Es fällt mir zwar ziemlich schwer es zu glauben – aber meine Reise ist tatsächlich vorbei. In den letzten zwei Wochen war ich noch einmal auf der neuseeländischen Nordinsel unterwegs und bin dann für die letzten Tage zurück nach Sydney geflogen. Damit hatte ich dann wirklich die Welt einmal umrundet, denn hier begann Anfang Januar meine Weltreise.

Nach Hause zu fliegen fühlt sich schon etwas merkwürdig an: Ich musste keine Hostels buchen, mir keine Gedanken darüber machen, mit welchen Verkehrsmitteln ich vom Flughafen weg- und dann im Land herumkomme, oder mir überlegen, wo ich überall hinreisen möchte. Da fühle ich mich fast schon ein wenig leer. Für ein abschließendes Fazit ist es aber noch zu früh – das kommt aber noch, versprochen! Jetzt erst einmal zurück zu meinen Reiseerlebnissen.

Wellington

Von Nelson aus bin ich zunächst mit dem Bus nach Picton gefahren und dort an Bord der InterIslander-Fähre nach Wellington gegangen. Das Wetter war ziemlich trüb, bewölkt und windig – aber es hat immerhin nicht geregnet. Die Fähre war deutlich leerer als auf der Hinfahrt, nachmittags scheinen nicht allzuviele Passagiere unterwegs zu sein.

In Wellington habe ich nur eine Nacht verbracht. Die war auch noch relativ kurz: Um Mitternacht feierte „Star Wars: The Force Awakens“ Premiere. Und Neuseeland war tatsächlich das erste Land, in dem der Film in den Kinos anlief. Spoilere ich zu viel, wenn ich festhalte, dass mich der Film nicht so wirklich vom Hocker gehauen hat?

Whanganui

Mein nächster Stopp war Whanganui. Während der Busfahrt fiel mir zum ersten Mal deutlich auf, wie viel mehr Menschen doch auf der Nordinsel leben: die Straßen waren voll (an der Westküste der Südinsel hat man vielleicht alle fünf Minuten ein entgegenkommendes Auto gesehen) und die Orte tatsächlich richtig groß (Greymouth, die größte Stadt an der Westküste, hat weniger als 9.000 Einwohner). In der Nähe meines Hostels in Whanganui gab es sogar drei große Supermärkte direkt nebeneinander – darunter endlich auch wieder ein Pak’n’Save, die wohl günstigste Supermarktkette in Neuseeland.

Zu sehen gab es hier auch einiges: einen 60 Meter hohen Fahrstuhl in einem Berg, der auf der Südhalbkugel einzigartig sein soll, den letzten Schaufelraddampfer Neuseelands und ein wirklich tolles Regionalmuseum. Außerdem habe ich mich in meinem Hostel ziemlich wohl gefühlt: statt in einem Dreibettzimmer habe ich ein Einzelzimmer mit einem Doppelbett bekommen. Selten habe ich in den letzten Wochen so gut geschlafen wie hier, was ich auch direkt ausgenutzt habe. Außerdem gab es im Hostel eine Ziege, Rotwild, Enten und Hühner – letztere haben mich an mein Elternhaus erinnert.

Tongariro National Park

Im Tongariro National Park habe ich gleich drei Tage verbracht. Das Tongariro Alpine Crossing ist zwar nur eine Eintageswanderung (und laut Eigenwerbung die beste Tageswanderung Neuseelands), allerdings wollte ich wenn möglich bei richtig gutem Wetter wandern und hatte mir deswegen drei Tage zur Auswahl gelassen.

Schon am ersten Tag stimmte das Wetter, sodass ich morgens um 07:15 Uhr mit dem Shuttlebus zum Ausgangspunkt der Wanderung aufbrach. 19,4 km lagen vor mir; bis zum höchsten Punkt des Passes ging es 800 Höhenmeter bergauf, danach 1100 Höhenmeter bergab zum Endpunkt. dafür soll man etwa sechs bis sieben Stunden brauchen. Highlight der Wanderung ist der Mt Ngauruhoe, den man in den Herr der Ringe-Filmen als Schicksalsberg bewundern konnte. Ich habe mich zwar daran versucht, ihn zu besteigen, bin aber auf halben Weg umgekehrt. Es war mir einfach zu gefährlich, da der Weg nach oben ziemlich rutschig war (feiner Lavasand) und es überall scharfkantiges Lavagestein gab, auf das man fallen konnte. Außerdem kamen Wolken auf, sodass ich vom Gipfel eh kaum etwas gesehen hätte.

Stattdessen bin ich weiter dem Hauptweg gefolgt – wie etwa 1.000 andere Leute auch. Die sich immer ändernde Landschaft während der Wanderung war wirklich schön (siehe Fotos). Allerdings war es mir viel zu voll. Wirkliche Ruhe und Muße, die Natur zu genießen hatte man nicht. Dafür durfte man plärrender Musik aus miserablen Lautsprechern lauschen und schreiende asiatische Reisegruppen ertragen. Ich weiß zwar nicht wieso, aber vor allem Japaner und Chinesen scheinen ein Faible dafür zu haben, sich lieber über 50 Meter Distanz hinweg zu unterhalten als einfach nebeneinander zu wandern.

Die restlichen beiden Tage im National Park Village (oh welch Kreativität bei der Namenswahl!) waren die letzten beiden ruhigen Tage meiner Reise an denen ich nichts getan habe außer zu lesen und im Internet FIlme zu gucken.

Auckland

… und dann war ich auch schon wieder in Auckland. Die Busfahrt dorthin am Tag vor Heiligabendp war die nervigste bisher: Schon bei der Abfahrt 45 Minuten zu spät, am Ende 90, bis auf den letzten Platz besetzt und ein auf den Gang kotzendes Kleinkind in meiner Nähe. Eigentlich wollte ich in Auckland auch noch einen Bungy Jump von der Auckland Bridge aus machen, hatte bezahlt und stand in 40 Meter Höhe auf der Sprungplattform – doch dann wurde mir klar: Nein, das will ich nicht. Dem Gummiseil an meinen Beinen vertraue ich definitiv nicht und schon gar nicht springe ich kopfüber. Also habe ich das Seil wieder abnehmen lassen und bin nicht gesprungen. Eine ziemlich teure Erkundung meiner mentalen Grenzen.

Weihnachten habe ich dann im Hostel verbracht und „Home alone 1 & 2“ geguckt. Nächstes Jahr feiere ich definitiv wieder zu Hause. Meine Familie habe ich schon ziemlich vermisst.

Sydney

Und dann stand am 2. Weihnachtsfeiertag auch schon der letzte Flug auf meinem Round-the-World-Ticket an: Es ging mit Air New Zealand von Auckland nach Sydney. Das Hostel war gut aber extrem teuer (Hochsaison kurz vor dem Silvesterfeuerwerk), das Wetter überraschend durchwachsen: kühl (20 °C), bewölkt und teilweise auch regnerisch o.O Wie schon im Januar und Februar haben mich einmal wieder die Botanischen Gärten beeindruckt. Eine wirklich ganz tolle grüne Oase inmitten der Millionenstadt. Neu für mich war ein toller Wanderweg rund um den North Head, die nördliche Einfahrt in den natürlichen Hafen von Sydney. Ein knapp 10 Kilometer langer Spaziergang von den Stränden Manlys über ein altes Militärgelände mit vielfältiger Landschaft und einem grandiosen Blick auf die Skyline Sydneys. Da konnte ich es auch verschmerzen, dass ich aufgrund des schlechten Wetters nicht noch einmal baden gegangen bin.

Am letzten Tag bin ich dann noch auf die Harbour Bridge geklettert. Das knapp vierstündige Erlebnis (inklusive Papierkram, Einkleidung, Einweisung, 2 Stunden langer Tour und Auskleidung) war zwar relativ teuer, die Aussicht aber traumhaft. Das Wetter war wieder richtig gut, sodass man vom höchsten Punkt der Brücke aus (134 Meter über dem Meeresspiegel) vom Pazifik im Osten bis zu den 50 Kilometer entfernten Blue Mountains im Westen gucken konnte. Vom grandiosen Stadtpanorama ganz zu schweigen.

Nach dem Harbour Bridge Climb war es dann an der Zeit, zum letzten Mal meine Sachen im Hostel abzuholen und mich auf den Weg zum Flughafen zu machen. Da ich morgens früh um 3:00 Uhr einchecken musste, habe ich die letzte Nacht in einem Flughafenhotel verbracht. Für diese eine Übernachtung habe ich soviel gezahlt wie ich in einer Woche in Laos insgesamt ausgegeben habe. Um 6:00 Uhr Ortszeit am nächsten Morgen startete dann mein Flug von Sydney nach Dubai, wo ich eine knappe Stunde Zeit zum Umsteigen ins Flugzeug nach Düsseldorf hatte. Dort bin ich etwas zu früh gegen 18:40 Uhr Ortszeit angekommen. Meine Eltern warteten schon am Ausgang um mich nach Hause zu fahren.

Und damit war meine Reise um die Welt beendet. Es war ein merkwürdiges, fast unwirkliches Gefühl, nach einem Jahr in seinem eigenen Bett aufzuwachen…

Ohrwurm des Tages – Billy Boyd / „The last Goodbye“

„To these memories I will hold / With your blessing I will go / To turn at last to paths that lead home.“