MuffinMans Weltreise

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Have you ever seen rain?

Als ich meine Weltreise geplant habe, ging ich eigentlich davon aus, dass der australische Sommer zwar heiß, dafür aber super sonnig ist. Wie sich jetzt herausstellt habe ich da wohl einen kleinen Denkfehler gemacht. Je weiter ich von Canberra über Sydney die Küste entlang in Richtung Norden fahre, desto heftiger, ausdauernder und enervierender regnet ist. Momentan sitze ich in meinem Hostel in Surfers Paradise und gucke mir solch ergiebige Regenfälle an, dass die Eifel dagegen fast wie eine Wüste wirkt und ich nichts unternehmen kann – außer meinen Blog zu aktualisieren.

DIe letzten anderthalb Wochen habe ich eigentlich nur an diversen Stränden verbracht. Von Canberra aus ging es mit dem Greyhound-Bus zurück nach Sydney. Endlich einmal nicht durch die Nacht sondern am helllichten Tag. Leider fiel schon nach knapp einer halben Stunde die Klimaanlage im Bus aus und trotz intensiver Reperaturbemühungen des Fahrers blieb sie auch die nächsten 2,5 Stunden defekt. Immerhin konnte ich zum ersten Mal in einem Reisebus meinen Kaupzenpullover wieder ins Handgepäck packen – normalerweise ist die Klimaanlage so effektiv, dass man sich wie in einem Kühlschrank vorkommt.

Die Zeit in Sydney habe ich bei meinem zweiten Aufenthalt vor allem zum Entspannen und zum Postkarten schreiben genutzt. Letzteres tat ich im Café des Royal Botanic Gardens während mir ein kleiner neugieriger Vogel meinen halben pinken Prinzessinnen-Muffin stahl. Durch Zufall traf ich an einem der ältesten Gebäude Sydney – der alten Münzanstalt, die vormals Teil des ersten Krankenhauses Australiens war – auf eine engagierte Fremdenführerin, die mich und drei Kanadier nahezu eine Stunde lang durch das Gebäude und seine Anbauten führte. Sehr interessant, zumal dort die letzten verbliebenen Pfeiler des Crystal Palaces der Weltausstellung 1851 verbaut sind.

Bondi Beach

Der letzte Ort, den man sofort mit Sydney verknüpft und den ich noch nicht gesehen hatte, war Bondi Beach. An meinem vorerst letzten Tag in Sydney fuhr ich also mit dem Bus durch die Vorstädte zur Küste und machte mich zu Fuß auf den Weg von Bondi nach Coogee entlang des Bondi-to-Coogee-Coastal-Walks.

Bondi Beach hat mir von allen Stränden in Sydney am wenigsten gefallen. Nicht, weil dort so viele Leute unterwegs waren und auch nicht, weil man dort nur langsam mit dem Bus hinkommt, sondern weil er einfach landschaftlich nicht so schön und reizvoll ist wie beispielsweise Manly Beach oder die anderen Strände entlang des Coastal Walks. Dieser führt entlang der Küstenlinie die Felsen hinauf und hinab knapp sechs Kilometer immer weiter nach Süden. Er passiert mehrere kleine Buchten und deren Strände, einen Friedhof direkt am Meer und glücklicherweise auch viele Trinkwasserspender, bevor er in Coogee wieder an eine große Bushaltestelle heranführt. Von dort aus fährt man dann mit dem Bus durch die Vororte wieder zurück in Richtung Innenstadt. Teilweise sind die Straßen dabei so steil, dass der Bus die Berge nicht schneller als im Schritttempo hinauffahren kann.

Da mein Bus von Sydney nach Coffs Harrbour erst um 23:00 Uhr abfuhr, hatte ich noch relativ viel Zeit durch die Stadt zu spazieren. Dabei entdeckte ich, dass Hungry Jacks – das australische Pendant zu Burger King – tatsächlich einen Veggie Whopper im Angebot hat. Der kostet allerdings gleich 2 Dollar mehr als der normale, schmeckt nach nichts und im Menü zahlt man für ein nicht gestilltes Hungergefühl tatsächlich mehr als 10 Dollar. Australien ist echt verdammt teuer.

Coffs Harbour

Langsam stellt sich bei jedem neuen Ort an den ich komme eine Gewisse Routine im Vorfeld ein: Die Busverbindung ist gebucht, das Hostel auch, der Weg von der Bushaltestelle zum neuen Hostel ist eigentlich klar – meistens wird man von einem Shuttlebus abgeholt. Unklar ist allerdings, auf was für Leute ich im nächsten Schlafsaal treffen werde. Im Idealfall finde ich schnell Anschluss zu coolen Leuten, im schlechtesten Fall ist das Zimmer voller Pärchen, die ihre Zeit alleine verbringen wollen und mir mit jedem Wortgefecht zeigen, wie gut ich es prinzipiell habe, alleine zu reisen. Trotz der Herausforderung jedesmal erneut Anschluss zu finden. Nicht, dass man mich falsch versteht: Ich reise auch gerne mit anderen Leuten durch die Gegend – aber eine einjährige Weltreise ist doch eine ziemlich starke Herausforderung für jede Freundschaft oder Partnerschaft. Schlimmer als keifende Pärchen finde ich persönlich nur noch die Art 18jähriger Abiturienten, denen in Australien nichts besseres einfällt, als sich tagelang im Hostel mit Alkohol und Gras vollzudröhnen und Playstation zu spielen – und die von dem Land an sich überhaupt nichts sehen. Um solche Gruppen mache ich meist einen weiten Bogen. Wenn ich mich betrinken will kann ich auch nach Mayen fahren. Da ist es zumindest nicht allzu schade, wenn man von der Stadt und der Umgebung nichts sieht.

In Coffs Harbour lief allerdings alles optimal. Schon kurz nach dem Einchecken und dem Beziehen des Zimmers im YHA machte ich mich mit zwei weiteren Reisenden und geliehenen Surfboards auf den Weg zum nahen Strand um das Surfen einfach mal so auszuprobieren. Das sah allerdings so lächerlich aus, dass ein beherzter Australier uns spontan und umsonst knapp eine Stunde lang Unterricht gab.

DIE Sehenswürdigkeit in Coffs Harbour ist eine knapp sieben Meter lange und zwei Meter hohe Beton-Banane, die Big Banana. Sie scheint eine Art Nationalheiligtum zu sein: Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1964 entstanden in Australien über 80 weitere Big Things. Eindrucksvoller und schöner als die Banane war allerdings der Fußweg dahin entlang zweier Strände und über eine große Klippe. Die zweite Sehenswürdigkeit Coffs Harbours ist der Jetty, der Pier direkt am Hafen. Von diesem kann man herunterspringen. Und auf Fotos macht er sich auch ganz gut.

Australien kann auch gefährlich sein, auch das habe ich in Coffs Harbour gelernt: Zum einen traf ich dort auf meine erste Giftschlange (deren Biss für Menschen allerdings meistens nicht gefährlich ist), zum anderen fand ich mich auf einmal in einer Rip Current wieder: Obwohl ich wusste, dass ich auf keinen Fall gegen die Strömung anschwimmen, sondern am besten ruhig bleiben und mich zum Ende der Strömung treiben lassen sollte, vergaß ich dies sofort, nachdem ich bemerkt hatte, dass mich die Strömung aufs Meer hinauszog. Diese eine Minute schwimmen, bis mich jemand auf seinem Surfboard zurück an den Strand gebracht hatte, war so anstrengend für mich wie kein Schwimmen jemals zuvor. Und soviel Angst hatte ich im Wasser auch nicht mehr seit meinem ersten Schwimmkurs als Kleinkind im Peiner Hallenbad. Glücklicherweise ging alles glimpflich aus und ich habe mir felsenfest vorgenommen nur noch unter Aufsicht der Rettungsschwimmer an relativ sicheren Stellen ins Meer zu gehen.

Byron Bay

Nach drei Nächten in Coffs Harbour fuhr ich mit dem Bus weiter nach Norden die Küste entlang bis nach Byron Bay. Das dazugehörige Cape Byron markiert den östlichsten Punkt des australischen Festlands – für mich geht es auf meiner weiteren Reise als nur noch in Richtung Westen.

Byron Bay ist ein typischer Backpacker-Ort mit vielen relativ günstigen Hostels, einigen teuren Bars und Alkoholläden und eben vielen Backpackern. Mir hat es insgesamt nicht ganz so gut gefallen wie Coffs Harbour und das lag nicht am schlechter werdenden Wetter (nachts gewitterte es sogar) oder meinem fiesen Sonnenbrand (auch wenn das Wetter Regen vorhersagt sollte man sich mit Sonnencreme einschmieren) sondern daran, dass ich nicht auf die richtigen Leute vor Ort traf und im Allgemeinen weder Bock hatte in irgendwelche mediokren Clubs zu gehen oder für 35 Dollar in die Hippie- und Kiffermetropole Nimbin zu fahren.

Landschaftlich sind die Gegend um Byron Bay und vor allem die nahen Nationalparks sehr schön. Vor allem das Konzert der Vögel ist beeindruckend und deutlich aufdringlicher als in Deutschland. Rund um das Cape Byron Lighthouse führt ein abwechslungsreicher und informativer Wanderpfad durch den nahen Nationalpark. Von den Klippen des Kaps aus konnte ich sogar eine große Gruppe Delfine sehen. Kängurus sind mir aber leider bisher immer noch nicht über den Weg gelaufen :/

Der bewölkte und ab und zu regnerische Himmel in Byron Bay war immerhin ideal für meine erste richtige Surfstunde. Auch wenn der Wind heftig am Board riss war man immer hoch motiviert, im Wasser zu sein: Dort war es deutlich wärmer als draußen im Wind. Und im Gegensatz zum Unwetter in Surfers Paradise war das Wetter hier geradezu angenehm normal.

Surfers Paradise

Viel versprochen hatte ich mir nicht vom zentralen Ort der Gold Coast, gilt er doch als eine der Party-Hochburgen Australiens. Wolkenkratzer prägen das Stadtbild direkt am Strand und mit dem Q1-Tower wurde hier in den letzten Jahren auch das höchste Gebäude Australiens errichtet. Worauf ich mich allerdings nicht eingestellt hatte war der Dauerregen, der wenige Stunden nach meiner Ankunft einsetzte und momentan – 24 Stunden später – immer noch nicht wieder aufgehört hat.

Glücklicherweise ist das Hostel in dem ich untergekommen bin ziemlich gut: Immer zwei Vierbettzimmer teilen sich einen großen Gemeinschaftsraum mit Küche und ein Bad. Bei meiner Ankunft traf ich zufällig auf einen Bekannten aus Coffs Harbour wieder und auch sonst, herrscht in unserer Hostel-WG eine super entspannte Stimmung. Das macht den Dauerregen ein bisschen erträglicher, auch wenn keiner von uns wirklich weiß, was wir mit diesem Regentag anfangen sollen.

Bei einer Umfrage, was man in Australien am dringendsten Abreißen sollte, landete Surfers Paradise auf dem ersten Platz. Ich kann das sehr gut verstehen. Die Wolkenkratzer-Hotels und ihre Shoppingmalls sind einfach monströs und vollkommen maßlos. Schön ist für mich anders. Und einen wochenlangen Familien-Club-Urlaub kann mich ich mir hier auch nicht vorstellen. Vor allem nicht im Dauerregen.

Morgen Mittag geht es glücklicherweise weiter nach Brisbane. Das Wetter soll zumindest ein wenig besser werden und das Australia Day Weekend steht an. Danach geht es dann weiter die Küste entlang, erstmal bis nach Fraser Island. Ich bin gespannt und bleibe neugierig. Und insgeheim hoffe ich auf wolkiges aber nicht regnerisches  Wetter – meine Fotos sehen dann einfach spannender aus ;)

Ohrwurm des Tages – Frank Turner / „Glory Hallelujah“

Irgendwie ziehe ich in Australien Missionare und Zeugen Jehovas magisch an. In Sydney haben sie mir sogar ein halbstündiges Gespräch aufgedrängt. Deswegen stelle ich mit Frank Turner ein für alle mal fest: „There is no god, no heaven and no hell!“

1 Kommentar

  1. Big Mama from lime-tree-mountain

    23. Januar 2015 at 19:00

    ….und hier schneits noch nich mal!
    grüne füße von schnecki, totti, seattle w. goat und den anderen Q-Ties.

    Die herzlichsten Grüße von Familie Böhm und ganz besonders von Suse.

    Mach mal n Bild von Dir und Deinem Rauschebart.
    Wir wissen schon gar nicht mehr, wie Du aussiehst…
    :) :-) :–)

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