Fraser Island – kein anderer Ort in Australien löst unter Backpackern so einhellige Begeisterung aus wie die größte Sandinsel der Welt. Das UNESCO-Weltnaturerbe ist über 100 Kilometer lang, im Schnitt 15 Kilometer breit und im Prinzip eine riesige bewaldete Sandbank. Alleine das macht die Insel schon ziemlich einmalig. Hinzu kommen aber noch wunderschöne kristallklare Seen, ein als offizieller Highway klassifizierter Strand und die reinste Dingo-Population Australiens. Ein wirklich grandioser Ort und definitiv einen längeren Besuch wert.

Hervey Bay

Im Prinzip gibt es zwei Orte, von denen aus man Fraser Island per Fähre erreichen und sich einer geführten Allrad-Tour anschließen kann: Rainbow Beach und Hervey Bay. Während sich in Rainbow Beach die meisten Backpacker für ihre Tour sammeln wird Hervey Bay deutlich weniger von Touristen besucht. Es gibt auch nicht viel zu sehen: Das Meer mit einem eher enttäuschenden Strand und einem 16 Kilometer langen Radweg entlang der Küste und kurz nach Sonnenuntergang hunderte Fledermäuse am Abendhimmel. Und das war es auch schon.

Fraser Island

Nicht wirklich hilfreich für ein positiveres Bild von Hervey Bay waren die zahlreichen Regenschauer. Und so machte ich mich mit eher gemischten Gefühlen bezüglich des Wetters mit einem Shuttlebus auf den Weg nach Fraser Island. Sorgen, die unbegründet waren: zwar hat es am Abend des ersten Tages kurz geregnet, den Rest der Zeit über aber schien die Sonne. Und die wenigen Wolken am Himmel sorgten oftmals für die nötige Abkühlung bei Wanderungen.

Für meine 3-Tages-Tour inklusive Essen und zwei Übernachtungen habe ich 415 $ bezahlt – wahrlich kein Schnäppchen. Aber das sind Touren in Australien meiner Erfahrung nach nie. Dafür habe ich aber auch einiges geboten bekommen. Stundenlanges Allrad-Fahren über die Sandpisten der Insel und am Strand entlang, wirklich bequeme Betten und das beste Essen, das ich bisher in Australien hatte. Da ich mich aber normalerweise nur von Nudeln, Reis, Toast und Cornflakes ernähre war letzteres aber auch nicht allzu schwer ;)

Unter den Backpackern in meiner Reisegruppe waren überraschend wenig Deutsche. Sogar so wenig, dass ab dem zweiten Abend nur noch Engländer um mich herum waren. Ein wirklich merkwürdiges Gefühl hier in Australien.

Lake McKenzie, Lake Basin und Wanggboola Creek

Direkt nachdem die Fähre Fraser Island und das Kingfisher Bay Resort erreicht hatte ging die Tour im Allrad-Bus los. Erster Stopp war Lake McKenzie, der älteste und reinste der über 100 Seen auf Fraser Island. Weißer Sandstrand, kristallklares Wasser das im Sonnenlicht blau schimmert und im Hintergrund der scheinbar endlose Regenwald – ein wirklich unglaublich schöner Anblick, der in meinen Augen nur noch einmal am dritten Tag überboten wurde. Das Wasser in den Seen ist so rein, dass ich am liebsten gar nichts anderes tun wollte als mich darin treiben zu lassen. Endlich einmal kein Chlor oder Salz auf der Haut oder in den Augen, nur klares Regenwasser.

Nach einem kurzen Mittagessen in der Nähe des Sees, bei dem wir von gierigen Echsen und Vögeln beobachtet wurden, begann der Nachmittag des ersten Tags mit einer kleinen Wanderung. Eigentlich eher ein kleiner Verdauungsspaziergang in meinen Augen: Entlang eines anderen Sees (Lake Basin, jünger als Lake McKenzie und deswegen auch mit nicht ganz so klarem Wassser) ging es zu einer alten Holzfällersiedlung (Central Station) und dann entlang des Wanggoolba Creeks durch den Regenwald. Es erstaunt mich immer wieder, dass auf einer Insel, wo es eigentlich nichts als Sand gibt, so ein dichter Regenwald entstehen kann. Ein Naturwunder im wahrsten Sinne des Wortes (eine Referenz an das Sprichwort „auf Sand bauen“ spare ich mir an dieser Stelle einmal).

Abends ging es dann zurück zum Resort. Am Pier wollten wir uns den Sonnenuntergang angucken. Fast wäre er wegen Regens ins Wasser gefallen – glücklicherweise fielen aber nur ein paar wenige Tropfen und die dichten Wolken bildeten einen interessanten Kontrast zur untergehenden Sonne. Eigentlich wollte ich den Abend dann gemütlich ausklingen lassen. Es hätte mir allerdings vorher klar sein sollen, dass das mit Engländern und Schweden kaum möglich ist. Es wurde also deutlich länger als geplant. Aber dank des versehentlich gekauften, alkoholreduzierten Biers hatte ich a nächsten Morgen keine Spätfolgen, die die Tour getrübt hätten.

75 Mile Beach, Eli Creek und Champagne Pools

Der nächste Tag begann um 07:30 Uhr mit einem deftigen Frühstücksbuffet, bevor der Allrad-Bus um 08:30 Uhr in Richtung Ostseite der Insel abfuhr. Der Weg durch die Insel entlang der Sandpisten zog sich ganz schön, dafür konnnte unser Guide entlang des Strands Gas geben: bis zu 80 km/h darf man entlang des 75 Mile Beachs fahren. Allerdings verpasst man dann auch den ein oder anderen Dingo am Straßenrand. Meistens sind wir aber doch umgekehrt, um die kleinen, niedlichen Hunde besser beobachten zu können. Natürlich aus den Busfenstern heraus, denn allzu freundlich und schmusebedürftig sind die Tiere leider nicht.

Unser erster Stopp am Strand war Eli Creek, ein Süßwasserbach, der am Strand ins Meer fließt. Es gibt kaum etwas schöneres, als sich im frischen, kühlen Wasser durch den Regenwald zum Strand treiben zu lassen und dann dort Lunch zu essen. Wirklich schön und belebend. Nach diesem Stopp war auch der letzte wach.

Entlang des Wracks der SS Maheno und den Pinnacles – Sandformationen, die die ganze Bandbreite unterschiedlicher Sandarten auf Fraser Island zeigen – ging es mit dem Bus immer weiter nach Norden bis ans Ende des 75 Mile Beachs. Dort liegt der 60 Meter hohe Indian Head, von wo aus man einen super Überblick über die Küste und den wirklich heftig tobenden Pazifik hat. Alleine im Sommer 2014/15 sind dort drei Menschen ums Leben gekommen. Es wimmelt von Haien und Quallen, Schwimmen ist dort definitiv nicht angesagt.

Der einzige Ort entlang der Küste, an dem man tatsächlich nahezu bedenkenlos baden kann, sind die Champagne Pools. Zwei Wasserbecken, die vom Meer durch Felsen getrennt sind und wo nahezu jede Fraser Island Tour hält. Dementsprechend voll war es. Seit Sète in Südfrankreich habe ich nicht mehr so viele Menschen am Strand in der Sonne gesehen. Für mich nicht der schönste Ort auf Fraser Island – allerdings immer noch mächtig beeindruckend.

Entlang des Strands ging es dann zurück zum Resort. Das monotone entlangfahren mit den Wellen auf der linken und dem Strand auf der rechten Seite des Busses macht wirklich schläfrig. Kombiniert mit der entspannten Musik im Bus das definitive Mittel, um jeden Passagier zum Schlafen zu bringen. Am Abend verließen uns die ersten Mitreisenden, die nur eine 2-Tages-Tour gebucht hatten. Unter ihnen die drei Schweden, mit denen ich mich zwischenzeitlich angefreundet hatte und nahezu alle anderen Nicht-Engländer. Da die verbliebenen Engländer nun in ihr umgangssprachliches und schnelles Englisch wechselten, musste ich mich teilweise echt anstrengen, um sie zu verstehen o.O

Lake Birrabeen und Lake Wabby

Letzter Tag, noch einmal wirklich früh aufstehen: Um 07:45 Uhr ist heute Abfahrt. Zunächst geht es mit dem Bus zu Lake Birrabeen, dem kleinen Bruder von Lake McKenzie: genauso blaues, klares Wasser, genauso weißer Strand aber weniger Touristen. Ein weiterer Bonus war das kostenlose Stand Up Paddling, in dem ich mich versucht habe: Im Vergleich zum Surfen nicht ganz so wacklig, wenn man erstmal Fahrt aufnimmt – warum man aber überhaupt im Stehen paddeln sollte erschließt sich mir immer noch nicht. Ich habe dann doch lieber im See gebadet.

Nach dem Mittagessen stand dann mein persönliches Fraser-Highlight auf dem Programm: Lake Wabby. Gefangen zwischen dem Regenwald und einer riesigen Wanderdüne ist der See einmalig – und für Fraser Island ziemlich tief. Ich konnte mich gar nicht an ihm sattsehen. Im See selber leben hunderte kleine Fische, die nichts lieber tun, als um einen herumzuschwimmen und abgestorbene Hautzellen zu fressen. Überall anders muss man für so eine Wellness-Anwendung teuer bezahlen – hier gehörte sie als Bonus dazu.

Auch der Weg zu See hatte einiges zu bieten: Zwar war er nicht halb so anstrengend wie behauptet, dafür schön gelegen und mit wilden Leguanen und Spinnen. 2,5 Kilometer hin und auch wieder zurück, die sich echt gelohnt haben. Und leider war die Tour dann auch schon vorbei. Mit dem wackeligen Bus ging es ein letztes Mal über die Insel, zurück zum Fähranleger. Bei strahlendem Sonnenschein über der Great Sandy Strait dauerte die Rückfahrt aufs Festland knappe 45 Minuten. Und wie aus einem Traum erwacht ging es dann für mich zurück ins YHA Hervey Bay, Waschen und Ausschlafen (letzteres war aufgrund meiner Mitbewohner leider zum ersten Mal ausgesprochen schwierig).

Fraser Island hat mir viel gegeben und ich denke, die Tour war jeden Cent wert. Die Landschaft ist einfach unglaublich atemberaubend schön. Die Existenz dieses Paradieses an sich ist schon an und für sich ein echtes Wunder. Dazu kamen die vielen interessanten Leute, die ich während der Tour kennen lernen durfte. Ein paar davon haben mich auf Gedanken gebracht, die mich noch lange Zeit beschäftigen werden. Ich bin dankbar dafür! In ein paar Stunden geht es weiter nach Agnes Water und in knappen drei Wochen ist meine Zeit in Australien auch schon fast vorbei. Ich bin gespannt, was die nächsten Tage bringen und hoffe, dass ich nach Fraser Island nicht allzu enttäuscht vom Rest der Ostküste bin.

Ohrwurm des Tages – Blue Swede / „Hooked on a Feeling“

Ich weiß nicht welcher Engländer es war, aber irgendeiner hat auf Fraser Island dieses Lied angemacht. Und ich werde es nicht mehr los. Passend dazu habe ich auf dem Hinflug nach Australien endlich „Guardians of the Galaxy“ gesehen. Super Film! Lohnt sich echt anzugucken.

Short and sweet

As many of my fellow non-german travellers have asked for, I will try to sum up my blogposts in English from now on. If anyone complains about my improper language skills, I will switch to French. They also think everybody has to know  their language ;)

Fraser Island is an awesome place. The island ranks among the top three places I have ever been to in my life: beautiful lakes, stunning wildlife and a nearly impossible existence that is indeed one of natures most stunning wonders. Just have a look at the photos and I think you will be convinced. The three days on the island have deeply impressed me. And some of the guys I met over there have – unintentionally I assume – set in motion a chain of thoughts I am very curious to discover to its end. Thanks a lot for that!