Ich glaube ehrlicherweise nicht, dass ich vor der Herr der Ringe-Trilogie von der Existenz Neuseelands wusste. Nachdem ich den ersten Film im Dezember 2001 gesehen hatte, stand für mich fest, dass ich irgendwann einmal die epischen Landschaften aus dem Film in der Realität sehen wollte. Und jetzt, 14 Jahre später, ist es soweit: Ich habe mir in der letzten Woche Hobbingen angeschaut und wenige Tage später eine geführte Tour zu  Drehorten rund um Wellington unternommen. Aber das ist nicht alles, was die Nordinsel an Sehenswürdigkeiten für mich bereit hielt.

Rotorua

Von Tauranga aus dauerte die Busfahrt nach Rotorua nicht allzu lange. Nach knapp zwei Stunden war ich schon da – nach den ewigen Busfahrten in Südostasien eine echte Erleichterung. Rotorua, gelegen am gleichnamigen See, ist vor allem bekannt für seine Geysire, heißen Quellen und Schlammlöcher. Viele dieser Naturwunder kann man ganz umsonst auf einem gut ausgeschilderten Spaziergang durch den Ort und am See entlang bewundern. Nur für die Geysire sollte ich knapp 50 NZ$ Eintritt bezahlen. Das war mir zuviel, zumal ich bereits im Yellowstone Nationalpark einige Geysire für weniger Geld bestaunen konnte.

Von Rotorua aus habe ich dann auch das Hobbiton Movie Set besucht. Im deprimierenden Nieselregen wurden wir mit dem Bus auf eine Farm in die Nähe von Matamata gebracht, wo das Filmset für die Herr der Ringe- und Hobbit-Filme aufgebaut wurde. Glücklicherweise pausierte der Regen während unserer knapp zweistündigen Führung. Die 110 NZ$ für Führung und Busfahrt haben sich meiner Meinung nach (und ich spreche als Fan) wirklich gelohnt. Das ganze Set sieht so echt, so belebt aus, dass man meinen könnte, Hobbits wären real. Nur im Grünen Drachen war dann doch recht wenig Stimmung. Immerhin gab es ein Glas Cider umsonst, bevor wir im wieder einsetzenden Regen zurück nach Rotorua gefahren wurden.

Taupo

Vom Lake Rotorua ging es weiter zum Lake Taupo. Bei strahlendem Sonnenschein (den ich an meinem zweiten Tag vor Ort erleben durfte) kann man über den See hinweg zu den schneebedeckten Gipfeln des Tongariro National Parks gucken, wo sich nicht nur der Schicksalsberg, sondern mit dem Tongariro Crossing die angeblich beste Tageswanderung Neuseelands befindet. Auf meinen Rückweg nach Auckland Mitte Dezember steht die Wanderung auf meinem Programm. Nach den vielen Fotos, die ich in meinem Hostel gesehen habe, freue ich mich schon riesig darauf.

Taupo selber hat auch eine wirklich schöne Sehenswürdigkeit zu bieten: Die Huka Falls. Dieser Wasserfall, einige Kilometer außerhalb gelegen, soll die meistfotografierte Sehenswürdigkeit Neuseelands sein. Schön ist er auf jeden Fall und auch die 90-minütige Wanderung bietet tolle Blicke auf den Taupo River. Bei Namen scheint man hingegen sich in Neuseeland nicht wirklich Mühe zu geben. Ein Tipp für Besucher: den besten Blick auf den Wasserfall hat man nicht von dort, wo die meisten Touristen stehen, sondern von der anderen Seite des Flusses.

Napier

Napier ist eigentlich eine ziemlich unscheinbare, nicht gerade touristische Stadt. Deswegen waren in meinem Hostel auch kaum Reisende, sondern vor allem arbeitende Abiturienten. Mindesten 70% von ihnen waren übrigens Deutsche. Nach einem verheerenden Erdbeben im Jahr 1927 lag Napier in Trümmern. Wiederaufgebaut wurde der Ort vor allem im Art déco-Stil. Dies brachte der Stadt den Titel „Art Deco Capital of the World“ ein. Ein Spaziergang durch die Stadt lohnt sich allemal.

Wellington

Von Napier aus ging es dann bei anhaltend schlechtem Wetter in die Hauptstadt Neuseelands, nach Wellington. Auf den ersten Blick, beeinflusst durch viel Wind und Nieselregen, war ich nicht wirklich begeistert, ganz im Gegensatz zum Lonely Planet, der Wellington immer wieder als eine der lebenswertesten Städte der Welt ausweist. Ein Spoiler vorweg: Bei schönem Wetter lässt sich das durchaus besser nachvollziehen.

Bevor ich aber die Erkundung Wellingtons auf dem Programm stand habe ich mich erneut auf die Spuren des Herrn der Ringe begeben. Mit einer Tagestour habe ich mir einige Drehorte in und um Wellington herum angeschaut. Von Helms Klamm, wo man heute nicht mehr als einen Steinbruch vorfindet, über den Garten Isengards, den ich sofort wiedererkannt habe, ging es weiter nach Bruchtal, einem großen Waldstück, in dem kaum etwas auf die Filmvergangenheit des Ortes hinweist. Glücklicherweise wurden wir auf der Tour von unserem Führer mit Filmausschnitten und Fotos versorgt, sodass sich doch meistens ein Aha-Effekt einstellte. Meistens konnte man bestimmte Bäume wiedererkennen.

Aus dem Hutt Valley ging es dann zurück nach Wellington, wo wir uns auf dem Mt. Victoria die Drehorte der Flucht der Hobbbits aus dem Auenland angeschaut haben. Auch hier habe ich viel wiedererkannt und konnte sogar für einige Erinnerungsfotos die Szenen mit Requisiten nachspielen. Zum Abschluss haben wir uns noch die Weta Cave angeguckt, in der alle Requisiten der Filme hergestellt wurden. Wer wenig Zeit oder keine 140 NZ$ für die Tour übrig hat, sollte hier vorbeischauen: Der Shop und das Museum ist gratis, die Tour durch die Werkstätten kosten 25 NZ$ und ist eine der besten, die ich bisher auf meiner Weltreise mitgemacht habe.

Nachde ich am Tag meiner Ankunft in Wellington vor dem Regen ins Nationalmuseum Te Papa geflohen bin (wirklich sehenswert) habe ich einen schönen Sonnnentag genutzt, um durch die Stadt zu spazieren. Zunächst ging es mit der Cable Car zum Botanischen Garten hinauf. Das kleine Cable Car Museum an der Bergstation ist wirklich gut – und wie alle Museen in Wellington gratis. Zu Fuß ging es weiter am Observatorium vorbei und durch einen 200 Jahre alten Friedhof hindurch zum Parlament. Der Beehive, eine in Beton gegossenes Monstrum springt einem dort sofort ins Auge. Es lebe die 1960er-Jahre-Architektur! In seinem Inneren habe ich mich dann einer Führung durch die Parlamentsgebäude angeschlossen und dabei auch deutlich ansprechendere Architektur gesehen. Weiter ging es dann zum Wellington Museum, dessen kleine Ausstellung zur Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert mir besonders gefallen hat. Zum Abschluss bin ich noch auf den Mt. Victoria geklettert, um den herrlichen Blick über die Stadt zu genießen.

Und damit ist mein Besuch auf der Nordinsel Neuseelands auch erstmal vorbei. Morgen fahre ich mit der Fähre nach Picton auf die Südinsel, wo ich bis Mitte Dezember bleiben werde. Sie soll sogar noch schöner als die Nordinsel sein., Irgendwie kaum zu glauben.

Ohrwurm des Tages – „Taking the Hobbits to Isengard“

Ja, ich habe mir das Video tatsächlich einmal bis zum Ende angeschaut. Und seitdem geht mir das Lied nicht mehr aus dem Kopf. Da reicht es schon, die entsprechenden Szenen in den Herr der Ringe-Filmen zu gucken um mir einen wochenlangen Ohrwurm zu bescheren.