Kambodscha ist eine Herausforderung für mich: Jetzt, auf dem Höhepunkt der Trockenzeit ist es richtig heiß: Im Schnitt 35 °C im Schatten. Und das jeden Tag. Im Gegensatz zu Thailand mit seiner doch recht verdreckten Luft brennt hier die Sonne auch tatsächlich vom Himmel. Kambodscha ist ein sehr armes Land, was sich überall im Straßenbild zeigt: Neben einigen wenigen Autos, Bussen und LKWs bevölkern vor allem Tuktuks, Motorroller, Fahrräder, das ein oder andere Pferdefuhrwerk, Kühe und Schafe die Straßen. Links und rechts der Straßen finden sich ärmliche Bauten zum Teil direkt neben luxuriösen Neubauten. Ich kann mir nicht helfen, es fühlt sich merkwürdig an, dass mein Gepäck mehr wert ist als mehrere kambodschanische Monatseinkommen. Das ist für mich schon frustrierend und moralisch herausfordernd.

Siem Reap und die Tempel von Angkor

Der Grund, warum ich überhaupt nach Kambodscha gereist bin, sind die riesigen Tempelanlagen von Angkor in unmittelbarer Nähe der Stadt Siem Reap. Dorthin bin ich von Bangkok mit dem Bus gefahren. Und da ich vor der Fahrt eine Menge Horrorgeschichten zum Grenzübergang zwischen Thailand und Kambodscha gelesen hatte (zum Beispiel hier), habe ich mir mein Visum vorab im Internet beantragt. Nach knapp drei Tagen wurde es mir dann als PDF-Datei zugeschickt. An der Grenze angekommen musste ich dann feststellen, dass das wohl nicht nötig war: Alle meine Mitfahrer, die ihr Visum vor Ort beantragt haben, haben dies auch ohne irgendwelche fiktiven Sondergebühren bekommen. Der Grenzübertritt verlief nicht anders als in anderen Regionen der Welt auch – mit dem einzigen Unterschied, dass sich im Niemandsland zwei riesige Casinos befanden und überall hilfsbereite kambodschanische Grenzpolizisten standen, die die Touristen in die richtige Richtung geschickt haben.

Die Busfahrt selbst war relativ ereignislos – sieht man einmal von dem massiven Gebrauch der Hupe in Kambodscha ab. Anders kommt man aber wohl nicht durch den doch eher chaotischen Verkehr entlang der Hauptstraßen. So kam ich dann relativ entspannt abends in Siem Reap an und machte mich zu Fuß auf dem Weg durch die Stadt zum Hostel, das etwa einen Kilometer von der Bushaltestelle entfernt lag. Unterwegs sah ich schon von weitem das Hard Rock Café Angkor, ein untrügliches Zeichen für den boomenden Tourismus in der Stadt. Das Hostel selbst war hervorragend, mit Pool, Kino und Restaurant (letzteres ist in kambodschanischen Hostels anscheinend üblich). Die Preise sind hier recht günstig, vor allem wenn man aus Australien kommt ;)

Das teuerste in Siem Reap war nicht das Hard Rock Café-T-Shirt, dass ich als Souvenir für meine Schwester gekauft habe, sondern die Tagestour zu den Tempeln von Angkor: 20$ Eintrittsgebühr, 25$ für den Führer und 15$ für den Tuktuk-Fahrer. Insgesamt also 60$. Da dieser Ausflug aber einer der Highlights meiner Weltreise werden sollte war es mir das wert. Gebucht habe ich Führer und Tuktuk durch das Hostel und so wurde ich eines morgens um 5:00 Uhr abgeholt, um mir den Sonnenaufgang über Angkor Wat anzugucken. Ich war beileibe nicht der einzige – Hunderte andere Touristen hatten sich auch schon so früh auf den Weg gemacht. Ganz so spektakulär wie erhofft war der Sonnenaufgang dann nicht, dafür war es dann den restlichen Morgen noch relativ kühl. Erst zum Ende meiner Tour wurde es dann mittags richtig heiß – aber da war ich nach acht Stunden voller Tempeln auch schon fast auf dem Rückweg.

Los ging es morgens beim bekanntesten Tempel der Anlage, Angkor Wat. Dann weiter zum überwucherten Tempel Ta Prohm, der als Kulisse für den ersten Tomb Raider-Film dienste (daher wird er auch als Tomb Raider Tempel vermarktet). Etwas weniger Touristen waren dann bereit die steilen Stufen des einzeln stehenden Tempels Ta Keo zu erklimmen oder die sich gegenüberstehenden Tempel Chau Say und Thommanon zu besichtigen. In der Anlage von Bayon, dem zentralen Tempel der Stadt Angkor mit seinen Dutzenden in Stein gehauenen Gesichtern war dann schon wieder mehr los. Nach dieser acht Stunden dauernden Tour war ich dann nicht nur durch die Hitze erschöpft, sondern auch durch die vielen Eindrücke unterschiedlicher Tempel. Irgendwann habe ich nur noch Steine gesehen.

Die Anlage selbst ist die wichtigste Sehenswürdigkeit Kambodschas. Dementsprechend viel ist dort auch touristisch los – aber auch viele Entwicklungshilfsgelder werden hier vor allem in die Erhaltung und Renovierung der Tempelgebäude investiert. Für meinen Geschmack schießen die Restauratoren dabei manchmal ein wenig zu weit über dass Ziel heraus. Insgesamt aber lohnt sich ein Besuch von Angkor. Ich war trotz hoher Erwartungen nicht enttäuscht, im Gegenteil, ich bin immer noch nachhaltig begeistert und beeindruckt.

In Siem Reap selbst gibt es nicht allzuviel zu tun: Das Angkor National Museum ist definitiv einen Besuch wert – die Märkte hingegen gleichen sich dann doch überall in Kambodscha und Thailand. Ich habe meinen Aufenthalt genutzt, um 45 Postkarten zu schreiben. Damit habe ich bis zu meiner Reise durch das südliche Afrika ersteinmal wieder Ruhe.

Battambang

Von Siem Reap aus bin ich dann weiter nach Battambang gefahren, einer Provinzhauptstadt im westlichen Kambodscha. Die Busfahrt dorthin hat 7$ gekostet, was wirklich sehr günstig ist. Dementsprechend habe ich dann auch keinen Luxusbus erwartet und kann insgesamt feststellen, dass die Busfahrt ganz okay war, auch wenn ich den Pickup-Bus vom Hostel zum eigentlich Bus zweimal wechseln musste und die Busfahrer manchmal eher obskure Unterwegshalte eingelegt haben, um mit einem anderen Bus Fracht auszutauschen. Aber gut, man bekommt wohl, was man bezahlt. Ich hätte mir auch ein Taxi nehmen können.

Nach mehreren Tagen in Siem Reap war Battambang eine Oase der Ruhe. Viel kann man dort nicht machen, in zwei Stunden hat man die Stadt erkundet – vom ehemals wohl modernen Marktgebäude entlang des sehr trockenen Flusses (mit modernem Spielplatz und Trimm-dich-Pfad am Ufer) und den Straßen, die mit französischer Kolonialarchitektur gesäumt sind, zum Sitz des Provinzgouverneurs und zu den knapp 100 Jahre alten verfallenen Lokschuppen aus der Zeit, als es in Kambodscha noch ein funktionierendes Eisenbahnsystem gab. Wirklich interessant, wenn auch provinzieller als in Siem Reap. Das Stadtmuseum hatte während meines Rundgangs leider geschlossen: es war Sonntag. Mittlerweile habe ich jegliches Gefühl für Wochentage komplett verloren.

Neben der Stadt selber lohnt auch ein Ausflug in die nähere Umgebung. Zusammen mit vier Bekannten aus dem Hostel habe ich einen Nachmittag im Umland Battambangs verbracht. Erste Station: Der Bamboo Train. Die Einheimischen nutzen die alten, krummen Gleise um mit ihren Draisinen-ähnlichen Zügen schneller von A nach B zu kommen. Die Züge bestehen aus zwei Achsen, einer Bambusplattform und einem Motor. Bei Gegenverkehr können diese schnell abgebaut, von der Schiene genommen und wieder aufgebaut werden. Andere Ausweichmöglichkeiten gibt es nämlich nicht. Die Fahrt ist schon recht unterhaltsam, vor allem weil sie so holprig ist und man ein wenig von der Landschaft erahnen kann.

Im Gegensatz zum Video habe ich keine Einheimischen gesehen, die den Bamboo Train genutzt haben. Dafür aber zwei Polizisten der Touristenpolizei, die vor Ort waren.

Vom Bamboo Train aus ging es dann weiter zur sogenannten Killing Cave, einer Schlucht in den Hügeln, die von den Roten Khmer zur Ermordung ihrer Opfer genutzt wurde. Ein wirklich bedrückender Ort, der es schwer macht, das Naturschauspiel, dass sich in seiner bietet, wirklich zu genießen: Jeden Abend kurz vor Sonnenuntergang verlassen mehrere Millionen Fledermäuse ihre Höhle um sich auf die Jagd zu begeben. unglaublich, wie sich dieses lange Band aus der Höhle über die Reisfelder bis hin zu einer Flussinsel erstreckt, über der sich die Fledermäuse auf die Jagd nach Insekten machen.

Am Straßenrand verkaufen Einheimische alle möglichen DInge des täglichen Bedarfs. Eine besondere lokale Spezialität scheint dabei gegrillte Ratte zu sein. Ihr Fleisch soll nach Hühnchen schmecken. Begeistert waren wir aber nicht als wir probiert haben.

Phnom Penh

Nach drei Tagen in der ruhigen Provinzstadt habe ich mich dann mit dem Minibus (eng, aber okay) auf den Weg nach Phnom Penh gemacht, die Hauptstadt Kambodschas. Hier kommt man wirklich mit den Extremen im Land i Berührung: Auf der einen Seite arme, bettelnde Einheimische in ihren selbstgebauten Hütten, auf der anderen Seite moderne Hochhäuser und ein großzügiger königlicher Palast. Und auch der Kontrast zwischen der Geschichte der alten Khmerkönigreiche und  den Roten Khmer könnte größer nicht sein.

Kurz nachdem die Roten Khmer im April 1975 unter Pol Pot die Macht im Land übernommen hatten, wurde die Stadtbevölkerung aufs Land vertrieben. Eine Hungersnot ungeahnten Ausmaßes war die Folge, denn die meisten Städter waren keineswegs in der Lage, diese Zwangsarbeit unter widrigsten Bedingungen zu leisten. Darüberhinaus wurden zehntausende Menschen von den neuen Machthabern ermordet. Das geschah zum Beispiel in den Killing Fields, etwa 15 Kilometer außerhalb Phnom Penhs. Um die teure Munition zu sparen wurden die Opfer mit allen möglichen Werkzeugen erschlagen. Babys wurden mit ihrem Schädel gegen einen Baum geschlagen bis  sie tot waren und dann zu ihren Müttern in die Massengräber geworfen.

Wer bei einem Besuch des ausgezeichneten Informationszentrums der Killing Fields, dem Cheoung Ek Völkermord-Gedenkzentrum, kalt bleibt, kann kein Mensch sein. Umso unglaublicher für mich die Touristen, die die Knochen und Schädel der Opfer fotografieren, als wären sie eine landestypische Sehenswürdigkeit. Einfach nur unfassbar und pietätlos. Wer will so etwas auf Facebook sehen?

Das selbe Verhalten konnte ich auch im S-21-Museum beobachten: In der ehemaligen Schule wurden die Opfer des Pol Pot-Regimes gefoltert und zur Ermordung in die Killing FIelds weiter transportiert. Warum muss man trotz Verbotsschildern Fotos von Fotografien machen, auf denen man die Folteropfer nackt sehen kann? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall war dies ein Tag, der ziemlich viele Fragen bei mir aufgeworfen hat.

Neben den beiden Gedenkstätten für die Opfer der Roten Khmer gibt es aber noch andere Sehenswürdigkeiten in Phnom Penh: Das Flussufer entlang des Tomlé Sap, der in Phnom Penh in den Mekong mündet, ist gepflastert mit Hotels, Cafés und Bars, die vor allem für die Touristen und Expats da sind. In unmittelbarer Nähe zum Königspalast (den ich nicht besichtigt habe), liegt das National Museum, in dem einige Schätze aus der Vergangenheit Kambodschas zu sehen sind. Nach meinem Besuch in Angkor konnte mich das aber nicht mehr so sehr beeindrucken. Und auch die monumentalen Denkmäler entlang der Hauptstraßen sind einen Blick wert.

Für mich gab es aber nicht mehr allzuviele interessante Dinge. Ich bin halt kein Stadtmensch. Und auch wenn mir das Hostel recht gut gefällt – es hat einen erfrischenden Pool, gutes Essen und eine Klimaanlage – freue ich mich jetzt auf den Süden des Landes: Morgen geht es weiter nach Sihanoukville und dann für ein paar Nächte auf eine nahezu einsame Insel.

Ohrwurm des Tages – Rolf Zuckowski / „Wir sind die Kinder vom Süderhof“

Eine schöne Kindheitserinnerung. Schade, dass ich die Folgen nicht mehr bei Youtube finden kann – aber dafür habe ich aber zu Hause noch alle 46 Bücher :D

Short and sweet

Cambodia is the most challenginng country for me so far. Its poverty leads me to thinnk about my own wealth and all the priviledges that I have and cannot share with all the people here who deserve them as well.

My day trip to the temples of Angkor was absolutely worth its 60$. They are amazing, stunning, simply beautiful. After Siem Reap, I travelled to the calm provincial town of Battambang where I rode the Bamboo Train and tried grilled rat. Not so yummy, won’t turn me from a vegetarien to a carnivore again. In Phnom Penh I visited the moving Killing Fields, where thousands of Cambodians were slaughtered by the Khmer Rouge.