MuffinMans Weltreise

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Der wilde Westen

Die Westküste der neuseeländischen Südinsel ist wirklich abenteuerlich und ziemlich einsam: In Greymouth, dem größten Ort der Gegend, leben gerade einmal 8.900 Menschen! Doch nicht nur die wilde, ungezähmte Küstenlandschaft habe ich mir in den vergangenen Wochen angeguckt. Ich bin auch den Milford Track gewandert und bin bei Queenstown den Shotover River herunter gefahren. Und langsam wird das Ende meiner Reise immer realer – in nur zwei Wochen bin ich wieder zurück in Deutschland o.O

Te Anau

Über Te Anau gibt es eigentlich nicht viel zu schreiben. Am Fuße des Lake Te Anaus, des zweitgrößten Sees Neuseelands, gelegen dient der kleine Ort als Ausgangspunnkt für drei der Great Walks – unter anderem auch für den Milford Track. Und genau deswegen bin ich dorthin gefahren. Bereits Ende Febraur habe ich meine 3,5-tägige Wanderung zwischen dem Lake Te Anau und dem Milford Sound gebucht. In Te Anau habe ich mich mit Proviant versorgt, meine nicht benötigten Sachen zwischengelagert und nach der Wanderung alles gewaschen und wieder zusammengepackt.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass es hier ziemlich viel geregnet hat.

Milford Track

Der Milford Track wird als „the finest Walk in the World“ vermarktet. Schön ist er auf jeden Fall und auch sehr beliebt. Deswegen musste ich meine Wandererlaubnis auch bereits Ende Februar bestellen, während ich noch in der schwülen Hitze in Cairns vor mich hin schwitzte. Neun Monate später habe ich dann im DOC-Büro in Te Anau meine Tickets abgeholt und mich dann mit Bus und Boot auf den Weg zum Start des Tracks gemacht. Am ersten Tag ging es nur fünf Kilometer weit über einen gut ausgebauten Weg zu Clinton Hut. Dort habe ich in der Nacht einen Kiwi gehört und Glow Worms gesehen. Und auch wenn es ziemlich bewölkt war hat es nicht geregnet.

Am nächsten Tag ging es dann weiter in Richtung MacKinnon Pass, dem höchsten Punkt des Wanderwegs. Der Weg zur Hütte führte durch einen Regenwald. Der leichte Nieselregen ließ sich gut aushalten. Eigentlich war ich sogar recht froh über das feuchte Wetter: dadurch leuchteten alle Moose und Flechten im Wald in einem unglaublich irren grün. Beim Wandern war ich ziemlich fix unterwegs und bin als erster von 40 an der Hütte angekommen und konnte mir deswegen auch das beste Bett der Hütte aussuchen. Die Abende verbrachten wir meistens mit Kartenspielen – aber nicht zu lange, um 22:00 Uhr wurde das spärliche Licht ausgeschaltet.

Am dritten Tag wurde ich morgens von einem Kea (ein neuseeländischer Papagei) geweckt, der an der Hüttentür seinen Schnabel gewetzt hat. Nach einem spärlichen Frühstück (Cracker mit Lemon Curd) habe ich mich dann an den Aufstieg zum MacKinnon Pass gemacht. In 1,5 Stunden ging es von etwa 400 auf 1154 Höhenmeter hinauf. Auch heute hatten wir wieder Glück mit dem Wetter: Ganz so stürmisch wie vorhergesagt war es auf dem offenen Pass nicht und die Wolkendecke lag hoch genug, dass wir einen tollen Blick auf die Täler hinter und vor uns hatten. Nach dem Abstieg auf knapp 100 Höhenmeter konnte ich meinen Rucksack für einen Abstecher zu den Sutherland Falls in einer Hütte lassen. Die Wasserfälle sind 580 Meter hoch. Das macht sie zu den höchsten in Neuseeland und den fünfthöchsten der Welt. Der Abstieg ins Arthur Valley war übrigens nicht ganz ohne: Der Weg steil und die Steine ziemlich rutschig. EIn Glück, dass ich lange Beine habe.

In der Nacht zum vierten und letzten Tag hat es ziemlich heftig geregnet. Zwar konnten wir die Wanderung beenden, dafür mussten wir aber etwa 500 Meter weit durch den kühlen Fluss waten. Beim Verlassen der Dumpling Hut schien übrigens wieder die Sonne. Auch wenn die letzte Etappe die längste war, kam sie mir fast am kürzesten vor: Der Weg war weitestgehend eben und gut gangbar. Endpunkt des Milford Tracks ist der Sandfly Point. Von dort aus sind wir mit einem Boot über den Milford Sound nach Milford Sound gefahren (ja, die Neuseeländer sind nicht wirklich kreativ mit ihren Orts- und Landschaftsnamen). Der Milford Sound ist ein unwirklicher Ort: Fjorde mit hohen Felswänden und Dutzenden großen und kleinen Wasserfällen.

Zurück nach Te Anau ging es dann über die Straße. Zunächst mit dem Bus, dann im Auto. Paul, in Deutscher, den ich beim Wandern kennen gelernt habe, hatte mir angeboten mich am Supermarkt vorbei direkt zum Hostel in Te Anau fahren. Das Angebot konnte ich selbstverständlich nicht ausschlagen.

Queenstown

The Adventure Capital of the World: Queenstown. Seitdem hier 1988 das erste Mal kommerzielles Bungy Jumping angeboten wurde, muss man sich gut überlegen, wie man sein Geld hier ausgeben möchte. Es wird so ziemlich jeder Extremsport angeboten, den man sich vorstellen kann. Ich habe mich für eine halbtägige Raftingtour den Shotover River hinunter entschieden. Das Wetter war dabei großartig: Die Sonne schien vom Himmel, sodass wir auch im kalten Fluss baden konnten.

Auch bei meinen anderen Unternehmungen in Queenstown hat das Wetter mitgespielt: Sowohl beim Klettern auf den Queenstown Hill (toller Blick über die Stadt und Lake Wakatipu) als auch beim Luging (Seifenkisten-Fahren) schien die Sonne vom Himmel. Übrigens gibt es in Queenstown auch ganz großartige Burger (Fergburger) und großartiges Schokoladeneis (Patagonia) zu kaufen. Umsonst ist hier wirklich nur das Spazierengehen. Und merkwürdigerweise sind die Hostels in Queenstown vergleichsweise gut und günstig.

Wanaka

In Wanaka hingegen habe ich in einem der schlechtesten Hostels meiner gesamten Reise gewohnt. Das hier ist eine offizielle Warnung vor Base-Hostels! Unter Backpackern haben sie einen ziemlich zwiespältigen Ruf, da sie meistens von Tourenbussen mit feierwütigen 18-jährigen BritInnen angefahren werden, die sich vermutlich jeden Abend ins Koma trinken und deswegen gar nicht bekommen, wo sie hausen. DIe Küche des Hostels gehört zum siffigsten, das ich jemals gesehen habe. Und sie hatte nur 10 Sitzplätze. Für gefühlt 80 Gäste. Es gab keine Gratis-Instantkaffee, eine Tür auf dem Flur musste aufgebrochen werden weil sie nicht mehr mit den Schlüsselkarten geöffnet werden konnte. Besonders dreist: Das WLAN gegen Bezahlung gibt es in zwei Geschwindigkeiten zu unterschiedlichen Preisen o.O Vielleicht habe ich mich auch nur in Rage geredet und geschrieben, jedenfalls war ich mehr als froh, das Hostel nach zwei Nächten verlassen zu können.

Wanaka hingegen ist ein schöner Ort. Er liegt am Lake Wanaka und bietet einige schöne Walks am Seeufer entlang und auch auf den Mt Iron, von dem aus man einen tollen Blick über das Umland und die Southern Alps hat. Definitiv ansehen sollte man sich auch die Puzzling World: Zum einen kann man hier durch einen Irrgarten und laufen und zum anderen in einer Ausstellung optische Täuschungen erleben. Definitiv eine der skurrilsten Sehenswürdigkeiten auf meiner Reise!

Franz Josef

Auf dem Weg zum Franz Josef Glacier ist der InterCity-Bus endlich wieder an der Küste entlang gefahren. Am Knights Point haben wir angehalten und die Aussicht auf die sonnenbeschienene Tasmanische See genossen. Zurück im Inland war es dann leider wieder bewölkt.

Der Franz Josef-Gletscher ist einer der größten in Neuseeland. Um auf ihm zu wandern, muss man mit dem Helikopter hinauffliegen. Das war mir zu teuer. Deswegen bin ich zum Roberts Point gewandert, einem Aussichtspunkt in Gletschernähe. Da ich morgens relativ früh losmarschiert bin, konnte ich auch noch klar und deutlich sehen, zum nachmittag hin wurde es immer diesiger. Der Wanderweg selber war zwar herausfordernd aber gerade deswegen auch ziemlich spaßig. Es gab einige Hängebrücken, einen Abschnitt, der über ein rutschiges Felsplateau geführt hat und auch ziemlich steile Anstiege. Am Aussichtspunkt angekommen hatte ich echt was geleistet. Und die Aussicht war wirklich grandios. EIgentlich wollte ich auf dem Rückweg noch an einem anderen Aussichtspunkt vorbei wandern – aufgrund des einsetzenden Regens habe ich das dann aber doch gelassen.

Glücklicherweise konnte ich das am nächsten Morgen nachholen: Paul, den ich auf dem Milford Track kennengelernt hatte, ist in dieselbe Richtung wie ich gefahren und hat mich mit nach Greymouth genommen. Unterwegs haben wir noch einen Abstecher zurück zum Gletscher gewagt, konnten aber nicht viel sehen: Wegen eines Hochwassers kamen wir nicht wirklich nah an den Gletscher heran :/

Greymouth

Auf der Fahrt nach Greymouth haben Paul und ich in Hokitika angehalten um uns am Strand ein wenig die Beine zu vertreten. War ziemlich windig, deswegen ging es auch ziemlich schnell weiter. Im Hostel angekommen (Duke Hostel, sehr empfehlenswert!) haben wir uns auf dem Weg zur Kings Domain gemacht. Dort sollte es von einem kurzen Wanderweg einen schönen Ausblick über den größten Ort der Westküste geben. Der Weg war vor allem eins: schlammig und rutschig. Fast hätte ich meine neuen Sneaker und Jens ruiniert, so einen schlechten Weg hätte ich in Neuseeland einfach nicht erwartet. Und dann sind wir beim Wandern auch noch über das Ziel hinaus geschossen und sind auf einem kaum markierten Weg gelandet, der irgendwie nirgendwohin geführt hat. Auf dem Rückweg hätten wir uns fast noch verlaufen.

Am nächsten Tag haben wir einen Ausflug zum Elizabeth Point gemacht. Mit dem Rad ging es die Küste entlang zum Startpunkt des Wanderwegs. Der war elf Kilometer lang und führte durch einen schönen Regenwald. Mit dem Wetter hatten wir wieder einmal richtig Glück: erst auf der Rückfahrt hat es angefangen zu regnen. Nachmittags waren wir noch im Schwimmbad. Das erste Mal seit über elf Monaten habe ich wieder richtigen Sport gemacht, auch wenn es nur ein Kilometer Brustschwimmen war. Der Eintrittspreis war übrigens richtig fair: Für das Schwimmen hat man 5,50 NZ$ bezahlt, für die Nutzung noch einmal 5,50 NZ$ mehr.

Nach einer weitern Nacht ist Paul schon einmal voraus nach Westport gefahren, während ich durch die Stadt spaziert bin und einige Sachen organisiert habe. Ich musste wieder einmal Gewicht loswerden und habe deswegen ein letztes Paket mit Souvenirs nach Hause geschickt, Wäsche gewaschen und auch angefangen diesen Blogpost zu schreiben. Viel mehr kann man in Greymouth auch nicht tun. Aber das macht nichts. Da ich in weniger als drei Wochen wieder zu Hause bin, genieße ich es gerade, überhaupt nichts zu tun oder zu lesen.

Westport

In Westport war ich direkt schon wieder im Schwimmbad. Viel mehr gab es dort auch nicht für mich zu tun: Es war kalt, windig, bewölkt, regnerisch. Immerhin habe ich es dank des schnellen WLAN-Netzwerks im Hostel geschafft, alle sechs Star Wars-Filme zu gucken. Morgen Nacht ist es endlich so weit: Episode VII startet in Neuseeland. Ich komme Mittwoch Abend um 17:45 Uhr mit der Fähre in Wellington an, gehe um Mitternacht ins Kino und fahre am nächsten Morgen um 09:50 weiter nach Whanganui. Das hört sich nach einem genialen Nerd-Plan an – ist aber vor allem dem Zufall geschuldet. Meine Tour durch Neuseeland habe ich bereits vor 2,5 Monaten geplant – ohne an den neuen Star Wars-Film zu denken. Genial, wenn am Ende alles so gut zusammenpasst!

Aber noch einmal zurück nach Westport: Zwei Stunden lang hat dort tatsächlich die Sonne geschienen. Die Gelegenheit für mich, zu Strand zu spazieren.

Nelson

Auf dem Weg von Westport nach Nelson wurde das Wetter immer besser: kaum hatten wir im InterCity-Bus die letzten Ausläufer der Southern Alps hinter uns gelassen schien die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Am nächsten Morgen habe ich die Stadt dann zu Fuß näher erkundet (und war zum ersten Mal seit langer Zeit in T-Shirt und kurzen Hosen unterwegs). Sehenswert in Nelson ist vor allem die Art déco-Kathedrale und ein Hügel, auf dem sich das Zentrum Neuseelands befinden soll. In Wahrheit ist dies nur der Punkt, von dem aus die Distriktgrenzen um Nelson herum vermessen wurden. Und da Nelson der zentralste Distrikt Neuseelands ist, ist dieser Punkt schon irgendwie der Mittelpunkt Neuseelands. Es kommt halt alles nur auf die Definition an.

Ohrwurm des Tages – John Lennon / „Happy Xmas (War is over)“

Frohe Weihnachten!

1 Kommentar

  1. Lieber Sven-Friedrich,

    ich wünsche Dir frohe Weihnachtstage, wie und mit wem auch immer Du sie verbringst. Ich denke, Deine Familie wirst Du nicht vermissen, denn bald bist Du schon (!!!) wieder hier. Kinder, wie die Zeit vergeht.
    Wie hast Du das Jahr empfunden, kurz oder lang wegen der unbeschreiblich vielen neuen Eindrücke? Irgendwann wirst Du es mir erzählen.

    Ich wünsche Dir noch ein paar besonders schöne Tage. Komm auch die letzte Tour heil und gesund zurück.

    Übrigens, ich habe schon vor Wochen eine Karte von Dir bekommen, mich sehr darüber gefreut, aber mich leider bisher nicht bei Dir bedankt. Das tue ich jetzt. Danke, dass Du so oft geschrieben hast.

    Bis bald.

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