Irgendwie war ich ziemlich erleichtert nachdem ich mein Auto am Flughafen in Denver abgegeben hatte. Die 6.200 Meilen, die ich zuvor in 31 Tagen zurückgelegt hatte, waren auf jeden Fall sehr beeindruckend – wenn auch ein wenig anstrengend. Das Gefühl, vom Flughafen aus mit dem Bus in die Stadt hinein zu fahren war dennoch recht merkwürdig. Zumal ich ziemlich gespannt auf mein Hostel war: mit knapp 60,00$ pro Nacht war dies mein mit Abstand teuerstes Hostel in den letzten achteinhalb Monaten. Aber ich war ganz froh, ein Dach über dem Kopf zu haben. Nur zwei Wochen vorher hatte ein anderes Hostel in Denver meine Buchung widerrufen und ich musste relativ spontan umbuchen.

Denver

Wie jede große amerikanische Stadt hat auch Denver einen Beinamen: the Mile High City. Und auch wenn man meinen könnte, dass dieser Name mit der Cannabis-Legalisierung in Colorado vor etwas mehr als einem Jahr zu tun hat – den Namen verdankt die Stadt dem Umstand, dass sie genau 5.280 Fuß über dem Meeresspiegel liegt. Oder eben genau eine Meile. Landschaftlich hat mich die Hauptstadt Colorados dann auch ziemlich stark an Calgary erinnert (Wolkenkratzer, viel Grün, Rocky Mountains im Hintergrund), wenn auch mit dem Unterschied, dass man sich in Denver ziemlich gut zu Fuß durch die Innenstadt bewegen kann.

Nach einem Monat Roadtrip musste ich in Denver ziemlich viele Dinge organisieren: Wäsche waschen, Schlafsack waschen,  einkaufen, bloggen, ein Paket nach Hause schicken, mein nächstes Visum für Australien beantragen usw. Dennoch hatte ich auch genug Zeit für die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Und da gab es neben den Marihuana-Läden und den Souvenirläden mit Marihuana-Souvenirs einiges zu sehen: Einen Bahnhof, der von außen wirklich etwas hermacht, eine Mall, die man entlang spazieren kann und bei der moderne und alte Gebäude gut miteinander harmonieren, ein nettes State Capitol, einen Platz mit mindestens fünf Kunstmuseen sowie das Besucherzentrum der Außenstelle der US-amerikanischen Zentralbank in Colorado. Nach einem halben Tag hatte man im Prinzip auch schon alles gesehen. Aber das ist für amerikanische Verhältnisse ziemlich gut. Die meisten Städte hier, auch die Großstädte, sind eher weniger interessant.

Die meisten Gäste im Hostel waren aber nur aus einem Grund in der Stadt: legales Gras. Und so roch es dann auch überall in Denver. Übrigens wurde während meines Aufenthalts bekannt, dass erstmals mehr amerikanische Studenten kiffen als rauchen.

San Francisco

Bei meiner Ankunft am Flughafen von San Francisco hatte ich keine Blumen im Haar, dafür aber eine ziemliche Wut im Bauch: Laut meinem Round the World-Ticket sind auf jedem Flug zwei Freigepäckstücke inklusive. Und bei einem Ticketpreis von etwas mehr als 5.000 € erwarte ich das auch. Am Flughafen in Denver angekommen stellte sich dann aber heraus, dass United Airlines das ganz anders sah und ich für mein Gepäck 25 $ bezahlen musste. Noch ein Grund mehr für mich, US-Fluglinien künftig so weit es geht zu meiden. So gab es beispielsweise auf meinen inneramerikanischen Flügen kein Gratisessen (immerhin jedoch Getränke) und die kleine Packung Pringles sollte im Bordverkauf knapp 4 $ kosten. Wann merken Fluggesellschaften eigentlich, dass sie sich nicht nur über ihren Preis sondern auch über denn Service an Bord verkaufen?

Die Stadt am Golden Gate hat mir dafür aber richtig gut gefallen. So gut, dass ich zugeben kann: Bisher ist San Francisco die beste Stadt, die ich auf meiner Weltreise besucht habe. Insgesamt hält sich aber Hamburg immer noch unangefochten an der Spitzenposition. Die schönste Stadt der Welt halt ;)

Mein erster Weg in San Francisco führte mich zum Pier 39 ins Hard Rock Café. Meine Schwester gehört zu den Menschen, die tatsächlich aus jedem Hard Rock Café, das ihnen über den Weg läuft, ein T-Shirt mitnehmen müssen. Nur in San Francsico hatte sie es vergessen. Und deswegen lautete meine wichtigste Aufgabe hier: Bruderherz, besorge mir das bunteste, grellste Hard Rock Café-T-Shirt, das du in San Francisco finden kannst. Und zwar bitte in S. Da blieb mir nur noch ein schneidiges „Jawohl!“ übrig.

Am nächsten Morgen musste ich dann unbedingt die Golden Gate Bridge sehen. Ich entschied mich dazu, zu Fuß von Downtown zur Brücke zu gehen. Das ist eine schöne Seite an San Francisco: Wenn genug Zeit und Muße hat, kann man fast überall hin zu Fuß gehen. Und unterwegs entdeckt man noch an jeder Ecke interessante Sachen! An alten Segelschiffen, Schleppern und Fähren vorbei ging es immer am Wasser entlang und die Brücke im Blick zum Golden Gate. Mit dem Wetter hatte ich richtig Glück: Mal war es ein wenig neblig, mal brannte die Sonne vom Himmel. So habe ich die Brücke in Dutzenden Variationen fotografieren können. Und mir einen tierischen Sonnenbrand zugezogen wie ich ihn seit Australien Anfang des Jahres nicht mehr erlebt habe. Der Spaziergang über die Brück selber war zwar beeindrucken aber auch ziemlich anstrengend: Legionen von Touristen wollten sich die knapp zwei Kilometer pro Strecke nicht zu Fuß antun und verstopften so den Fußweg mit ihren Mieträdern.

Auf dem Rückweg ging es dann am Yoda-Brunnen vor den Büros von George Lucas und dem Palace of Fine Arts, der mich irgendwie tierisch an die Architektur auf Naboo erinnert hat, vorbei zu einer der Endhaltestellen der Cable Car. Dort habe ich dann eine Stunde brav in der Schlange gewartet, um für 7 $ mit dem Cable Car zurück zum Hostel zu fahren. Dort habe ich dann angefangen, jeden Abend einen Film zu gucken, der mit San Francisco zu tun hat. Hier ist meine Playlist:

Weiter ging es dann am nächsten Morgen zum Mission District. Hier gibt es nicht nur mit einer alten spanischen Mission das älteste Gebäude der Stadt zu bewundern auch einen Laden mit Piraten-Accessoirs. Leider hatte der geschlossen als ich in der Nähe war. Die Mission selbst war ganz nett. In unmittelbarer Nähe befindet sich The Castro, das Schwulenviertel San Francisco. Sogar die Zebrastreifen wurden hier in Regenbogenfarben auf die Straße gemalt. Im ehemaligen Fotoladen Harvey Milks, der heute eine LGBT-Rights-Organisation beherbergt habe ich dann endlich ein neues Regenbogen-Einhorn-T-Shirt gefunden :D Zum Abschluss des Tages habe ich mir dann noch die City Hall angeguckt, die in einem James Bond-Film mit Roger Moore in Flammen aufgeht.

In den nächsten Tagen wurde das Wetter in San Francisco leider immer schlechter, teilweise musste ich morgens einen Pullover anziehen o.O Vom Erkunden der Stadt hielt mich das aber nicht ab. So habe ich mir noch unter anderem die berühmten Painted Ladies und Haight Ashbury angeguckt. Letzteres ist das Hippie-Viertel der Stadt  – und eine ziemliche Enttäuschung. Neben Kifferläden und Batik-T-Shirts gibt es noch eine überteuerte Ben & Jerrys-Filiale, mehrere Designerläden, Magic Mushrooms-Verkäufer und ein McDonalds. Selbstverständlich habe ich die Gentrifizierung des Viertels weiter voran getrieben und einen Kaffee gekauft. Es war einfach tierisch kalt, diesig und windig. Dementsprechend machten dann anschließend der Holden Gate Park und der Ocean Beach einen eher trostlosen Eindruck.

Mein letzter Ausflug führte mich durch Chinatown und am TransAm-Building vorbei zum Coit Tower. Der hat nicht nur tolle Wandgemälde aus den 1930er Jahren im Erdgeschoss – sondern bietet auch die beste Aussicht über die Stadt. Sofern es der Nebel denn zulässt. Anschließend habe ich mir noch die Lombard Street angeguckt und die Seelöwen am Pier 39. Und dann hieß schon Abschied nehmen von San Francisco :/

Es geht immer weiter in Richtung Westen: nach Hawaii.

Ohrwurm des Tages – Fettes Brot / „Nordisch by Nature“