Die Südinsel. Was habe ich nicht alles über sie gehört. Beinahe jeder, den ich in Neuseeland bisher getroffen habe, hat von ihr geschwärmt. Einer der schönsten Flecken Erde soll sie sein. Mindestens dreimal so atemberaubend wie die Nordinsel – und eigentlich auch die einzige der beiden neuseeländischen Inseln, die man überhaupt besuchen sollte. Mein erstes Fazit: Ja, es ist wirklich atemberaubend schön hier.

Dabei zieht es mich langsam wirklich zurück nach Hause. Ich will wieder Vollkornbrot essen. Ich will meine Familie und meine Freunde wiedersehen. Ich freue mich sogar schon auf den stereotyp-unfreundlichen deutschen Bundespolizeibeamten am Düsseldorfer Flughafen. Es ist schon merkwürdig, ich musste einmal um die Welt reisen um mir deutlich zu machen, dass ich eine Heimat habe: Eine Region auf diesem Planeten, wo ich mich auch dauerhaft wohl fühle, eine Kultur, in der ich mich blind zurecht finde, und ein Ort, der mir nicht fremd ist. Das ist für mich Mitteleuropa. Auswandern, wie ich es noch vor einem Jahr überlegt habe, kann und werde ich nicht. Dafür bin ich offenbar nicht der Typ. Diese Erkenntnis hat mich doch ziemlich überrascht.

Nein, ich werde mich definitiv nicht über meine Weltreise beschweren. Es ist eine der besten Zeiten meines Lebens und ich werde die nächsten fünf Wochen noch richtig genießen. Aber danach ist es auch gut, wieder nach Deutschland zu fliegen, in einem Einzelzimmer zu schlafen und nicht mehr aus dem Rucksack zu leben. Übrigens werde ich zu Hause als erstes meine T-Shirts wegmschmeißen, die ich dabei habe – ich kann sie einfach nicht mehr sehen! Aber ich denke, spätestens im Sommer wird mich das Reisefieber wieder packen, als nächstes möchte ich mehr von Europa sehen. Und danach stehen definitiv auch noch Mittel- und Südamerika auf dem Programm.

Picton

Doch zurück zum hier und jetzt. Anfang Dezember bin ich mit der InterIslander-Fähre von Wellington nach Picton gefahren. In Wellington war, es windig, diesig, regnerisch – in Picton, nur 90 km entfernt, schien die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Das letzte Drittel der Fahrt führte durch den Marlborough Sounds, eine wirklich traumhaft schöne Fjordlandschaft. Eine kleine Warnung vorweg: In diesem Post werde ich die Adjektive „traumhaft schön“ und „atemberaubend“ über Gebühr strapazieren. Aber mir fällt für die Landschaft hier einfach nichts besseres ein.

Der Picton liegt am Ende einer dieser Fjorde, umgeben von grünen Hügeln und türkisblauem Wasser. Meine Wanderung durch die Hügellandschaft bot mir tolle Ausblicke über die Sounds. Leider hatte ich nur einen wirklich sonnigen Tag. Schon am zweiten Tag wurde das Wetter windiger und regnerischer. Davon habe ich aber keine Fotos gemacht ;)

Nach meinen eher nervigen Erfahrungen mit dem Hostel in Wellington habe ich in Picton übrigens das komplette Gegenteil erlebt: Abends um acht war jeder im 8-Bett-Zimmer leise, sogar das Licht war ausgeschaltet und auch draußen hat niemand wirklich gelärmt. Manchen, die ich getroffen habe, war das sogar viel zu ruhig. Für mich war es zu dem Zeitpunkt genau richtig.

Kaikoura

Bei meiner Ankunft in Kaikoura war es so kalt, dass ich mich im Hostel  erst einmal am Kamin aufwärmen musste. Doch auch hier galt: das Wetter in Neuseeland ändert sich ständig und die Wettervorhersagen sind hier deutlich unzuverlässiger als in Deutschland. Am nächsten Morgen knallte die Sonne vom Himmel und es wurde richtig warm, dem Ozonloch sei Dank. Ich nutzte die Gelegenheit für eine ausgedehnte Wanderung über die Kaikoura Halbinsel, vorbei an Seelöwenkolonien und mit einem traumhaften Blick auf die schneebedeckten, bis zu 1.600 m hohen Berge, die hier fast bis an den Pazifiks reichen.

Kaikoura ist übrigens vor allem bekannt für seine Whalewatching Touren. Mir war die Chance, echte Wale zu sehen, aber keine 140 NZ$ wert.

Christchurch

Christchurch ist eine ziemlich zerstörte Stadt. 2010 und 2011 wurde das Stadtzentrum durch zwei schwere Erdbeben in eine Trümmerlandschaft verwandelt. Die Trümmer sind heute verschwunden, neue Gebäude stehen aber noch nicht. Deswegen gleicht die Innenstadt einem riesigen Parkplatz. Einem unglaublich leisen Parkplatz, wie ich bei meinem Spaziergang durch die Stadt festgestellt habe. Auch wenn es (noch) nicht viel zu sehen gebt, lohnt sich ein Besuch Christchurchs. Zum einem wird man deutlich demütiger, wenn man mit eigenen Augen sieht, wie unberechenbar, wie mächtig die Natur ist. Zum anderen versuchen die Bewohner Christchurchs das beste aus der Situation zu machen: So gibt es ein Container-Einkaufszentrum und an jeder Straßenecke unglaublich guten Kaffee. Auch das Canterbury Museum ist definitiv einen Besuch wert.

Vom neuen, modernen Busbahnhof aus bin ich zu den Bergen gefahren, die Christchurch von seinem Hafen im Stadtteil Lyttelton trennen. Man kann für 28 NZ$ mit einer Seilbahn auf die Berge fahren – ich bin aber lieber dem Bridle Path gefolgt und die Berge hochgeklettert. Dafür wurde ich mit einer umwerfenden Aussicht auf den sonnenbeschienenen natürlichen Hafen und die dichte Wolkendecke über Chrischurch belohnt. EInfach irre, wieviel unglaublich schöne Natur in ein so kleines Land passt.

Übernachtet habe ich einem der besten Hostels meiner bisherigen Reise. Das Jailhouse ist – wie der Name schon sagt – ein ehemaliges Gefängnis. Das soll man auch noch merken, der Komfort ist aber deutlich verbessert worden. Und an zwei kleinen Details merkt man, wie sehr sich die Besitzer um ihre Gäste bemühen: In den Dorms sind die Betten mit Leuchtziffern numeriert, sodass man nachts nicht das Licht einschalten muss um zu seinem Bett zu finden. Und in der Küche gibt es für jedes Bett eine feste Kiste, um Lebensmittel zu verstauen. So muss man nicht um den meist beschränkten Platz in den Regalen kämpfen.

Für mich ganz wichtig: Vor meiner Weiterreise in die Alpen habe ich es gerade noch geschafft, die Vorabvorstellung von „Spectre“ im Kino zu sehen. Ein echt toller James Bond-Film, auch wenn er nicht an „Skyfall“ heran kommt. Aber davon war auch nicht wirklich auszugehen. Man misst ja auch nicht jedes Stück von Beethoven an seiner neunten Symphonie ;)

Lake Tekapo

Nach Christchurch ging es in eine der schönsten Regionen Neuseelands, die Southern Alps. Und hier wurde es richtig voll. In den Hostels waren kaum Backpacker, dafür umso mehr japanische Touristen, die mit dem Bus zu den Highlights Neuseelands unterwegs sind. Und auch die Busse waren auf einmal bis zum letzten Platz gefüllt. Bisher hatte ich eigentlich immer einen Doppelsitz für ich alleine. Doch zurück zu den Sehenswürdigkeiten. Mein erster Stopp war am Lake Tekapo, einem wirklich unglaublich schönen Stausee am Fuße der Berge. Aber seht selbst (den omnipräsenten Duft der blühenden Lupinen kann ich leider nicht teilen):

Aoraki / Mt Cook

Der Aoraki (vormals Mt Cook) ist mit über 3.000 m Höhe der höchste Berg Neuseelands. Und einer der schönsten. Zwar konnte ich bei meiner Ankunft kaum etwas davon sehen, die Wolken hingen tief über dem kleinen Dorf inmitten des Alpentals. Teilweise hat es sogar geregnet :/ Aber am nächsten Morgen war mir das Wetterglück wieder gewogen, sodass ich mich auf den Weg zum Aoraki machen konnte. Der Wanderweg ins Hooker Valley am Fuße des Berges führt über drei Hängebrücken und ist landschaftlich wirklich schön. Im Hintergrund konnte ich immer mal wieder die Lawinen hören, die durch den schmelzenden Schnee an den Berghängen verursacht wurden. Der Weg endet am Ufer eines Gletschersees, in dem vereinzelt kleine Eisberge schwimmen. Und im Hintergrund erhebt sich der Aoraki über alle anderen Berge der Alpen. Episch!

Dunedin

Eine direkte Busverbindung von Mt Cook nach Dunedin gibt es nicht. Und so musste ich eine Nacht in Cromwell verbringen und am nächsten Tag weiter in Richtung Südosten fahren. Viel zu sehen gab es in dem kleinen Ort nicht, außer einer netten Fußgängerzone (die Geschäfte hatten allerdings schon geschlossen) und gigantischen Früchten an der Hauptstraße, die man sonst eher aus Australien kennt.

Dunedin ist der südlichste Ort meiner Weltreise. Besiedelt von Schotten und benannt nach dem schottischen Namen für Edinburgh ist die Stadt vor allem für seine Universität und den Bahnhof bekannt. Letzterer soll das am meisten fotografierte Gebäude der Südhalbkugel sein, nach dem Sydney Opera House. Deswegen stolpert man hier auch hin und wieder über Reisegruppen. Insgesamt ist es hier aber deutlich weniger touristisch als am Lake Tekapo oder Mt Cook.

Sehenswert sind außerdem noch die Cadbury-Schokoladenfabrik (auch wenn ich die nächsten Tage keine Lust mehr auf Schokoladen haben werde, der Geruch in der Fabrik war einfach umwerfend) und das Otago Settlers Museum. Im letzteren wird die Lokalgeschichte der Region erzählt und die Inhalte sind prinzipiell dieselben wie in jedem anderen Stadtmuseum in Neuseeland. Was hier aber heraussticht ist die Art und Weise, wie diese Geschichte vermittelt wird: Sehr modern, mit relativ wenigen Ausstellungsobjekten und interessanten Ansätzen wie der Siedlergalerie, einem Raum, dessen vier Wände von oben bis unten mit Porträts der Siedler behängt ist, und Touchscreens in der Mitte, die über jedes Bild Auskunft geben. Daran können sich meiner Meinung nach viele Museen ein Beispiel nehmen.

Ohrwurm des Tages – Zaz / „Paris sera toujours Paris“