Acht Wochen bin ich jetzt durch Australien gereist, von Melbourne nach Cairns immer entlang der Ostküste, immer in Richtung Norden. Ich habe an 17 Orten halt gemacht, wunderschöne Landschaften gesehen und unterwegs einige tolle Leute getroffen. Allerdings habe ich auch die Auswirkungen der hochspezialisierten Work and Travel-Industrie und ihre repetitive Monotonie erlebt. Zeit für mich, nach insgesamt knapp 3.700 Kilometern im Greyhound-Bus  und vor meiner Weiterreise nach Singapur Bilanz zu ziehen.

Eines vorweg: Es gefällt mir wirklich sehr gut hier, die Landschaft ist zwar ein wenig gleichförmig aber unglaublich schön. Traumstrände gibt es an nahezu jeder Ecke und im Inland bieten sich meist direkt spektakuläre Blicke auf die Great Dividing Range. Die Menschen hier sind zuvorkommend, hilfsbereit, manchmal geradezu befremdlich freundlich und die weltbekannten Sehenswürdigkeiten sind vollkommen zu Recht weltbekannt (nur das Sydney Opera House wirkt in der Realität dann doch ein bisschen klein).

Die Tierwelt Down Under ist einfach nur unglaublich, besser als jeder Zoo: Es gibt wilde Papageien, die jeden Abend einen Höllenlärm machen bevor kurz nach Sonnenuntergang tausende Fledermäuse durch die noch junge Nacht segeln, knuddelige Koalas schlafen stundenlang in den Eukalyptusbäumen, Kängurus sieht man bei Sonnenuntergang auf nahezu jeder Wiese und Spinnen und Schlangen kann man auch recht häufig antreffen. Landschaft und Tierwelt sind also wirklich so, wie sie jeder Werbefilm über Australien verspricht.

Ich hatte sogar Glück mit dem Wetter. Richtigen Regen gab es nur für 36 Stunden in Surfers Paradise, ansonsten schien meistens die Sonne von einem strahlend blauen Himmel (von einigen Schauern einmal abgesehen). Andere Reisende hingegen konnten mir von wochenlangen Regenperioden vor allem im nördlichen Queensland berichten. Und auch vom Zyklon Marcia, der fünf Tage nach meiner Abreise Rockhampton heimgesucht hat, die Touren auf Fraser Island teilweise unmöglich machte und sogar den sonst zuverlässigen Greyhound-Zeitplan durcheinanderbrachte, blieb ich vollkommen verschont.

Das einzige, womit ich im Endeffekt nicht ganz zufrieden war, war die Wahl meines Fortbewegungsmittels: Zwischen Sydney und Cairns verbinden Greyhound und sein Konkurrent Premier vor allem die Orte, Touren und Aktivitäten, die in den großen Städten von spezialisierten Reisebüros an 18- bis 21-jährige Work and Travel-Backpacker in einem etwa vier Wochen umfassenden Gesamtpaket verkauft werden. Zu dieser Zielgruppe gehöre ich nicht. Ich muss nicht an jedem neuen Ort irgendein aufregendes Erlebnis für viel Geld buchen (Skydive, Segeltörn, Wildwasserrafting, …), damit ich etwas zu tun habe; ich muss nicht jeden Abend in einen Club gehen und am nächsten Morgen im Bus meinen Kater vertreiben (auch wenn ich gerne in gemütlicher Runde ein, zwei oder mehr Bier trinke); ich muss nicht an jedem anderen Abend, an dem kein Club in der Nähe ist, billigsten Wein trinken, bis ich nicht mehr weiß wie ich ins Bett gekommen bin.

Die Gleichförmigkeit des Reisens führt zwangsläufig zu einer Gleichförmigkeit der Orte: Mehrere Hostels, ein Supermarkt, ein Bottle-Shop, ein paar Bars oder Clubs und ein paar Souvenir- und Bademodenläden. Das einzige, was viele dieser Orte unterscheidet ist die Aktivität, die man dazu gebucht hat: Rainbow Beach verbindet man zwangsläufig mit Fraser Island, Airlie Beach mit dem Whitsunday-Segeltörn, Mission Beach mit dem Tandem-Fallschirmsprung und Byron Bay mit Nimbin.

Sicher, ich übertreibe hier maßlos. Ich habe viele interessante Leute in diesem Alter getroffen, mit denen ich viel Spaß hatte. Ich weiß auch, dass ich nicht das Maß aller Dinge bin und ich respektiere, dass andere Reisende andere Interessen haben. Ich kann nur im Nachhinein sagen, dass ich gerne weniger Zeit an der australischen Ostküste verbracht und dafür auch das Outback oder die Westküste gesehen hätte. Und dass ich die Work and Travel-Industrie Australiens ziemlich perfide finde:

Direkt nach der Schule und vor dem Studium werden 18- bis 19-jährige Europäer nach Australien gelockt, wo sie für einen  armseligen Lohn Obst und Gemüse ernten. Ihr teuer verdientes Geld nehmen ihnen dann geschulte Reiseverkäufer (ebenfalls Work and Travel-Europäer) wieder ab und schicken sie alle auf die gleichen Reisen und gleichen Touren entlang der Ostküste. So bleibt das Geld im Land und sogar den Wein, den niemand sonst trinken würde und dem der ALDI-Tetrapack-Wein in Deutschland geschmacklich um Klassen überlegen ist, macht man so billig, dass er das einzige alkoholische Getränk ist, dass sich die Work and Travel-Backpacker leisten können. Wirklich günstig sind hier nur Pizza (Domino’s, 5 Dollar), Frozen Coke (McDonald’s, 1 Dollar) und Kaffee (Seven Eleven, 1 bis 3 Dollar).

Einen guten Einblick in das Work and Travel-Leben in Australien  bekommt man übrigens in dieser NDR-Reportage:

Nichtsdestotrotz habe ich die Zeit hier in Australien genossen – nur die negativen Seiten zu betonen macht mich wohl ziemlich deutsch – und die ersehnte Abwechslung ist auch schon in Sicht: Südostasien. Noch heißer, noch schwüler und dort sind sogar die Mücken potentiell tödlich. Ich freue mich!

Vorher gibt es aber noch einen versöhnlichen Abschied von Australien, meine fünf Lieblingsorte an der Ostküste als Fotostrecke zum Durchklicken:

Ohrwurm des Tages – Pur / „Abenteuerland“

Ja, es braucht echt nicht viel, um mir einen Ohrwurm zu verpassen. Der Arbeitstitel eines Posts reicht da schon aus :D

Short and sweet

I really like Australia, its landscape, its nature, its animal, its people, its cultue – but I got pretty bored and a bit annoyed by all the repeating places designed only to serve young backpackers.