MuffinMans Weltreise

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Déjà-vus und Cowboys

Noch weniger als zwei Wochen bleiben mir in Australien und ich muss sagen, ich freue mich langsam echt darauf, neue Länder zu entdecken. Die Ostküste, die ich mit dem Greyhound-Bus bereise, ist wirklich schön, keine Frage. Traumhafte Strände, wunderschöne Nationalparks und hunderte exotische Tiere, die man sonst nur aus Büchern und Zoos kennt. Allerdings bin ich mit dem Bus deutlich eingeschränkt, was meine Reiseziele angeht: Er hält fast ausschließlich an Backpacker-Orten. Diese sind sich irgendwie alle ähnlich (Hostels, Surf- und Bade-Shops, Clubs und ein oder zwei Supermärkte in unmittelbarer Strandnähe. Das echte, australische Australien ist das allerdings nicht.

Das soll jetzt nicht so klingen, als hätte ich ein schlechte Zeit Down Under. Keinesfalls! Die Landschaft ist wirklich schön, ich treffe interessante Menschen und bemühe mich, jeden Tag etwas neues kennenzulernen oder zumindest gepflegt zu entspannen. Und ich freue mich auf das Great Barrier Reef und den tropischen Regenwald in Cairns nächste Woche. Acht Wochen reichen aber einfach für die Ostküste von Melbourne nach Cairns. Vieles was ich sehe habe ich mittlerweile irgendwo anders schon einmal in ähnlicher Form gesehen und ich hätte jetzt gerne ein wenig mehr Abwechslung. Und deswegen freue ich mich schon jetzt riesig auf meine Zeit in Südostasien, die Anfang März in Singapur beginnt.

Agnes Water / Town of 1770

Doch zurück zu den letzten anderthalb Wochen meiner Reise entlang der Küste nach Norden. Nach meiner Fraser Island-Tour habe ich noch eine weiter, sehr unruhige Nacht in Hervey Bay verbracht – vor allem, um meine Wäsche zu waschen und alles für die Weiterreise vorzubereiten. Der Großteil meiner Sachen war nämlich im Hostel eingelagert während ich Fraser Island erkundet habe.

Am nächsten Nachmittag ging es dann mit dem Greyhound weiter nach Agnes Water. Agnes Water ist ein auch für australische Verhältnisse merkwürdiger Ort: Nur knappe sechs Kilometer entfernt liegt bereits die nächste Stadt, die sich vor 45 Jahren aus touristischen Zwecken in Town of 1770 umbenannt hat. James Cook war dort im Jahr 1770 vor Anker gegangen. Zum ersten Mal in Queensland, woran auch ein Denkmal an ebenjener Stelle erinnert. Beide Orte sind nicht groß, man kann sie wirklich kaum als Stadt beschreiben. Agnes Water versucht momentan zu einem zweiten Byron Bay zu werden: Viele Hostels, viele Backpacker und Surfen in entspannter Atmosphäre. Immerhin ist der Strand von Agnes Water der nördlichste, an dem man ganzjährig Surfen kann.

Auf dem Weg nach Agnes Water habe ich schon im Bus einige alte Bekannte von Fraser Island wieder getroffen. Nach knapp sechs Wochen an der Ostküste habe ich manchmal das Gefühl, ich habe die Hälfte meiner Mitreisenden im Bus schon einmal irgendwo gesehen. Und vermutlich trügt dieses Gefühl nicht einmal :D Da wir relativ spät Abends im Hostel ankamen, habe ich an meinem ersten Tag in Agnes Water nicht mehr allzuviel unternommen. Mein drängendstes Problem war eh die Beschaffung von Essen: Die Läden im Ort hatten nicht mehr auf und ich hatte nur noch ein paar Nudeln dabei. Die mussten dann schließlich reichen.

Am nächsten Tag ging es dann erstmal zum Einkaufen und später zum Strand. Dort waren trotz vorhandener Rettungsschwimmer kaum Schwimmer im Wasser oder am Strand, dafür aber umso mehr Surfer in den hohen Wellen. Mir selber war das Wetter auch zu instabil – während meiner zwei Tage in Agnes Water gab es regelmäßig heftige Schauer – und so ging ich zurück zum Hostel und direkt zu meinem Lieblingsplatz: Die Hängematte. Ehrlich, ich könnte Tag und Nacht in einer sanft vor sich hin schaukelnden Hängematte mit einem guten Buch verbringen und wäre glücklich. Vertrieben wurde ich aber immer wieder von dem bereits erwähnten Regen und später dann von musizierenden Backpackern. Ich glaube, Bob Marley kann sich sehr glücklich schätzen, dass er diese brachiale Vergewaltigung seiner Lieder nicht mehr erleben musste.

Den nächsten Tag hatte ich trotz Abreise ganz zur Verfügung, der Bus fuhr erst um viertel nach neun in Richtung Rockhampton ab. Also nutzte ich die verbleibende Zeit für einen Spaziergang nach 1770, sechs Kilometer den Strand entlang in Richtung Norden. Irgendwann hörte der Strand dann abrupt auf und ich wanderte auf Schleichpfaden weiter – immer in der Hoffnung, irgendwo anzukommen und unterwegs nicht auf Schlangen zu treffen. Ich kam tatsächlich in 1770 an, bewunderte den Ankerplatz Cooks und ging dann im Inland zurück nach Agnes Water. Zwar gab es unterwegs einen kurzen, heftigen Schauer, ich fand aber Schutz unter einigen Bäumen. Nach einigen weiteren Stunden Rumgammelns im Hostel ging es dann zur Bushaltestelle und weiter nach Rockhampton.

Rockhampton

Da der Bus dort nach Mitternacht ankam und der Weg vom Bus zum Hostel über zwei Kilometer lang war, nahm ich mir ein Taxi. Im Hostel angekommen fand ich meinen Zimmerschlüssel im Safe und konnte so nach dem Duschen und Zähneputzen schnell Schlafen gehen.

Am nächsten Morgen fand ich dann heraus, warum kaum ein Backpacker in Rockhampton bleibt: Es liegt nicht nur an den mehr als schlechten Busverbindungen sondern vor allem daran, dass Rockhampton keine Backpacker-Stadt ist. Rockhampton ist vielmehr eine typisch australische Stadt – die Beef Capital Australiens – die vor allem Läden, Supermärkte und Einkaufszentren für die im Umland wohnenden Australier bietet. Für ich bedeutete das vor allem endlich mal ein wenig Abwechslung. Und echte Australier, die sich wirklich für durchreisende Touristen interessieren weil es davon so wenige gibt. Dazu hat die Stadt noch einige historische (also aus dem frühen 20. Jahrhundert stammende) öffentliche Gebäude zu bieten, deren Farbe fast schon anmutig abblättert.  Wie es sich für eine echte Cowboy-Stadt gehört, gibt es natürlich auch ein wöchentliches Rodeo. Aus tierethischen Gründen habe ich allerdings darauf verzichtet.

Wirklich unvergesslich wurde mein Aufenthalt in Rockhampton aber durch zwei andere Sachen: Zum einen habe ich entschieden, mich zu rasieren, um es bei Passkontrollen einfacher zu haben, erkannt zu werden, zum anderen haben zwei meiner Dorm-Mitbewohner einiges dafür getan, nicht vergessen zu werden. Total betrunken (vier Liter Goon pro Person in etwa acht Stunden) und ohne Schlüssel haben sie so häufig an die Zimmertür geklopft, dass irgendwann jeder immer Zimmer davon genervt war. Als einer von beiden dann auch noch angefangen hat im Zimmer zu rauchen, war das Fass zum Überlaufen gebracht und beide am nächsten Tag aus dem Hostel geworfen. Allerdings war das für sie nichts neues, es war in ihnen vorher schon neun Mal binnen zwei Monaten passiert. Respektabel, das ist glaube ich echt nicht leicht.

Airlie Beach

Nach dem Abstecher in die australische Wirklichkeit ging es dann für mich zurück auf ausgetretene Backpacker-Pfade: Airlie Beach, Ausgangspunkt für alle Whitsundays-Segeltouren, die nahezu jeder Backpacker bei seiner Reiseplanung mitbucht. Ich nicht, ich will lieber im April in Thailand Segeln gehen. Ohne diese Touren und die Backpacker gäbe es den Ort in seiner Form wohl kaum. Außer Hostels, Backpacker-Läden und Clubs gibt es dort kaum etwas außergewöhnliches. Mein Hostel allerdings war exzellent: Backpackers by the Bay. Frühstück für drei Dollar, jeden Abend ein Quiz und 10% Rabatt auf jede über die Rezeption gebuchte Tour. Das habe ich so bisher selten in Australien gesehen.

Ebenfalls eine total neue Erfahrung für mich war mein Reise-Durchfall, der mich während meines Aufenthalts in Airlie Beach, immerhin drei Tage, begleitete. Teilweise verbrachte ich genauso viel Zeit im Bett wie auf der Kloschüssel. Mein Sightseeing-Programm hielt sich deswegen auch in Grenzen. Gut, dass es vor Ort so wenig zu sehen gab. Ein Spaziergang führte mich entlang des etwas armseligen Strandes, an dem es immerhin ein Stinger-Netz gab, denn von November bis Mai ist in Nord-Queensland Quallensaison, vorbei an der aus diesem Grund gebauten künstlichen Lagune sowie den Cafés, Clubs und Bademodenläden zurück zum Hostel.

Eine andere kurze Tour führte mich einen wirklich steilen Berg hoch. Ehrlich, ich habe in der Eifel schon viele steile Berge gesehen und in ihrer ganzen natürlichen imposanten Steilheit erleben dürfen – aber der Mount Whitsunday toppt diese locker. Einen Kilometer steil bergauf, teilweise im 40°-Winkel, waren echt anstrengend. Der Blick auf die Bucht und die Whitsundays hat die Mühen allerdings gelohnt. Und das Erlebnis eines subtropischen Regenschauers, der selbstverständich in dem Moment eingesetzt hat, als ich den Gipfel erreicht hatte, muss man vermutlich auch einmal in seinem Leben machen.

Dennoch war ich froh, Airlie Beach wieder zu verlassen. Wie ich schon am Anfang des Posts geschrieben habe, wünsche ich mir langsam etwas Abwechslung. Und der größte Unterschied zwischen Airlie Beach und Byron Bay ist die Größe.

Townsville

Die nächste Station auf meinem Reiseplan war Townsville. Obwohl knapp 30 Backpacker den Bus verließen war ich der einzige, der auf sein Hostle-Shuttle warten musste. Alle anderen eilten sofort zu ihrer Fähre nach Magnetic Island, einer weiteren Station der Standard-Backpacker-Ostküstentour. Dabei hat Townsville einiges zu bieten, zum Beispiel das wohl beste Aquarium in Queensland (das ich aber aus Prinzip nicht besucht habe) und das Museum of Tropical Queensland, das nicht nur wegen der Geschichte der HMS Pandora, die die Meuterer der Bounty zurück nach England bringen sollte, sehenswert ist.

Überragt wird Townsville von einem knapp 270 Meter hohen Berg: Castle Hill. Kaum im Hostel angekommen war dieser auch mein erstes Besichtigungsziel. Der kürzeste Weg aus der Stadt auf seine Spitze nennt sich Goat Track und ist etwa drei Kilometer lang. Der anstrengendste Teil ist eine etwa einen Kilometer lange Treppe, die mich massiv an die Treppe von Cirith Ungol erinnert – die Treppe, die Frodo und Sam mit Gollum auf ihrem Weg nach Mordor in „Die Rückkehr des Königs“ bezwingen müssen. Kaum verwunderlich für die zumeist sportbegeisterten Australier, dass dieser „Pfad“ eine beliebte und stark frequentierte Laufstrecke ist. Ich frage mich allerdings, warum ich auf einmal Berge freiwillig bezwinge, die mich meine Bundeswehr-Ausbilder früher hochtreiben mussten.

Der Blick vom Gipfel ist dafür wirklich atemberaubend. Man kann 360° in jede Richtung sehen: Vom Hafen und Magnetic Island über den Flughafen bis ins Hinterland mit seinen schier endlosen Zuckerrohrplantagen und Hügeln. Und einmal oben ist der Weg nach unten auch nicht mehr ganz so schwer. Nach überstandenem Durchfalll und dem Randale-Hostel von Rockhampton war ich schon um 21:00 Uhr im Bett und habe ganze zwölf Stunden durchgeschlafen. Herrlich!

Heute Morgen habe ich dann die Stadt an sich erkundigt. Dass Stadtzentrum konzentriert sich um die Flinders Street herum, an deren Seiten man noch einige für australische Verhältnisse alte Häuser sehen kann. Auch eine der nur sechs Drehbrücken Australiens steht in Townsville: die Victoria Bridge über den Ross Creek.

Vom Hafen aus führt eine Promenade entlang des Strands bis zum alten Fort am Kissing Point: The Strand. Baden ist dort meistens nicht möglich – Quallengefahr. Dafür ist der Blick auf den Hafen und Magnetic Island echt sehenswert. Vom Kissing Point aus hat man auch einen schönen Blick über die Stadt und Castle Hill. Auf dem Rückweg entlang der Museen am Hafen habe ich noch im Museum of Tropical Queenslang halt gemacht. Wie bereits erwähnt: Ein Besuch lohnt sich. Außerdem habe ich dort erfahren, dasss zur Zeit vermehrt Salzwasser-Krokodile bei Townsville gesichtet werden und das Nord-Queensland in den letzten Tagen knapp an einem Zyklon vorbeigeschrammt ist. Man mag es zwar manchmal vergessen – aber Australien will dich echt töten.

Seine nächste Chance hat der Kontinent in Cairns. Morgen mache ich mich auf den Weg dorthin und zum Great Barrier Reef.

Ohrwurm des Tages – Hozier / „Take me to Church“

Es ist momentan DAS Lied in Australien und wird von allen Radiosendern rauf und runter gespielt. Kein Wunder, dass das in meinem Kopf hängen geblieben ist. Hinzu kommt das gelungene Video, dass die antihomophobe und antikatholische Botschaft des Lieds deutlich unterstreicht. I like.

Short and sweet

I am really looking forward to leaving Australia. Not because I don’t like or I don’t like the peole I meet. It just starts to repeat itself along the eastcoast. And now I’m looking forward to a change. So I’m really glad to be in Australia and to experience its nature, culture and people but I’m also really to move on to South East Asia next month.

Meanwhile I discovered the new Byron Bay, Agnes Water, and its totally different beach; the  beef capital of Australia, Rockhampton, where I lost my beard; the gateway to the Whitsundays, Airlie Beach, where I also experienced travel diarrhea; and I climbed the stairs of Cirith Ungol towards the peak of Castle Hill in Townsville. My next and last major stop will be Cairns – I’m eager to discover the Great Barrier Reef!

1 Kommentar

  1. geht schon. freue mich auf mehr berichte. ich habe erwartet das australien recht unspektakulär deinen weg kreuzt. aber du kennst ja auch korea. kein vergleich also. good luck

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