Ich bin endlich angekommen. Ich meine nicht körperlich an irgendeinem Ort sondern mit meinem Kopf unterwegs. Ich lebe fast nur noch im hier und jetzt und genieße das Unterwegssein. Ein großartiges Gefühl! Wann genau ich damit aufgehört habe, meine Reise als riesigen Berg den es bis zum Ende des Jahres abzuarbeiten gilt zu betrachten, weiß ich nicht genau. Irgendwann in den letzten anderthalb Wochen ist mir aufgefallen, dass ich kaum noch daran denke, dass meine Weltreise ein Ende hat, das relativ weit entfernt in der Zukunft liegt. Ich bin einfach unterwegs und denke maximal noch darüber nach, welche zwei, drei Orte als nächstes auf meiner Reiseroute liegen. Ich fühle mich unglaublich frei.

In den letzten Tagen bin ich von Surfers Paradise aus der Ostküste Australiens weiter gefolgt. Im Überlandbus lese ich mittlerweile nicht mehr, die schier endlose und sich nur langsam wandelnde Landschaft reicht mir als Unterhaltung während der Fahrt. Und auch der Regen, über den ich mich in meinem letzten Post noch beschweren konnte, hat mittlerweile aufgehört. Um genau zu sein: praktisch in dem Moment in dem ich Surfers Paradise verlassen habe. Aber gut, den Ort kann man meiner Meinung nach eh abhaken. Schauen wir stattdessen weiter nach Norden auf meiner Reiseroute:

Brisbane

Das Australia Day Weekend habe ich in der Hauptstadt Queenslands verbracht, Brisbane ist bei weitem nicht so groß wie Sydney oder Melbourne, die Stadt liegt noch nicht einmal direkt am Meer sondern hinter der Küste an einem Fluss, der sich durch die Stadtviertel schlängelt. Dennoch oder auch gerade deswegen ist Brisbane auf jeden Fall eine Reise wert. Die Skyline wird von einem der wohl elegantesten Hochhäuser Australiens dominiert, dem Infinity Tower. Entlang der South Bank finden sich nicht nur vorzügliche Museen und die Staatsbibliothek Queenslands (mit wirklich schnellem Gratis-WiFi) sondern auch ein großzügiger Park inklusive künstlichem Badestrand.

Innerhalb dieses Parks fand anlässlich des Australia Day Weekends ein großes öffentliches Picknick statt – mit viel Live-Musik und einigen Ständen. Am Abend des 25. Januars – Australia Days Eve – gabe es dazu noch ein großes Feuerwerk am Fluss, dass ich mir von der Dachterrasse meines Hostels angucken konnte. Das Hostel hatte eine Klimaanlage. So etwas kannte ich bisher noch nicht, der größte Luxus im immerwährenden Kampf gegen die Hitze in Hostelzimmern waren bisher Ventilatoren. Leider war die Klimaanlage viel zu kalt eingestellt, sodass ich mir nach der ersten Nacht erstmal eine dicke Decke an der Rezeption besorgen musste.

In den letzten Jahren wurde Brisbane immer besser für die Bedürfnisse von Fußgängern und Radfahrern ausgerüstet: Entlang beider Flussufer verlaufen nun ausgedehnte Rad- und Fußwege, teils sogar auf Stelzen im Fluss. Verbunden werden beide Seiten mit teils gewagten Brückenkonstruktionen. Dadurch fühlt sich Brisbane sogar deutlich moderner als Melbourne an. Mir hat es wirklich gut gefallen!

Einen Tagesausflug habe ich in Brisbane unternommen: Es ging mit dem Bus zum Lone Pine Koala Sanctuary. Nach 45 Minuten Busfahrt in einen der Vororte und 28 $ Eintritt konnte ich dann die bekannten australischen Tiere bestaunen, die mir in freier Wildbahn noch nicht über die Gegend gelaufen waren: Dingos, Kookabooras (ein ewiger Dank an dieser Stelle an meine ehemalige Musiklehrerin, wegen der ich diesen Namen seit der siebten Klasse nicht mehr vergessen habe), Kängurus und Schnabeltiere. Den Kängurus und Koalas konnte man sogar ganz nahe kommen, wobei man allerdings für das Koala-Streicheln noch einmal extra bezahlen durfte. Dafür gab es aber auch ein nettes Erinnerungsfoto. In meinem nächsten Leben möchte ich unbedingt Koala werden: 6 Stunden pro Tag Essen und die restlichen 18 Schlafen.

Noosa

Den nächsten Stopp auf meiner Reise von Melbourne nach Cairns habe ich in Noosa eingelegt. Ein Ort, der vom Lonely Planet Australia mit Missachtung gestraft wird. Ich verstehe zwar nicht wieso, allerdings sind deswegen so wenige Backpacker vor Ort, dass die Atmosphäre in der Stadt deutlich relaxter ist als beispielsweise in Byron Bay. Noosa liegt an der Mündung des Noosa River in den Pazifik. Entlang des Flusses finden sich dutzende Villen und an der Flussmündung ein wunderschöner Nationalpark mit tollen Wanderwegen. Am beeindruckendsten sind aber die Vögel, die sich allabendlich kurz vor Sonnenuntergang auf den Weg in die Wipfel einiger weniger Bäume machen um dort einen Höllenlärm zu veranstalten.

Im Hostel bin ich gleich am ersten Abend auf Jan aus Belgien getroffen, mit dem ich fast sofort den Plan gefasst habe, am nächsten Morgen früh aufzustehen um mit den Gratis-Kayaks die unzähligen Villen vom Wasser aus zu erkunden. Die zum Wasser weisenden Fronten sind zum Teil noch beeindruckender als diejenigen die man von der Straße aus sehen kann. Die Sonne hat sich während unseres Frühsports zwar hinter einigen Wolken versteckt, allerdings hat das kaum gestört: es regnete nicht und es gab auf diese Weise auch keinen neuen Sonnenbrand.

Einen Tag später machten wir uns dann auf den Weg in den Noosa National Park, Ein Rundweg verläuft zunächst entlang des Strands und verschiedener Buchten mit Blick auf dutzende Surfer die ihrer Surfboards teils kilometerweit durch den Park schleppen. Auf halber Strecke führt der Weg dann über hohe Felsen: Hells Gate. Keine Absperrung trennt den Weg und den mutigen Wanderer von den Schroff ins Meer fallenden Klippen. Ein herrlicher Ausblick, den wir ganz für uns alleine hatten. Obwohl dieser Wanderweg der am meisten genutzte in Queensland sein soll, sind wir kaum einer Seele begegnet. Nach dem Klippen führt der Weg an den Pazifikstrand mit enorm hohen und heftigen Wellen. Kein Wunder, dass dort niemand gebadet hat. Durch den Wald, der das Innere der Landzunge bedeckt ging es dann wieder zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung. Eine wirklich schöne Tour. Und noch dazu ganz umsonst.

 Ebenfalls wunderschön und umsonst war der Sonnenuntergang über dem Noosa River; fast umsonst die Pizza bei Domino’s: 4,95 $. Unschlagbar. Schläge brauchte hingegen wohl das eine Pärchen aus meinem Zimmer, dass es für eine tolle Idee hielt, wirklich alle Hostelbwohner an ihren sexuellen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Sie waren sogar lauter als die Surround-Anlage des Gemeinschaftsfernsehers. Letzterer war recht hilfreich beim Überbrücken der wenigen Regenstunden.

Alles in allem hoffe ich für zukünftige Backpacker, dass der Lonely Planet Noosa weiter ignoriert. So können sie in Australien zumindest einen Ort besuchen, der sein Geld nicht nur mit Rucksacktouristen macht ;)

Rainbow Beach

Für die meisten Backpacker dient Rainbow Beach nur als Ausgangsbasis für ihre Tour nach Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt. Der Ort hat allerdings auch ein paar andere Sachen zu bieten, wie zum Beispiel den nördlichsten nicht wegen Quellengefahr gesperrten Badestrand Australiens oder die bunten in allen möglichen Rottönen gefärbten Klippen, die dem Ort seinen Namen gegeben haben. Und natürlich eine enorm hohe Sanddüne, die den schönsten Sonnenuntergang bietet, den ich bisher jemals gesehen habe.

Auch im Hostel in Rainbow Beach habe ich ziemlich schnell tolle Leute getroffen. Zusammen haben wir uns am Sandboarden versucht, was aber überhaupt nicht funktioniert hat. Ob es an unseren mangelnden Fähigkeiten oder der schlechten Ausrüstung des Hostels lag wissen wir allerdings nicht. Definitiv funktionieren tut hingegen mein ultramodernes Mikrofaser-Handtuch: Beim Sonnen am Strand hat es während ich einfach nur so da lag meine Schulterblätter von jeglicher Sonnencreme befreit. Das habe ich allerdings erst herausgefunden als es schon zu spät war. Naja, irgendwann weicht die sonnenbrandtypische Rötung der betroffenen Haut einer leichten Bräunung :D

Meine Reiseplanung für Australien ist jetzt abgeschlossen: Über Hervey Bay, Agnes Water, Rockhampton, Airlie Beach, Townsville und Mission Beach geht es bis Ende des Monats nach Cairns. Und dann sind die ersten beiden Monate meiner Weltreise auch schon vorbei. Das geht mittlerweile echt fixer als erwartet o.O

Ohrwurm des Tages – Snoop Dogg & Wiz Khalifa / „Young, wild and free“

Mein erster originär australischer Ohrwurm!