Langsam neigt sich meine Welt­reise unaus­weich­lich und spürbar dem Ende ent­gegen. Deut­lich wurde das für mich bei meiner Ankunft in Auck­land. Neu­see­land ist das letzte neue Land auf meiner Reise um die Welt, hier ver­bringe ich nun die letzten zwei­ein­halb Monate vor meiner Rück­reise nach Deutsch­land (die drei Tage in Sydney vor meinem Rück­flug zähle ich nicht mehr wirk­lich mit). Es wird also langsam Zeit, sich wieder mental auf Deutsch­land ein­zu­stellen.

Und das ist in Neu­see­land relativ ein­fach. Hier laufen so viele deut­sche Post-Abitu­ri­enten durch die Gegend, dass man in Auck­land auf der Straße mehr Deutsch als Eng­lisch hört. Diese jungen Deut­schen lassen mich dann auch recht alt aus­sehen mit ihren Abi 2015-T-Shirts — mein Abitur habe ich vor zehn Jahren gemacht. Egal, die Haupt­sache ist ja, dass ich mich im Inneren noch immer als Jugend­li­cher fühle — und nicht als Bald-Drei­ßig­jäh­riger :D

Auck­land

Mein Flug von Tokio nach Auck­land war der bis­lang beste in diesem Jahr. In der fast neuen Boeing 787 von Air New Zea­land ver­gingen die elf Stunden — vor­sicht, schlechter Wort­witz! — wie im Flug. Und auch die Ein­reise nach Neu­see­land ver­lief voll­kommen pro­blemlos: Am leeren Immi­gra­ti­ons­schalter musste ich keine zwei Minuten warten und auch die Kon­trolle meines Zeltes auf inva­sive Arten dau­erte nur etwas mehr als eine Vier­tel­stunde. Die Beamten waren dabei auch noch so unge­mein freund­lich, dass ich gar nicht glauben konnte, an einem Grenz­kon­troll­posten zu sein. Im Ernst, in allen anderen Län­dern die ich bisher bereist habe ist anschei­nend vor allem chro­ni­sche Unfreund­lich­keit DIE Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zung für Grenz­be­amte.

Auck­land selbst ist eine ganz nette Stadt, in der man gut und gerne zwei oder drei Tage ver­bringen kann. Gelegen auf einer schmalen Land­enge zwi­schen Tas­ma­ni­schem Meer und Pazifik ist das Stadt­bild vor allem von unzäh­ligen Vul­kan­ke­geln geprägt. Der CBD ist leider nicht wirk­lich schön, dafür bieten aber das Auck­land Museum und das Auck­land Art Museum wirk­lich tolle Aus­stel­lung. Der Ein­tritt in letz­teres ist sogar kos­tenlos. Vom Sky Tower hat man — bei gutem Wetter — einen wirk­lich fan­tas­ti­schen Blick über die Stadt. Der Fuß­boden im Aufzug ist übri­gens teil­weise ver­glast, genauso wie der Boden der Aus­sichts­platt­form. Des Wei­teren kann man in knapp 200 m Höhe am Rand des Turms ent­lang­wan­dern und ihn auch hin­un­ter­springen. Gesi­chert natür­lich. Will­kommen im Extrem­sport-ver­rück­testen Land der Welt!

Paihia

Von Auck­land aus hat es mich zuerst in Rich­tung Norden gezogen, nach Paihia an der Bay of Islands. Das Wetter hier ist übri­gens im All­ge­meinen die letzten 2,5 Wochen nicht überaus berau­schend gewesen, nur knapp 15 °C bei starker Bewöl­kung. Immerhin hat es bisher so gut wie nicht geregnet. So war auch das Wetter in Paihia nicht gerade berau­schend aber okay. Der Blick von Paihia auf die Inseln in der Bucht und die vielen Segel­boote ist wirk­lich ganz schön, glei­ches gilt für die kurze Fähr­fahrt auf die andere Seite der Bucht, nach Rus­sell, dem ehe­ma­ligen Höl­len­loch des Pazi­fiks. Im frühen 19. Jahr­hun­dert war hier der Haupt­stütz­punkt für die Wal­jagd im Süd­pa­zifik und dem­entspre­chend ver­kommen war der Ruf der Stadt.

Wichtig für die Geschichte Neu­see­lands ist der Ver­trag von Wai­tangi. In diesem wurde 1840 das Ver­hältnis zwi­schen den neu­see­län­di­schen Urein­wohner und der bri­ti­schen Krone gere­gelt. Die Wiese, auf der dieser Ver­trag erst­malig unter­zeichnet wurde, befindet sich ein wenig außer­halb Paihias, lohnt aber auf jeden Fall den Besuch. Auch wenn der Ein­tritts­preis in Höhe von 25 NZ$ eher stolz ist. Eben­falls loh­nens­wert ist der 10 Kilo­meter lange Rund­wan­derweg von Wai­tangi zu den Haruru Falls, der teil­weise mitten durch einen Man­gro­ven­wald führt.

Übri­gens nehmen die Super­märkte in Neu­see­land den Ver­kauf von Alkohol sehr ernst: ich wollte eine Fla­sche Wein kaufen, konnte mich aber nicht mit meinem Rei­se­pass aus­weisen — mein deut­scher Per­so­nal­aus­weis und Füh­rer­schein genügten den Ansprü­chen der Kas­sie­rerin nicht. Nach zwei Minuten meinte sie dann, ich sehe doch irgendwie älter als 18 aus und ließ mich mit der Fla­sche gehen — ohne aber auf die ein­dring­liche Ermah­nung zu ver­zichten, das nächste Mal an meinen Rei­se­pass zu denken. Immerhin ist der Wein hier im Ver­gleich mit Aus­tra­lien und den USA eher günstig.

Auck­land

Auf meinem Weg in Rich­tung Süden musste ich einen kurzen Zwi­schen­stopp in Auck­land ein­legen. Zeit, Neu­see­land von der West- zur Ost­küste auf dem 16 Kilo­meter langen Coast to Coast Walkway zu durch­wan­dern:

Coro­mandel

Der nächste Stopp auf meiner Rund­reise durch Neu­see­land war die Coro­mandel-Halb­insel. Auf der Bus­fahrt nach Coro­mandel habe ich zum ersten Mal all das gesehen, was das Kli­schee Neu­see­lands aus­macht: grüne Hügel soweit das Auge reicht, unzäh­lige vor sich hin gra­sende Schafe und im Hin­ter­grund das Meer. Viel habe ich in Coro­mandel nicht ange­stellt. Aber mich zwingt ja auch keiner zum über­trie­benen Sight­seeing, ich bin ja im Urlaub. Und all­zu­viel gab es in der Nähe Coro­man­dels auch nicht zu sehen — wobei die Land­schaft schon ziem­lich schön war und es wie überall in Neu­see­land nette und gut aus­ge­schil­derte Tages­wan­de­rungen gab.

Tau­ranga

Tau­ranga an der Ost­küste der Nord­insel wird vom Mt Maun­ganui über­ragt. Logisch, dass ich ihn auch bei hef­tigem Wind besteigen musste. Die Aus­sicht auf den Pazifik und über die Stadt mit ihrer Bucht war dann auch Ent­schä­di­gung genug für den Auf­stieg. Zumal sich sogar ab und zu die Sonne bli­cken lassen hat. Ansonsten bietet Tau­ranga nicht viel — dafür war das Hostel in dem ich drei Nächte geschlafen habe eines der fami­li­ärsten die ich bisher ken­nen­ge­lernt habe. Und von der Dach­ter­rasse aus hatte man einen tollen Blick auf den Hafen.

Ohr­wurm des Tages — System of a Down / "Toxi­city"

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