Jahren noch ein deutsches Reiterstandbild.

Das Museum wurde übrigens von nordkoreanischen Architekten geplant und gebaut. Die Ausstellung im Inneren ist noch recht unvollständig. Momentan besteht sie zum größten Teil aus überlebensgroßen heroischen Schlachtengemälden, die man sonst eher in der ehemaligen Sowjetunion vermuten würde. Auf mich als westeuropäischen Besucher wirkte das eher bizarr. Und ohne Vorwissen erschließt sich einem die Geschichte Namibias aus dieser Ausstellung nicht.

Swakopmund

Nach vier Tagen hieß es für mich Abschied nehmen von Windhoek. Mit dem Minibus ging es vier Stunden lang durch die Wüste in Richtung Atlantik, nach Swakopmund. Dies ist vermutlich die deutscheste Stadt außerhalb Deutschlands und jetzt, außerhalb der Hauptsaison und mitten im Winter, wirkte sie ziemlich leer und einsam. Dazu tragen sicherlich die überbreiten Straßen und der häufige dichte Nebel, der sich manchmal den ganzen Tag über nicht lichtet, bei. Dennoch hat es mir hier so gut gefallen, dass die sechs Tage, die ich da war, wie im Flug vergangen sind.

Zu meinen Highlights gehörten das erste echte deutsche Körnerbrot seit einem halben Jahr, in dem ich nur Toast gegessen habe, die geführte Quad-Tour durch die Wüste und natürlich mein erster Tandemfallschirmsprung. Dass ich irgendwann im Laufe dieses Jahres aus einem funktionierenden Flugzeug springen würde, war mir eigentlich immer klar. In Australien hatte ich aber noch keine Lust dazu und in Südostasien fehlte mir das Vertrauen in Personal und Ausrüstung. Aber schon als ich auf dem Weg nach Windhoek über Namibia hinweg flog war mir klar: Hier mache ich das jetzt.

Und so war es dann auch. Morgens wurde ich gegen 10 Uhr im Hostel abgeholt, dann musste ich bezahlen sowie Papierkram erledigen und dann ging es auch schon raus aus der Stadt, raus aus dem Nebel. 10 Minuten von Swakopmund entfernt in der Wüste schien die Sonne vom blauen Himmel. Binnen 15 Minuten war ich eingewiesen, wie ich mich beim Sprung zu verhalten habe, in einen schicken Hella von Sinnen-Gedächtnis-Overall gekleidet und mit meinem Tandemmaster im Flugzeug. Nach knapp 20 Minuten Flugzeit waren wir dann in 10.000 Fuß Höhe – und dann ging es auch schon los, aus der geöffneten Tür in den freien Fall. Ein unglaubliches Gefühl! Am ehesten lässt es sich mit Tauchen vergleichen: Man liegt relativ bequem und spürt sein eigenes Gewicht nicht. Nur der Wind im Gesicht und den Ohren hat mich dann doch daran erinnert, dass ich gerade in Richtung Erdboden falle. Nach 30 Sekunden ging dann der Fallschirm auf und wir segelten dann relativ gemütlich wieder auf die Erde hinunter. Der Sprung war so kurz, dass ich ihn erst wirklich realisieren konnte, nachdem ich mir mehrfach das Video davon angeschaut hatte.

Wäre es nicht so teuer, wäre Fallschirmspringen sicherlich ein tolles Hobby.

Sossusvlei

Der eigentliche Grund, warum ich überhaupt nach Namibia gereist bin, sind die bekannten roten Dünen der Namib, die höchsten Sanddünen der Welt. Diese befinden sich im sogenannten Sossusvlei, etwa 350 Kilometer von Windhoek entfernt. Um dorthin zu kommen habe ich mich einer dreitägigen Tour angeschlossen.

Am ersten Tag wurde ich morgens in meinem Hostel abgeholt und zum Tourenveranstalter gefahren. Dort traf ich auf meine anderen drei Mitreisenden, unseren Guide und unseren Koch. Und dann ging es auch schon los: 5,5 Stunden dauerte unsere Fahrt zum Eingang des Sossusvlei-Nationalparks; dabei fuhren wir erst durch die Steppe und dann mitten durch die Wüste. Die Landschaft war einfach unglaublich leer, zwischen einzelnen Häuseransammlungen lagen meistens mindestens 50 Kilometer. Kurz vor Sonnenuntergang haben wir dann unsere Zelte aufgebaut und sind hinaus in die Wüste gefahren. Dort habe ich zum ersten Mal die unglaubliche Stille in der Wüste erlebt.

Am nächsten Morgen ging es dann um halb sechs los: Wir wollten pünktlich zum Sonnenaufgang auf der bekanntesten Düne der Namib sein, der Dune 45. Der Aufstieg auf die 200 Meter hohe Düne war ziemlich anstrengend, da der weiche feine Sand immer wieder nachgegeben hat. Dabei hatten wir noch Glück, dass wir nicht die allerersten waren: wir konnten immerhin in die einigermaßen festen Fußstapfen anderer treten. Der Sonnenaufgang war dann wirklich schön – für mich aber nicht ganz so beeindruckend wie der Sternenhimmel, den man nachts bewundern konnte. Es ist einfach unglaublich, wie viele Sterne man Himmel sehen kann, wenn man sich weit abseits von großen Siedlungen befindet.

Später haben wir uns dann noch das Deadvlei angeguckt, einen ausgetrockneten See mit toten Bäumen umgeben von den höchsten Dünen der Namib. Dort wurde es dann auch endlich warm, sodass ich meinen Pullover ausziehen konnte. Außerdem haben wir dann noch den Sesriem Canyon besichtigt, bevor es am dritten Tag zurück nach Windhoek ging. Das hieß dann für mich gleichzeitig Abschied von Namibia zu nehmen. Meine drei letzten Tage auf dem afrikanischen Kontinent habe ich in Johannesburg verbracht.

Johannesburg

Meine Ankunft hier war ein kleiner Schock für mich; ich kam mir vor wie in einem dystopischen New York: Betonmonstrositäten vor einem dunklen, wolkenverhangenen Himmel. Mein Hostel lag mitten in der Stadt, in dem Hipsterstadtteil schlechthin: in der näheren Umgebung befinden sich Dutzende Restaurants und Galerien, nahezu alle in alten Fabrikgebäuden untergebracht. Das hat mir ziemlich gut gefallen.

Am Tag nach meiner Ankunft habe ich dann zum ersten Mal das gemacht, was ich mir bisher immer selbst verboten habe: ich bin mit einem roten Doppeldecker-Sightseeing-Bus sechs Stunden lang durch die Stadt gefahren. Normalerweise erkunde ich Orte lieber zu Fuß, hier erschien mir das aber nicht sicher genug. Nur eine Straße von meinem Hostel entfernt wurde eine Touristin in ihrem Taxi überfallen. Solche Geschichten erzähle ich zwar gerne, möchte sie aber nicht selber erleben. Und deswegen bin ich dann mit dem Bus durch den Großstadtdschungel gefahren. Unterwegs bin ich am Apartheid-Museum (gut, aber der Freedom Park in Pretoria gefiel mir deutlich besser) und dem Constitution Hill (Sitz des obersten Gerichts Südafrikas mit einer unglaublichen modernen Architektur) ausgestiegen. Zum Abschluss habe ich dann noch von der höchsten Aussichtsplattform Afrikas auf die Stadt hinab geguckt.

Es gefällt mir in Johannesburg richtig gut, die ganze Stadt scheint im Umbruch begriffen zu sein und in die in den 1990er Jahren verlassene Stadt kehrt immer mehr Leben ein. Wenn die Kriminalität nicht so ein Problem wäre, könnte man hier ganz entspannt einige Tage verbringen und dabei viel Neues entdecken.

Leider muss ich Afrika morgen Abend verlassen. Nach einem viertägigen Zwischenstopp in London mit Familientreffen geht es für mich weiter nach Calgary, Kanada. Dort warten die Rocky Mountains mit dem Banff und Jasper Nationalpark auf mich. Und das größte Rodeo Kanadas. Ich bin gespannt!

Und übrigens: während meiner sechs Wochen in Afrika bin ich nicht ausgeraubt worden. Und ich habe in der ganzen Zeit auch nur eine andere Person getroffen, der etwas zugestoßen ist.

Ohrwurm des Tages – Miriam Makeba / „Pata Pata“

Miriam Makeba ist – neben dem Soweto Gospel Chor – die vermutlich bekannteste Sängerin Südafrikas. Und dies ist ihr bekanntestes Lied. Ziemlich gut wie ich finde.

Short and sweet

Namibia is an incredibly vast country: double the size of Germany but only 2 million inhabitants. Its German past can be found everywhere in Windhoek and Swakopmund, on street signs, monuments and with typically German beer and bread. In Swakopmund I skydived fort he first time in my life. It was an absolutely stunning experience that took me hours to completely realise.

I spent my last days on African soil in South Africas largest metropolis: Johannesburg. It looks like a dystopian New York with ist huge concrete skyscrapers and the dark cloudy sky. But it is a city that is changing a lot these days and I really loved it.

Tomorrow, I have to leave Africa – but I am really looking forward to see the Canadian Rocky Mountains soon. In between, I am going to visit London for four days where I will meet my family.