MuffinMans Weltreise

muffinm4n.de

Atemlos durch die USA

Der August war der wohl mit Abstand teuerste Monat meiner Weltreise. Da in den USA keine öffentlichen Verkehrsmittel in die Nationalparks fahren war ich wohl oder übel auf einen Mietwagen angewiesen um die grandiosen Landschaften im Westen des Landes für mich zu entdecken. In 31 Tagen habe ich dabei etwas mehr als 6.200 Meilen zurückgelegt, das sind knapp 10.000 Kilometer. Atemlos war ich dabei in dreifacher Hinsicht: die Schönheit der Natur hat mir den Atem geraubt, mit Tagesetappen von bis zu 300 Meilen habe ich mich manchmal ganz schön gehetzt gefühlt und selbstverständlich ist da auch noch dieser fiese Ohrwurm von Helene Fischer.

1. Tag: Seattle – Flowing Lake CP

Meinen Wagen habe ich morgens gegen 10:00 am Flughafen in Seattle abgeholt. Und das ging überraschend einfach: Nach drei Minuten am Schalter und dem einscannen von Kreditkarte, Ausweis und Führerschein konnte ich einfach zum Parkplatz der Autovermietung und mir ein Auto innerhalb meiner Wagenklasse aussuchen und losfahren. Mein Hyundai Elantra mit dem Kennzeichen ATH6590 war ein Viertürer mit Automatikgetriebe. Letzteres war ziemlich ungewohnt für mich und irgendwie kamen sich mein linker Fuß und mein rechter Arm beim Fahren ziemlich nutzlos vor. Aber am Ende habe ich mich irgendwie daran gewöhnt.

Mein erster Stopp auf dem Roadtrip durch die USA war die Boeing-Fabrik in Everett, etwa 50 mi nördlich von Seattle. Hier werden in dem volumenmäßig größten Gebäude der Welt Boeings Langstreckenflugzeuge zusammengebaut: die 747-800, die 767, die 777 und die 787. Es war ziemlich viel los und deswegen war ich echt froh, dass ich im mein Ticket für die Tour durch die Fabrikhallen im Voraus reserviert hatte, sonst hätte ich drei Stunden warten müssen. Die Führung war schon ziemlich beeindruckend; Fotos durfte ich aber leider nicht machen.

Nach einem ersten Einkauf bei Walmart (ich glaube, ich bin dort erst mental wirklich in den USA angekommen als ich die Gewehre und Pistolen im Supermarkt gesehen habe) ging es dann zu meinem ersten Zeltplatz auf diesem Abschnitt meiner Weltreise. Am Flowing Lake County Park angekommen habe ich festgestellt, dass ich dummerweise ein falsches Datum bei meiner Reservierung angegeben hatte. Glücklicherweise habe ich aber noch einen freien Platz zum Zelten gefunden und diesen dann zusätzlich bezahlt. Das funktioniert auf vielen öffentlichen Zeltplätzen in den USA indem man das Geld in einen Briefumschlag steckt und den dann in einen Briefkasten einwirft.

Als es dann noch zu regnen anfing, war ich fast schon ein bisschen mies gelaunt. Dann kam aber der für den Park zuständige County Ranger vorbei (die US-Bürokratie mit ihren diversen Unterabteilungen und dazugehörigen Agents, Officers und Rangers habe ich noch immer nicht ganz überblickt) und hat mir mein Geld zurückgebracht. Das war mir natürlich sehr sympathisch – und mein erstes Erlebnis mit der unglaublichen Freundlichkeit der US-Amerikaner gegenüber Ausländern. Mehr solcher Episoden sollten bald folgen.

2. Tag: Flowing Lake CP – Mt. Rainier NP

Meine größte Befürchtung beim Zelten ist es , dass ich nach einem nächtlichen Regenschauer meine Ausrüstung nicht trocken genug einpacken kann. Als ich morgens den Flowing Lake County Park in Richtung Mt. Rainier NP verlassen habe war aber glücklicherweise alles einigermaßen trocken. Über Freeways (Autobahnen) und Highways (können auch als Freeways ausgebaut sein) ging es dann zum ersten National Park auf meiner Liste. Gut gefallen hat mir übrigens die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn, es gab kein Drängeln und kein Hupen – nur an das Überholen von rechts muss ich mich noch ein wenig gewöhnen ;)

Der Mt. Rainier ist ein momentan nicht sonderlicher aktiver Vulkan mitten in Washington, den man von überall aus im Staat sehen kann. Leider war bei meinem Besuch der Gipfel des Berges von Wolken verhüllt. Die Hochgebirgswiesen waren aber zu sehen und sahen wirklich schön aus. Richtig beeindruckt haben mich die Radfahrer, die den 10 mi langen Anstieg auf 6.400 ft in Angriff genommen haben nur um dann sofort den Berg wieder herunter zu fahren.

3. Tag: Mt. Rainier NP – Salem

Vom Mt. Rainier NP ging es dann weiter nach Salem, Oregon. Dort habe ich zwei Tage lang Verwandte besucht. Zuerst haben sie mir ihre Heimatstadt gezeigt. Auch wenn durch die langanhaltende Trockenheit der Park ziemlich gelb aussah und im Willamette River kaum Wasser floss ist Salem schon ziemlich schön. Rund um das State Capitol waren für ein Event überall Basketballkörbe aufgebaut, die auch ziemlich gut genutzt wurden.

4. Tag: Salem

Nach dem Frühstück haben wir uns zuerst auf zwei Wochenmärkten in Salem umgeguckt und für das Abendessen eingekauft. Anschließend sind wir an die Pazifikküste nach Pacific City gefahren und am Strand spazieren gegangen. Das Wetter war eher mittelprächtig und es hat an der Küste ein wenig genieselt – für meine Fotos war die Lichtstimmung aber ziemlich gut. Abends haben sind wir ins Musical gegangen und haben uns „Hair“ angeguckt. Etwas gewöhnungsbedürftig für mich war dabei, dass das Publikum nach wirklich jedem Lied applaudiert hat. Dennoch war es ein wirklich schöner Abend, vor allem nachdem wir der eiskalten Klimaanlage entkommen waren.

5. Tag: Salem – Diamond Lake

Nach dem Frühstück stand dann der Abschied von Hinrich und Laurel an, ich musste weiter in RIchtung Crater Lake NP. Im Nationalpark selber habe ich keinen Campingplatz mehr bekommen, habe aber etwa 10 mi außerhalb des Parks am Diamond Lake einen Campingplatz gefunden. Aufgrund von Waldbränden in der Nähe war die Luft ziemlich verraucht und die Sicht eingeschränkt. Dafür haben die Aschepartikel in der Luft dem Sonnenuntergang ein absolut unwirkliches rot gegeben.

6. Tag: Diamond Lake – Six Rivers SP

Am nächsten Morgen bin ich relativ früh zum Crater Lake gefahren. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um einen See im Krater eines erloschenen Vulkans. Leider konnte ich vom See absolut nichts sehen obwohl ich direkt am Kraterrand stand – es war zuviel Rauch und Nebel in der Luft. Deswegen ging es zügig weiter zur kalifornischen Pazifikküste in den Six Rivers State Park, wenige Kilometer von den berühmten Redwoods entfernt. Auch hier wütete in knapp 5 mi Entfernung ein Waldbrand, die Luft war allerdings deutlich klarer als gestern, der Wind stand wohl günstiger.

Da kein Regen in der Luft lag konnte ich hier zum ersten Mal auf meiner Reise die Regenplane meines Zelts eingepackt lassen und hatte durch das Moskitonetz einen tollen Blick auf den nächtlichen Sternenhimmel.

7. Tag: Six Rivers SP – Lake Sonoma

Heute bin ich einfach nur Auto gefahren, bis kurz vor San Francisco zum Lake Sonoma. Auf dem Weg dorthin bin ich durch den Redwood NP gefahren und die riesigen Bäume im Küstennebel haben mich wirklich beeindruckt. Unterwegs kamen mir einige Orte und Landschaften ziemlich bekannt vor, immerhin war ich in der Region auch schon 1992 und 2000 mit meiner Familie unterwegs. Unzählige Male habe ich den Eel River überquert, sodass ich mich zum Schluss fast gefragt habe, ob ich nicht im Kreis gefahren bin.

Der Lake Sonoma ist ein vom US Army Corps of Engineers angelegter Stausee, der auch als Naherholungsgebiet dient. Mein Zeltplatz für die Nacht lag dabei auf einer Hügelkette über dem See. Nachts habe ich mindestens vier Sternschnuppen am Himmel gesehen. Soviele wie noch nie zuvor in meinem Leben insgesamt. Ganz generell ist der Sternenhimmel im Westen der USA unglaublich beeindruckend, weil die Lichtverschmutzung nicht so hoch ist wie zum Beispiel in Mitteleuropa. DIe Milchstraße sieht man hier eigentlich jede Nacht – in Deutschland habe ich sie noch nie gesehen.

8. Tag: Lake Sonoma – Arroyo Seco CG

Vom Lake Sonoma aus ging es für mich weiter in Richtung San Francisco – ich wollte schon immer einmal über die Golden Gate Bridge fahren (und nicht nur digital bei GTA San Andreas). Das Erlebnis war recht kurz und auch nicht so überwältigend wie ich mir das vorgestellt hatte. Dafür hatte ich aber länger mit den Mautgebühren zu tun. Da vor einigen Jahren die Mauthäuschen durch Kameras ersetzt wurden kann man die Maut für die Nutzung der Brücke eigentlich online per Kreditkarte bezahlen. Leider ist es in den USA häufig üblich, aus Sicherheitsgründen zusätzlich die Postleitzahl der Rechnungsadresse abzufragen – mit deutschen Kreditkarten funktioniert das System leider nicht. Auch telefonisch konnte ich nicht bezahlen, man empfahl mir aber freundlich spontan im Büro der Mautfirma in Downtown San Francisco vorbei zu schauen. Da ich dafür keine Zeit hatte musste ich meine Verwandten in Salem bitten, für mich zu bezahlen. Bis heute, knapp vier Wochen später, weiß ich immer noch nicht sicher ob das auch geklappt hat.

Auf dem California Highway 1 ging es dann an der Küste entlang weiter nach Süden. Die Aussicht auf den Pazifik war einfach traumhaft und viel zu schnell musste ich weiter in Richtung Inland zum Arroyo Seco Campingplatz fahren. Da ich diesen über die Kartenansicht einer US-amerikanische Buchungsseite (www.reserveamerica.com) gefunden hatte, wusste ich nicht ganz genau, wo er lag. In der Bestätigungsemail hieß es, ich solle einfach vom Highway abfahren und einer bestimmten Straße bis zum Ende folgen. Für wie viele Meilen wusste ich allerdings nicht. Und nach 10 mi ohne jeglichen Hinweis auf den Campingplatz habe ich schon gezweifelt, ob ich auf der richtigen Straße war. Nach einigen weiteren Meilen kam ich dann aber doch wohlbehalten am Campingplatz an.

9. Tag: Arroyo Seco CG – Sequoia NP

Mein Zelt habe ich heute Morgen sehr früh abgebaut da ich im Sequoia NP keinen Zeltplatz reserviert habe. Auf meiner fahrt aus dem Canyon heraus in Richtung Central Valley konnte ich am Horizont eine riesige dunkle Wolke erkennen. Dabei handelte es sich nicht etwa um eine Regen- oder Gewitterfront sondern um das Wasser, was auf den Feldern des Central Valleys tagsüber verdampft war. Unglaublich, wie sehr der Mensch sichtbar in die Natur eingreifen kann. Und ebenso unglaublich finde ich es, dass die Farmer im Central Valley die massive Trockenheit vollkommen ignorieren und sich gegen jegliche Beschränkung bei der Bewässerung ihrer Felder wehren. Als gäbe es im Südwesten der USA keinen Wassermangel sondern einen endlosen Wasservorrat mit dem man nach Belieben auf die Felder bewässern kann.

Am anderen Ende des Central Valley konnte ich schon aus einiger Entfernung die Berge der Sierra Nevada sehen. An ihren östlichen Ausläufern lag das Ziel meiner heutigen Reise, der Sequoia NP, bekannt für seine riesigen Sequoia-Bäume. Der General Sherman Tree im Herzen des Parks ist der größte Baum der Welt und eines der ältesten noch lebenden Objekte auf unserem Planeten. beeindruckender fand ich aber die vier verschiedenen Braunbären, die ich den Tag über sehen durfte.

10. Tag: Sequoia NP – Yosemite NP

Mein nächstes Ziel war nach dem Sequoia NP der Yosemite NP. Es war Wochenende in der Hochsaison und so habe ich mich sehr früh auf den Weg gemacht um im Park selber einen Campingplatz zu finden. Doch nach drei Stunden Suche musste ich kurz nach Mittag feststellen: es gibt keinen einzigen freien Campingplatz mehr. Deswegen habe ich auf einem privaten Campingplatz außerhalb des Nationalparks für zwei Nächte eingecheckt. Der war zwar sehr teuer, dafür verfügte er über einen Pool, eine kostenlose Dusche und WLAN auf dem ganzen Campinggelände. Das waren zur Abwechslung ziemlich willkommene Annehmlichkeiten.

11. Tag: Yosemite NP

Um 08:00 Uhr morgens – für mich relativ spät – bin ich heute aufgestanden und habe mich relativ zügig auf den Weg ins Yosemite Valley gemacht. Dort befinden sich die berühmten Felsen Half Dome und El Capitan. Leider wurde es nach kurzer Zeit so voll, dass ich meinen Plan, ein wenig durch die Gegend zu wandern, aufgegeben habe. So war ich dann schon um 12:00 wieder am Parkausgang und konnte die 1,5 km lange Autoschlange bestaunen, die auf Einlass in den Park gewartet hat. Ich habe mich dann lieber im Pool treiben lassen.

12. Tag: Yosemite NP – Big Pine Creek CG

Heute war ein ziemlich langer Tag: Beim Auschecken auf dem Campingplatz erfahre ich, dass der direkte Pass durch den Yosemite NP über die Sierra Nevada wegen eines Walddbrands gesperrt ist. Und so muss ich nach dem obligatorischen Foto für das Familienfotoalbum bei Tuolumne Meadows einen 240 mi langen Umweg über den Sonora Pass machen, um nach Lee Vining zu kommen – über den Tioga Pass wären es nur 12 mi gewesen. Aber dafür war der Sonora Pass landschaftlich deutlich schöner.

Nach weitern 90 Meilen komme ich in Big Pine an, wo ich die Nacht auf dem Big Pine Creeek CG verbringe. Auch hier hängt der Rauch der Waldbrände in der Luft. Aber nach der langen Autofahrt kümmert mich das kaum, ich will einfach nur noch schlafen.

13. Tag: Big Pine Creek CG – Springer Mountain NRA

Auf dem Weg in Richtung Las Vegas bin ich heute durch das Death Valley gefahren. Und ja, es war ziemlich heiß in der Wüste: 116 °F, das sind etwa 45 °C. DIe Landschaft ist zwar öde, aber irgendwie beeindruckend öde. Bevor es aber am Nachmittag richtig heiß wurde bin ich zum Springer Mountain gefahren. Da es auf der Fahrt aus dem Death Valley heraus nicht wirklich kühler geworden ist, war ich umso froher, dass der Campingplatz 3.000 ft über dem Tal lag – und es statt 110 °F nur knapp 80 °F warm war. Die Aussicht war auch nicht zu verachten – und ich war tatsächlich nur knapp 30 mi vom Las Vegas Strip entfernt aber mitten in der Natur.

14. Tag: Springer Mountain NRA – Las Vegas

Heute musste ich erst um 11:00 morgens weiterfahren! Nach Las Vegas ist es wie gesagt nicht weit und bevor ich im Excalibur Hotel einchecken kann habe ich sogar noch Zeit mir den Hoover Dam auf der anderen Seite der Stadt anzugucken. Dort ist es fast so heiß wie im Death Valley. Für den Parkplatz im Schatten habe ich 10$ bezahlt – ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass die Parkplätze auf der anderen Seite des Damms kostenlos sind. Ingenieurtechnisch ist der Damm richtig beeindruckend und unglaublich groß. Schockiert hat mich hingegen, wie niedrig der Wasserstand im Lake Mead war. Die Trockenheit im Südosten der USA ist echt unglaublich ernst.

Ab 15:00 konnte ich im Hotel einchecken. Trotz langer Schlange ging dies relativ zügig und so konnte ich schon nach kurzer Zeit in meinem Deluxe-Zimmer mit Kingsize-Bett ausgiebig duschen. Danach bin ich den Las Vegas Strip entlang gewandert, einmal im Hellen und dann noch einmal nach Sonnenuntergang. Die Lichter der Hotels und Casinos und das Wasserspiel vor dem Bellagio Hotel waren wirklich sehenswert – auch wenn alles hier mindestens doppelt so teuer ist wie sonstwo in den USA, sogar der Kaffee bei Starbucks.

15. Tag: Las Vegas – Zion NP

Als ich mittags am Zion NP ankam, waren alle Campingplätze im Park schon voll. Glücklicherweise habe ich einen privaten Campingplatz 500 m vom Parkeingang entfernt gefunden. Und so konnte ich mühelos den Canyon erkunden. Der Zion NP ist die einzige Schlucht, die man von unten aus erkundet. Alle anderen Canyon-Nationalparks bieten zumeist nur den Blick von oben in die Schlucht hinein.

Der Zion Canyon hat mich von allen Nationalparks auf meiner Reise am meisten beeindruckt: Links und rechts steile rote Felswände und in der Mitte der Fluss und viel Grün. Vor allem im Licht der untergehenden Sonne sah das landschaftlich unglaublich toll aus. Schade, dass ich nur einen Tag dort verbracht habe.

16. Tag: Zion NP – Bryce Canyon NP

Da der Bryce Canyon NP weniger als 100 mi vom Zion NP entfernt liegt war ich schon morgens um 09:30 am Parkeingang und habe ohne Probleme einen Campingplatz gefunden habe. Ich war sogar so früh unterwegs, dass auf der Straße aus dem Zion NP heraus mehr Tiere als Autos unterwegs waren.

Am Canyonrand entlang führt im Nationalpark eine 18 mi lange Straße mit wechselnden Ausblicken über die Schlucht, die Amphitheater und die Felsformationen. Abends gab es in der Nähe des Visitor Centers die Möglichkeit, durch Teleskope den Sternenhimmel zu beobachten; unter anderem die Mondkrater und den Saturn mit seinen Ringen. Das hatte ich so noch nie gesehen.

17. Tag: Bryce Canyon NP – Salt Lake City

Auf dem Weg nach Salt Lake City bin ich über einem Abschnitt auf dem I 15 gefahren, auf dem man 80 mph schnell fahren durfte – so schnell wie nirgendwo sonst in den USA. In der Hauptstadt Utahs wartete dann das erste Hostel seit Seattle auf mich. Zeit, Wäsche zu waschen und einzukaufen. Ein wenig habe ich mich auch in der Stadt umgeguckt, doch außer dem State Capitol und dem Temple Square, dem Vatikan der Mormonen, gab es nicht allzuviel zu entdecken.

18. Tag: Salt Lake City – Bear Lake

Auf etwa halben Weg zwischen Salt Lake City und dem Yellowstone NP liegt der Bear Lake, mein heutiges Tagesziel. Viel war vom See allerdings nicht zu sehen, da von Oregon und Washington her der Rauch der dortigen Waldbrände direkt über den See gezogen und dort hängen geblieben ist. So war es dann auch nicht sehr schade für mich, dass ich keinen Zeltplatz direkt am See gefunden habe – ich hätte eh kaum etwas gesehen. So habe ich die Nacht auf dem Sunrise CG im Cache National Forest verbracht und dort zwei Amerikaner kennengelernt, die mich abends an ihr Lagerfeuer zum S’mores essen eingeladen haben. Sehr nett und sehr lecker.

19. Tag: Bear Lake – Yellowstone NP

Auf dem Weg zum Yellowstone NP bin ich auch an den Bergen des Grand Teton NPs vorbeigekommen. Sehen konnte ich sie aber von der Straße aus nicht. Obwohl sie nur wenige Meilen von mir entfernt waren war der Rauch zu dicht. Die letzten 100 mi des Tages haben sich dann ziemlich lange hingezogen, da man im Yellowstone NP maximal 45 mph schnell fahren durfte. Mein Campingplatz lag in unmittelbarer Nähe des Yosemite Sees, einer der größten Hochgebirgsseen der Welt mit deutlich über 100 mi Uferlänge. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte habe ich mich in der unmittelbaren Umgebung umgeguckt – und direkt einen echten Büffel entdeckt. Den konnte ich also ziemlich zügig von meiner To-Do-Liste streichen.

20. Tag: Yellowstone NP

Der Morgen begann mit 36 °F ziemlich kühl; ich war aber auch ziemlich früh unterwegs um den ärgsten Besucheransturm zu vermeiden. Mein erstes Ziel war die größte Attraktion des Parks: Old Faithful, ein Geysir, der alle 90 Minuten Unmengen an heißem Wasser in die Luft schleudert. Des Weiteren konnte ich auch noch den Beehive ausbrechen sehen, was deutlich seltener geschieht. Als ich weitergefahren bin war der Besucherparkplatz schon ziemlich gut gefüllt.

Am nächsten Stopp, der Grand Prismatic Spring, hatte ich echte Probleme, einen freien Parkplatz zu finden, und musste mehrfach über den Parkplatz kreisen. Sehen konnte man die heiße Quelle kaum: Wegen der geringen Außentemperatur hing einfach zuviel Dampf in der Luft. Weiter ging es dann zum Museum of the National Park Ranger und zum Grand Canyon of the Yellowstone. Bei der Wanderung entlang des Randes der Schlucht konnte ich einige tolle Regenbögen bei den Wasserfällen sehen. Danach bin ich ziemlich erschöpft zurück zum Zeltplatz gefahren.

21. Tag: Yellowstone NP – Grand Teton NP

Manchmal habe ich mit dem Wetter echt unverschämtes Glück: Waren auf dem Hinweg die Tetons aufgrund des Rauchs der Waldbrände kaum zu sehen sah es auf dem Rückweg durch den Grand Teton NP ganz anders aus: Im kristallklaren Bergwasser spiegelten sich die schneebedeckten Gipfel wie man es sonst nur aus Werbekatalogen kennt. Einfach traumhaft schön!

22. Tag: Grand Teton NP – Steinaker SP

Heute bin ich nur Auto gefahren und habe im Steinaker SP übernachtet. Unterwegs habe ich mir kurz den Damm des Flaming Gorge Reservoirs angeguckt, aber ansonsten ist wirklich nichts passiert.

23. Tag: Steinaker SP – Moab

Als erstes stand heute ein Besuch des Dinosaur National Monuments auf dem Programm. Seit meiner Kindheit habe ich davon geträumt, einmal echte Dinosaurierknochen zu sehen. Hier konnte ich sie sogar anfassen! Durch die Schlucht des Colorado Rivers ging es dann weiter in Richtung Moab, wo der Canyonlands NP und der Arches NP auf meinem Programm standen.

Mit dem Zeltplatz hatte ich viel Glück: In unnmittelbarer Nähe von Moab am Colorado River gelegen war er der perfekt Ausgangsspunkt für den Besuch der beiden Nationalparks. Heute habe ich mir zunächst den Canyonlands NP vorgenommen. Ähnlich wie im Bryce Canyon NP und im Grand Canyon NP hat man auch hier einen unglaublichen Blick auf eine tiefe Schlucht. Und der Mesa Arch vermittelt einen ersten Eindruck von den tausenden Felsbögen, sie mich am nächsten Tag im Arches NP erwartet haben.

24. Tag: Moab

Im Arches NP war die größte Attraktion aufgrund einer überspülten Straße für mich nicht erreichbar: Der Delicate Arch, die auf jedem Nummernschild in Utah abgebildet ist. Ich hätte zwar hinwandern können, aber etwas mehr als 3 mi in der prallen Sonne bei knapp 90 °F im Schatten habe mich dann aber doch abgeschreckt. Der Skyline Arch war aber auch toll. Und der Landscape Arch. Zum Abschluss meiner Rundfahrt durch den Nationalpark wollte ich dann eigentlich noch die Windows sehen – war aber zu dem Zeitpunkt kaum noch aufnahmebereit, zu viele Felsbögen auf einmal!

In Moab habe ich dann noch meine Einkäufe erledigt und mir auf Anraten meiner Familie eine Pizza im Restaurant gegönnt. Sehr lecker aber mit 21$ auch sehr teuer.

25. Tag: Moab – Flagstaff

Auf halben Weg zwischen Moab und Flagstaff liegt das Monument Valley, bekannt aus den John Ford- / John Wayne-Western. Da der dazugehörige Park von der Navajo Nation verwaltet wird, galt meine Jahrespass für die US-Nationalparks hier nicht, ich musste 20$ Eintritt bezahlen, aber die haben sich gelohnt. Der Interagency Annual Pass („America the Beautiful Pass“) ist übrigens eine unglaublich lohnende Anschaffung wenn man mehrer Nationalparks auf einmal besuchen möchte. Für 80$ erhält man ein Jahr lang freien Zutritt zu Nationalparks, National Forests, etc. Zum Vergleich: der Tageseintritt für den Yosemite NP oder den Yellowstone NP kostet alleine schon jeweils 30$.

In Flagstaff habe ich mich gleich für drei Nächte in einem Hostel eingemietet. Die Studentenstadt im nördlichen Arizona ist ein idealer Ausgangspunkt für den Besuch des Südrands des Grand Canyons.

26. Tag: Flagstaff – Grand Canyon NP – Flagstaff

Mich persönlich hat der Grand Canyon enttäuscht. Vielleicht waren aber auch meine Erwartungen einfach zu hoch. Klar, mit einer Meile Tiefe ist er der tiefste Canyon der USA und mit 10 mi von Rand zu Rand auch der weiteste. Aber irgendwie kam mir das alles schon reichlich bekannt vor – vom Bryce Canyon NP und vom Canyonlands NP. Zur Verteidigung des Grand Canyon muss ich allerdings auch erwähnen, dass ich nur am Rand der Schlucht entlang gewandert bin und nicht in den Canyon hinein. Davon hat mich das schlechte Wetter abgehalten. Bei einsetzendem Regen bin ich am Grand Canyon losgefahren, auf halben Weg nach Flagstaff wurde ein ausgewachsenes Gewitter daraus. Endlich war mein Auto wieder einmal einigermaßen sauber!

27. Tag: Flagstaff

Auch heute war ein eher entspannter Tag: Ich habe Flagstaff zu Fuß erkundet. Unter anderem habe ich mir dabei das Lowell Observatorium angeguckt. Hier wurde 1935 der Pluto entdeckt (und ja, für mich ist er immer noch ein Planet!). Das Observatorium verfügt über ein ansprechendes Museum und bietet stündlich unterschiedliche thematische Führungen an. Die sind wirklich sehr empfehlenswert!

Durch Flagstaff führte bis zu ihrer Auflösung die Route 66 was man noch immer an großen Reklametafeln für Motels und Hotels im Stadtbild sehen kann. In der Altstadt gibt es unzählige Restaurants und Cafés – allerdings kein Starbucks, hier ist alles „locally owned“.

28. Tag: Flagstaff – Albuquerque

Dort, wo bis in 1980er Jahre die Route 66 verlief, verläuft heute der Interstate Highway 40. Dem bin ich heute von Flagstaff bis nach Albuquerque gefolgt, 300 mi immer in Richtung Osten. Auf etwa halber Strecke zwischen beiden Städten liegt der Petrified Forest NP. Wie der Name schon sagt, gibt es hier versteinertes Holz zu sehen, mitten in der Wüste. Das Ganze ist deutlich beeindruckender als es sich vielleicht anhören mag. Die Bäume stammen aus einer Zeit, als Dinosaurier die dominante Spezies auf unserem Planeten waren. Auch heute noch sehen sie von außen so aus, als wären sie aus Holz, doch bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass sie mittlerweile zu Stein geworden sind. Million Jahre alte Geschichte liegt hier in den USA einfach so in der Wüste rum, mittlerweile aber geschützt durch den National Park Service.

In Albuquerque selber gab es nicht allzuviel zu sehen, bis auf eine Altstadt im Adobe-Stil mit ziemlich vielen Souvenirläden. Das Hostel selbst war auch nicht so toll (zum ersten Mal habe ich auf meiner Weltreise Kakerlaken in der Dusche gesehen) und so war ich ganz froh, als am nächsten Morgen früh weiterging.

29. Tag: Albuquerque – Bandelier NM

Der erste Stopp des heutigen Tages war für meine Schwester und meinen Vater wohl der wichtigste: Im Pecos National Historical Park konnte ich ihnen endlich die Patches kaufen, die sie selber vor einigen Jahren nicht erstehen konnten weil das Visitor Center geschlossen hatte. Nachdem ich die beiden Aufnäher gekauft hatte habe ich mir die beiden Pueblos und die Ruinen der spanischen Mission angeschaut, die hier als archäologische Ausgrabungsstätte geschützt werden. Der einstündige Rundgang war echt gut gemacht, informativ und kurzweilig.

Weiter ging es dann nach Santa Fe, wo ich tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben Geld in eine Parkuhr gesteckt habe. Die ganze Stadt ist im Adobe-Stil gehalten. Kann man mögen, muss man aber nicht. Ich fand es ein wenig zu kitschig und habe mich nach nur 45 Minuten in der Stadt auf den Weg zum Bandelier National Monument gemacht. Hier habe ich den günstigsten Zeltplatz meiner Rundreise in den USA gefunden: 12$ pro Nacht. Mit dem Shuttlebus ging es dann in die Schlucht, in der sich ebenfalls die Ruinen eines Pueblos, aber auch bewohnte Felshöhlen befinden. Allzu lange konnte ich mich nicht im Freien aufhalten, da es anfing zu regnen.

Am Abend gab es dann ein richtiges Gewitter. Zwischenzeitlich waren Regen, Blitz und Donner so heftig, dass ich aus dem Zelt ins Auto umziehen musste.

30. Tag: Bandelier NM – Great Sand Dunes NP

Der eigentliche Grund für mich zum Bandelier NM zu fahren war ein Wanderweg. Diesen instandzuhalten hat meine Schwester geholfen, als sie vor einigen Jahren in den USA Freiwilligenarbeit geleistet hat. Leider habe ich es nicht geschafft, den ganzen Weg zu wandern (6 mi hin und zurück), da mir das Wetter zu unbeständig schien und ich außerdem noch weiter in Richtung Norden zum Great Sand Dunes NP fahren musste. Aber es war schon ein schönes Gefühl, in der Fremde über etwas zu stolpern, was meine Schwester mitgeschaffen hat.

Gegen 14:00 kam ich an meinem Tagesziel an und war tief beeindruckt von der Landschaft: Mitten in einem Tal zwischen zwei hohen Gebirgszügen liegt ein Dünenfeld, 5 mal 6 mi groß, das man sonst eigentlich eher in einer Wüste erwarten würde – doch die gibt es hier weit und breit nicht. Dafür aber die höchsten Dünen Nordamerikas. Einfach unglaublich, neben dem Zion NP wohl das Highlight meines Roadtrips.

31. Tag: Great Sand Dunes NP – Rocky Mountains NP

Heute bin ich nur Auto gefahren, immer in Richtung Norden zum Rocky Mountain NP, 90 mi von Denver entfernt. Unterwegs habe ich alle Straßentypen noch einmal erlebt, die ich im letzten Monat gesehen habe. Los ging es mit einer 90 mi langen nahezu komplett geraden Strecke. Zweimal musste ich dass Lenkrad leicht nach links oder rechts bewegen, um auf der Straße zu bleiben. Dann ging es über die I 70 in Serpentinen hoch auf knapp über 11.000 ft Höhe in den Eisenhower-Johnson Memorial Tunnel. Der liegt höher als die Spitze der Zugspitze. Dann bin ich weiter in Serpentinen an den östlichen Rocky Mountains entlang nach Estes Park gefahren, direkt am Eingang des Rocky Mountain NPs. Dort habe ich mein grob von innen und außen sauber gemacht, bevor es weiter zu meinem vorerst letzten Zeltplatz ging. Den hatte ich glücklicherweise schon weit im Voraus reserviert, zum Labor Day Wochenende wurde es noch einmal richtig voll in den Nationalparks.

32. Tag: Rocky Mountains NP – Denver

Noch ein letztes Mal war mir das Wetter während meines Roadtrips gewogen: Zwar hatte es nachts geregnet, dennoch war mein Zelt am frühen Morgen beim Einpacken knochentrocken. Gepriesen sei der Wind und die trockene Höhenluft! Um 09:13 Uhr war mein Roadtrip dann nach zwei Stunden Fahrt am Flughafen von Denver vorüber. Nach exakt 6.259 mi Fahrt habe ich meinen Mietwagen wieder abgegeben.

Und auch wenn mich die Fahrerei zwischendurch schon manchmal ziemlich genervt hat – insgesamt muss ich sagen, es hat sich gelohnt. Die unzähligen Naturwunder, die ich in den letzten 31 Tagen sehen konnte, haben mich wirklich riesig beeindruckt, genauso wie die Freundlichkeit der Menschen, auf die ich getroffen bin. Jetzt geht es wieder mit Bus und Flugzeug weiter, in den nächsten 28 Tagen stehen insgesamt sechs Flüge an, nach San Francisco, Hawaii, Tokio und Neuseeland.

Für alle, die in naher Zukunft nicht die Möglichkeit haben, in die USA zu reisen, hier noch ein Tipp, wie man den amerikanischen Westen kostengünstig erleben kann: Spielt einfach GTA San Andreas durch und schon habt ihr die Möglichkeit, alles das zu sehen, was ich im letzten Monat gesehen zu haben. Und das Fahrgefühl ist im Spiel erstaunlich realitätsnah umgesetzt.

Ohrwurm des Tages – Helene Fischer / „Atemlos durch die Nacht“

Ebenfalls mit GTA San Andreas hat mein Ohrwurm der Woche zu tun. Als ich das Spiel im letzten Jahr durchgespielt habe, liefen in meinem Autoradio nicht nur so schöne deutsche Hip Hop-Klassiker wie „Cruisen“ oder „Gangstaville Pt. III“ sondern eben auch Helene Fischer. Und irgendwie ist seitdem die Wüste Utahs und Arizonas untrennbar mit „Atemlos durch die Nacht“ verbunden.

1 Kommentar

  1. Sehr schön… da erkenne ich viel wieder… :)
    Ich hoffe ja, du hast noch mehr Fotos von „meinem“ Trail gemacht… ;)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.