… and into the Fridge. So kann man meine – im doppelten Sinne – letzten Tage in Australien zusammenfassen. Aus dem tropischen Norden ins gemäßigtere Sydney. Eine Abkühlung von schwülen 35 °C in Cairns auf weitaus trockenere 25 °C in Australiens Hauptstadt. Selten habe ich so hohe Temperaturen so kalt erlebt wie hier. Immerhin hatte ich im Flugzeug den Platz mit der größten Beinfreiheit: Ganz vorne im Billigflieger. Doch bevor ich mich dem Lobgesang auf die Bettdecke hingebe zunächst dahin zurück, wo ein einfaches Laken zum Zudecken gereicht hat: Ins nördliche Queensland.

Mission Beach

Die Attraktion des kleinen Küstenortes ist nicht etwa der Strand, der zwar sehr schön ist aber wegen Quallengefahr nicht wirklich zum Baden einlädt, sondern für die meisten Backpacker der Skydive, ein Fallschirm-Tandem-Sprung aus 14.000 Fuß Höhe. Zumindest buchen die meisten Reisenden auf dem australischen Backpacker-Highway bei einer der unzähligen Agenturen, die sich auf Touren für 18- bis 21-jährrige entlang der Ostküste spezialisiert haben, ihren Skydive in Mission Beach. Warum? Keine Ahnung. Vermutlich weil die Reiseagenturen damit das meiste Geld verdienen und es in Mission Beach kaum etwas zu tun gibt.

Außer natürlich einer schweißtreibenden Wanderung durch den Regenwald hinauf auf den Bicton Hill. Obwohl ich bereits morgens um  08:30 Uhr losmarschiert bin, war es kein bisschen kühl. Die Sonne schien und das Meer lag ruhig da wie selten, als ich mich entlang des Strandes auf den Weg gemacht habe. Nach knapp einem Kilometer ging es dann aber in den feuchten Regenwald, durch wilde Mückenschwärme und vorbei an einem riesigen Leguan. Nach etwa zwei Kilometern im windstillen schwülen Wald verlief der Wanderweg wieder entlang eines Strandes und dann in der prallen Sonne neben einer Straße bis zum Fuß des Bicton Hill.

Der Hügel ist zwar nicht sehr hoch und der Rundweg auch nur knappe vier Kilometer lang – dennoch hatten diese es in sich. Ich bin es einfach nicht gewöhnt in den Subtropen wandern zu gehen. Vor allem meinen Wasserbedarf hatte ich massiv unterschätzt und musste gut mit meinem zu geringen Vorrat haushalten während ich gleichzeitig zum ersten Mal das Gefühl erleben durfte, im wahrsten Sinne des Wortes in Schweiß gebadet zu sein. Auf der Hügelkuppe, von der aus man einen wirklich sehr schönen Ausblick über den Mission Beach hat (ja, der Strand und ein Ort entlang des Strandes heißen so), hatte ich nichts trockenes mehr am Leibe. Und das sollte sich auf dem Rückweg auch nicht mehr ändern.  Dennoch hat sich die anstrengende Wanderung gelohnt. Und das nicht nur wegen eines Schmetterlings mit unglaublichen 15 Centimetern Flügelspannweite. Das gefährlichste Tier, dass ich unterwegs getroffen habe, war übrigens weder eine Schlange noch ein Spinne sondern ein bedrohlicher kleiner Hund am Strand.

Glücklicherweise konnte ich den Rest meiner Zeit in Mission Beach wahlweise mit Baden im Pool oder Rumgammeln im Klimaanlagen-gekühlten Hostelzimmer verbringen. Am nächsten Tag ging es dann weiter zum nördlichsten Punkt meiner Australienreise.

Cairns und das Great Barrier Reef

Ein letztes Mal in den Greyhound-Bus (noch nicht mal ausgebucht, eine wirkliche Rarität in den letzten Wochen) und dann entlang der Küste knappe 100 Kilometer weiter nach Norden: nach Cairns, bekannt als Ausgangspunkt für Bootstouren zum Great Barrier Reef. Sentimental war mein Abschied vom Reisen mit Greyhound nicht wirklich. Zwar waren die Busse meistens auf die Minute pünktlich, dafür aber für etwas größere Menschen wie mich leider recht unbequem, vor allem während Übernachtfahrten. Aber das nur am Rande, zurück nach Cairns.

Cairns ist einer der Ausgangspunkte für Touren entlang der Ostküste – offensichtlich für alle Work and Travel-Backpacker, die von dort aus nach Süden reisen wollen. Deswegen gibt es dort nicht nur unglaublich viele Hostels, sondern auch den berühmtesten Club entlang des Backpacker-Highways: Gilligigan’s. Und wie ich zugeben muss, ist die Bar gar nicht mal so schlecht, sondern auch recht günstig. Und sie haben gut Livemusik. Das hatte ich in den Wochen vorher so nicht erwartet.

Und auch wenn Cairns eine relativ übersichtliche Stadt hat, hatte ich hier zum ersten Mal seit vier Wochen wieder die Möglichkeit, elementare Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen, wie zum Beispiel Unterhosen und USB-Kabel. Auch das Hostel war eine unglaubliche Oase der Ruhe: Großzügige Anlage, günstige Preise, schöner Pool und ruhige Mitbewohner. Nur der Umstand, dass man für die Klimaanlage im Zimmer bezahlen musste, trübt mein Urteil ein wenig. Und sogar im Kino bin ich gewesen: „Kingsman – The Secret Service“. Sehr empfehlenswert, wenn auch mit einem Ticketpreis von zwölf Euro recht teuer.

Doch zurück zum eigentlichen Grund für meine Reise nach Cairns: Das Great Barrier Reef. Ich habe es während einer Tagestour mit dem Boot schnorchelnd und tauchend erkundet. Und ich war einfach nur verblüfft und überwältigt. Nicht nur, weil mir das Tauchen so viel Spaß gemacht hat, sondern vor allem, weil ich noch nie eine so bunte und vielseitige Unterwasserwelt gesehen habe. Neben Clownfischen und Schildkröten habe ich unzählige weiter Fische und Fischschwärme beobachten dürfen. Es ist einfach unglaublich, dass es unter Wasser eine solche Artenvielfalt und so viel Leben gibt. Das ist der Grund dafür, dass ich während meiner Weltreise – vermutlich auf Hawaii – meinen Tauchschein machen will.

Meine restliche Zeit in Cairns habe ich auch damit verbracht, Bekannte wiederzutreffen, die ich unterwegs auf meiner Reise getroffen habe und mit ihnen das ein oder andere Bier zu trinken. Ich hoffe, ich sehe euch wieder, ob in Schweden oder in England!

Meine Abreise aus Cairns fiel mit einem traurigen Ereignis zusammen, der Nachricht vom Tod Leonard Nimoys, besser bekannt als Mr. Spock. Als überzeugter Nerd und Star Trek-Anhänger hat mich das wirklich erschüttert. Um Captain Kirk zu zitieren:

„Of my friend I can only say this: Of all the souls I’ve encountered in my travels his was the most … human.“

Farewell, Mister Spock!

Blue Mountains

Auch wenn ich nicht der größte Fan Sydneys bin – eins muss man der Stadt und der Regierung von New South Wales zu Gute halten: Jeden Sonntag kann man den öffentlichen Nahverkehr für einmalige 2,50$ nutzen. Das gilt auch für recht weite und lange Zugfahrten, wie die 130 Kilometer lange Strecke nach Katoomba, der bekanntesten Stadt in den Blue Mountains. Diese verdanken ihren Namen den vielen Eukalyptus-Wäldern. Die ätherischen Öle, die diese verdampfen, brechen das Licht so, dass alles, was weiter entfernt ist, blau erscheint.

Hinzu kommt, dass sie wirklich sehr schön gelegen sind. Einmal vor Ort konnte ich sofort nachvollziehen, warum die schroffe und dicht bewachsene Landschaft für mehrere Dekaden als undurchdringlich galt und so eine Ausbreitung der jungen Kolonie ins Landesinnere im Weg stand.

Auch wenn am Bahnhof Bustouren ihre Dienste anbieten ist man meiner Meinung nach deutlich besser zu Fuß unterwegs. So weit sind die Entfernungen auch nicht und man sieht auch Dinge, die der typische Asiat niemals zu Gesicht bekommt. Wie zum Beispiel die Treppen, die entlang der steilen Felskanten knappe 270 Meter in die Tiefe führen. Eine der Treppen, die ich während meiner Wanderung genutzt habe, hatte 900 Stufen (bergab), die andere 1.200 (bergauf). Das war ganz schön schweißtreibend, auch wenn die Temperaturen in den Blue Mountains deutlich angenehmer waren als in Mission Beach.

Da ich am Abend vorher zur Abwechslung einmal die Wettervorhersage des australischen Bureau of Meteorology angeschaut hatte, wusste ich, dass mir nur der Vormittag für die Tour blieb. Und wie vorhergesagt fing es genau in dem Moment in Sydney an zu regnen, als ich wieder im trockenen Hostel war. Dort habe ich dann versucht, mein verbliebenes australisches Handy-Guthaben aufzubrauchen. Und das war echt schwer: Ein 15-minütiges Telefonat mit meinen Eltern in Deutschland hat mich gerade mal 37 Cent gekostet.

Ohrwurm des Tages – Casper feat. Kraftklub / „Ganz schön okay“

Macht einfach gute Laune das Lied. Und passt perfekt zu meiner aktuellen Stimmung.

Short and sweet

My time in Australia is nearly over. I’ve walked the rainforest in Mission Beach and dived the Great Barrier Reef near Cairns. Then I flew back to Sydney only to head further to the Blue Mountains for a day trip. The forests, the cliffs and the blue colour of the mountains was really amazing!

But where is light there is always shadow: One of the heroes not only of my childhood died: Rest in peace, Leonard Nimoy. I will miss you.