MuffinMans Weltreise

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Ist das hier nicht Dänemark?

Ein grauer, wolkenverhangener Himmel der nahtlos ins Meer übergeht. Einsame Spaziergänge am Strand, den Wind im Gesicht. Lesen am offenen Kaminfeuer bei warmen Tee und Keksen. Alles Dinge, die ich bisher mit Urlaub in Dänemark assoziiert habe. Umso überraschter war ich, dass das erste Souvenir, das ich mir aufgrund des Wetters hier in Südafrika kaufen musste, ein Pullover war.

Aber das „schlechte“ Wetter – in den letzten beiden Wochen hat es nur an drei Tagen geregnet, ansonsten gab es auch viel Sonnenschein und Temperaturen knapp unter 20 °C – hat auch seine Vorteile: Nirgendwo wo ich hinkomme ist es überlaufen, im Bus habe ich meistens eine ganze Sitzreihe für mich alleine und auch die Unterkunftspreise sind geringfügig niedriger. Und zum Fotografieren sind Wolken und die häufiger tiefstehende Sonne eh viel spannender ;)

Plettenberg Bay

In Plettenberg Bay beginnt die Garden Route. Ähnlich der Great Ocean Road an der Südküste Australiens wurde sie ganz im Süden Südafrikas entlang der Küste des Indischen Ozeans gebaut. Südlicher ist nur noch die Antarktis. Und auch die Landschaft mit ihren Bergen, schroffen Felsen und Buchten, in denen kleinere und größere Badeorte liegen, muss sich hinter ihrem australischen Pendant keineswegs verstecken. Und die höchste Bungee-Brücke der Welt, die Bloukrans Bridge, die eine über 200 Meter tiefe Schlucht überspannt und am östlichen Ende der Garden Route liegt, ist definitiv sehenswert.

In Plettenberg Bay war mir dann zum ersten Mal seit den beiden Nächten im Zelt in den Drakensbergen richtig kalt. Hinzu kam dann am zweiten Tag andauernder Regen. Die Fotos aus Plettenberg Bay sind in den zwei Stunden entstanden, in denen es nicht geregnet hat und die ich zum Pullover-Kauf genutzt habe. Landschaftlich bietet der Ort dafür einiges: die Stadt liegt auf einem Berg und überblickt gleich zwei Buchten. Die Bergkette im Hintergrund bietet dazu einen tollen Kontrast. Im südafrikanischen Sommer soll es hier richtig voll sein.

Im Gemeinschaftsraum des Hostels brannte dann glücklicherweise den ganzen Tag ein Feuer im offenen Kamin. Mit Buch und Tee waren das dann sehr gemütliche zwei Tage.

Mossel Bay

In Mossel Bay ist das Wetter dann nicht viel besser geworden. Dafür habe ich dann aber in einem der außergewöhnlichsten Hostels meiner bisherigen Reise gewohnt: einem ausrangierten Zug direkt am Strand. Da der Hafen in unmittelbarer Nähe lag und deswegen Züge auf einem Nebengleis vorbeigefahren sind, musste man beim Ein- und Aussteigen ziemlich vorsichtig sein. Die Nächte im Einzelabteil waren herrlich. Ich befürchte fast, ich bin ein ebenso großer Zug-Nerd wie Sheldon Cooper.

Wie in Plettenberg Bay hatte ich auch hier an einem Vormittag Glück mit dem Wetter, sodass ich einen ausgedehnten Spaziergang am Strand entlang und auf die Klippen zum Leuchtturm machen konnte. Im Gegensatz zu Dänemark gab es hier leider keine Lakritzstreusel zum Softeis. Spätestens jetzt war ich mir sicher doch in Südafrika zu sein.

Stellenbosch

Nach Mossel Bay, dem westlichen Ende der Garden Route, hieß es für mich Abschied nehmen vom Indischen Ozean.. Mein nächster Stopp war Stellenbosch, mitten in der größten südafrikanischen Weinanburegion gelegen und mit einer ziemlich großen Universität im Herzen der Stadt. An meinem ersten Tag bin ich gemütlich durch die schönen Straßen der Stadt und über den Campus der Universität spaziert. Da Wochenende war, war leider nicht allzu viel los, weder in der Stadt, noch auf dem Campus. Auch touristisch tat sich nicht viel in Stellenbosch – ich war nahezu alleine in meinem Hostel und meine geplante Tagestour zu umliegenden Weingütern wurde abgesagt. Ich wäre der einzige Teilnehmer gewesen.

Zum Studieren ist Stellenbosch sicherlich schön – mir war allerdings vor allem am zweiten Tag sehr, sehr langweilig. Zum ersten Mal in den vergangenen 5,5 Monaten übrigens. Meine Tristesse wurde dann auch noch von der Nachricht vom Tode Pierre Brices befeuert. Mit ihm ist einer der Helden meiner Kindheit gestorben: Winnetou.

Kapstadt

Kapstadt ist eine wirklich, wirklich schöne Stadt. Alleine schon meine Ankunft, nachts, mit einem traumhaften Blick von den Bergen auf die erleuchtete Stadt, hat mich zu einem begeisterten Fan gemacht. Direkt am nächsten morgen dann bin ich vom Hostel aus in die Innenstadt spaziert – der Tafelberg hat sich wirklich zu jeder Gelegenheit in meinen Blick gedrängt. Von der landschaftlichen Lage her habe ich bisher keine schönere Stadt gesehen.

Die Company Gardens im Stadtzentrum können zwar nicht ganz mit den Botanischen Gärten in Singapur oder Sydney mithalten, dafür aber sind die kunterbunt bemalten Häuser in Bo-Kaap ein echter Hingucker. Des Weiteren habe ich mir auch noch zwei Museen angeschaut, von denen mich vor allem das District 6-Museum beeindruckt hat. Hier wird die Geschichte eines Stadtviertels geschildert, das zu Gunsten eines von Le Corbussier inspirierten Städtebauprojekts abgerissen wurde. Alle Einwohner wurden zwangsweise in andere Stadtteile verfrachtet. Von dem neuen Stadtviertel sieht man bis heute kaum etwas.

Am nächsten Tag ging es dann früh mit der Fähre nach Robben Island. Alleine schon der Blick vom Meer aufs Stadtzentrum, umgeben von Devil’s Peak, Table Mountain und Lion’s Head war das Geld für die Tour (300 Rand) wert. Auf der Insel selber ging es dann zunächst mit einem Bus zum Steinbruch in dem die politischen Gefangenen um Nelson Mandela Zwangsarbeit leisten mussten. Unterwegs lief uns dann ein Pinguin-Pärchen über den Weg. Zum ersten Mal im Leben habe ich wilde Pinguine gesehen. Toll!

Der zweite Teil der Tour führte dann in das Gefängnis Robben Islands. Dort zeigte uns ein ehemaliger Gefangener die Einrichtungen und natürlich auch die Zelle, in der Nelson Mandela 18 Jahre seines Lebens verbracht hat. Nachdem ich in den ersten Tagen meiner Reise die Autobiografie Nelson Mandelas gelesen hatte war der Besuch vor Ort dann ein gelungener Abschluss für meine 3,5 Wochen in Südafrika.

Die Wanderung auf den Tafelberg, die ich mir eigentlich noch vorgenommen hatte, habe ich abgesagt: ich war erkältet und das Wetter sah nach Regen aus. So habe ich aber bei meinem nächsten Besuch in Kapstadt noch ein paar Dinge zu tun, denn auch das Kap der Guten Hoffnung habe ich mir nicht angeschaut.

Ohrwurm des Tages – Milky Chance / „Stunner“

Eine richtig großartige Stimme. Das Lied habe ich das erste Mal in Plettenberg Bay gehört und seitdem geht es mir nicht mehr aus dem Kopf.

Ebenfalls nicht mehr aus meinem Kopf wollen viele dieser Lieder. Ich liebe die 90er Jahre einfach :D

Short and sweet

Cold, rainy, windy – I didn’t expect such a kind of weather in South Africa. So I was rather surprised that a sweatshirt was the first souvenir I bought over here. But I still like it and travelling as lonesome as I did over here is sometimes really exciting.

1 Kommentar

  1. Ich mag deine Fotos sehr. Sie allein fassen zusammen wofür du oft sehr viele Worte brauchst. Lass mal das unwichtige weg und zeig uns wie sich deine Erlebnisse anfühlen. Du bist nicht Sheldon. Wie riecht Südafrika? Wo ist dein aha-Erlebnis? Ok. Ignorier mich einfach. Ich habe heute eine kritische Phase. Und ja: ich schau regelmäßig hier in deinen Blog und bin begeistert

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