Das erste, was mir bei meiner Ankunft am überschaubaren internationalen Flughafen der laotischen Hauptstadt Vientiane auffiel, ist die Ruhe, die dort herrscht. Wenn man Phnom Penh mit Berlin vergleichen kann, so muss man Vientiane mit der alten bundesdeutschen Hauptstadt Bonn vergleichen: Ruhig, entspannt und viele Diplomaten. Das zweite, was mir sofort ins Auge fiel, war die omnipräsente Hammer und Sichel-Flagge. Ich hätte nicht erwartet, diese Flagge noch irgendwo einmal in offizieller Funktion zu sehen. In Laos hängt sie vor jedem zweiten Gebäude.

Bei der Einreise nach Laos musste ich am Flughafen auch direkt einmal wieder meinem deutschen Pass danken: Nicht nur, dass er – wie ich kürzlich gelesen habe – die nahezu problemlose touristische Einreise in 145 Staaten erlaubt; nein, er hat auch das Visum für Laos, das bei der Einreise ausgestellt wird, im Vergleich mit allen anderen westlichen Staaten zum Schnäppchen werden lassen. 30 US$ musste ich bezahlen. Für Touristen aus Kanada hingegen werden über 40 US$ fällig. Das Visum war übrigens auch das einzige, was ich in Laos direkt in US-Dollar bezahlen konnte. Anders als beispielsweise in Kambodscha zahlt man in Laos tatsächlich in der Landeswährung, dem Kip. Momentan erhält man für einen Euro etwa 8.900 Kip.

Vientiane

Nach meiner nächtlichen Ankunft in Vientiane habe ich zunächst eine Nacht in einem Flughafen-Hotel verbracht, da ich keine Ahnung hatte, wie lange die Einreiseformalitäten dauern würden (im Endeffekt keine 10 Minuten) und ich dann keine Lust darauf hatte, spät abends mein Hostel in der Innenstadt zu finden. Die Nacht im Einzelzimmer war ein unglaublicher Luxus nach über 3,5 Monaten, die ich in Hostel-Dorms verbracht habe. Es gab sogar einen Fernseher, auf dem die Deutsche Welle lief. Der Rezeptionist allerdings war ein wenig merkwürdig: Es dauerte knapp 10 Minuten, ehe ihn sein Kind aus dem Bett holen konnte (es war 11:15 Uhr) und dann konnte er mir nicht einmal ein Taxi rufen. Immerhin hat er mir die Visitenkarte eines Taxifahrers in die Hand gedrückt. Ich habe dann auf der Straße ein Tuktuk angehalten und mich auf dem Weg in die Innenstadt gemacht, in deren unmittelbarer Nähe sich mein Hostel befand.

An Vientiane gefällt mir vor allem die Ruhe und Entspanntheit, die ich so bisher in noch keiner Hauptstadt während meiner Reise gefunden habe. Für viele amerikanische Firmen ist die Demokratische Volksrepublik Laos anscheinend noch nicht wirklich wirtschaftlich relevant, was sich vor allem daran zeigt, dass es noch keine einzige Filiale irgendeines US-amerikanischen Fastfood-Konzerns gibt. Nichtsdestotrotz habe ich hier einen der besten Burger meines Lebens gegessen – in einem einheimischen Burger-Restaurant namens Sputnik Burger. Auch sonst ist das Essen in Laos durchweg gut. Ich vermute, das liegt an dem immer noch starken französischen Einfluss. Und es ist recht einfach, gut und günstig zu essen: Für 10.000 Kip gibt es an jeder Straßenecke frisch belegt Baguettes. Yummy!

Die folgenden Tage verbrachte ich vor allem mit Sightseeing und anschließender Erholung. Im Schnitt war es tagsüber 42 °C warm. Im Schatten! Erst am letzten Abend gab es einen heftigen Regenschauer, der die Temperatur merklich gesenkt hat.

Nachdem ich bereits die nähere Innenstadt mit ihrem Triumphbogen aus Beton, dem Präsidentenpalast und dem ein oder anderen Tempel erkundet hatte, bin ich eines morgens zusammen mit drei Britinnen zum Buddha-Park außerhalb Vientianes gefahren. Auf einer Fläche von etwa 100 x 300 Meter stehen hier Dutzende buddhistische und hinduistische Figuren aus Beton im Freien. Alle wurden in den letzten 50 Jahren von einem einzigen Bildhauer geschaffen. Beeindruckend!

An meinem letzten Tag in der laotischen Hauptstadt habe ich mir dann noch das Nationalmuseum angesehen. Es war anders als erwartet: Relativ klein und mit einem Fokus auf den laotischen Unabhängigkeitskampf gegen die imperialistischen US-Amerikaner. Einige Texttafeln haben mich schon zum Schmunzeln gebracht. Auf jeden Fall war das Museum einen Besuch wert – wie übrigens Vientiane im Allgemeinen. Viele Backpacker überspringen die Stadt während ihrer Reise durch Südostasien, vermutlich, weil es dort nicht allzuviele Party-Möglichkeiten gibt.

Vang Vieng

Von Vientiane aus fuhr ich mit dem Reisebus weiter nach Vang Vieng. Zum letzten Mal für eine lange Zeit sollte ich dabei auf Straßen unterwegs sein, die tatsächlich gerade waren und keine endlose Aneinanderreihung von Kurven. Vang Vieng selbst ist die Destination für Backpacker in Laos. Dies beruht vor allem auf dem Ruf, eine hedonistische Partymetropole zu sein, in der der Alkohol in Strömen fließt und es alle möglichen Drogen an jeder Straßenecke zu kaufen gibt. Dies ist glücklicherweise nicht mehr der Fall: Seitdem in einem einzigen Jahr 27 Touristen beim Tubing (hierbei lässt man sich auf einem aufgepumpten Reifen den Fluss hinab von Bar zu Bar treiben) ums Leben gekommen sind, haben die örtlichen Behörden nahezu alle Bars am Fluss geschlossen. Heute legen die Reiseveranstalter vor Ort ihr Augenmerk auf alle möglichen Abenteuersportarten und locken damit vor allem chinesische und südkoreanische Touristen an.

Die Partyszene in Vang Vieng ist allerdings keineswegs tot: Mehr Bars auf so kleinem Raum habe ich selten zuvor in Südostasien gesehen. Und auch das Tubing bleibt die Touristenattraktion schlecht hin, allerdings deutlich entschärft. Zwar geht es für viele immer noch darum, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Alkohol zu trinken, allerdings sind die Sprungschanzen verschwunden. Mein Fall waren die einschlägigen College-Trinkspiele auch nicht, sodass ich in einer Rekordzeit von knapp über zwei Stunden wieder den Reifenverleih erreicht habe. Meiner Meinung nach gibt spannendere Wege, den Fluss und die grandiose Gebirgslandschaft um Vang Vieng zu erkunden.

Luang Prabang

Nach nur zwei Nächten im laotischen Backpacker-Mekka ging es für mich weiter in Richtung Norden, nach Luang Prabang. Alleine schon die 6-stündige Reise dorthin war unglaublich schön: In scheinbar endlosen Serpentinen schlängelt sich die die Straße durch eine traumhafte grüne Gebirgslandschaft. Die Aussichten sind einfach nur traumhaft; während der Fahrt habe ich mich in Laos verliebt – trotz eines kotzenden Kleinkinds im Minibus.

Die  Stadt Luang Prabang selbst ist ein UNESCO-Weltkulturerbe und eine der wichtigsten Touristenattraktionen in Laos. Allerdings können auch die vielen Reisenden den ruhigen und friedlichen Eindruck der Stadt mit ihren mehr als 160 Klöstern und Dutzenden Häusern im französischen Kolonialsstil nicht stören. Der Ort selbst ist auch nicht wirklich groß, man kann alles bequem zu Fuß erreichen. Besonders lohnt sich ein Besuch des Nationalmuseums, der letzten Residenz des laotischen Königs, und der Blick vom Phu Si, einer Tempelanlage auf einem Berg, der die Stadt und das Umland überblickt. Die Sonnenuntergänge über dem Mekong sollen von dort aus wunderbar aussehen.

Etwa 30 Kilometer von Luang Prabang entfernt kann man die Kuang Si-Wasserfälle besichtigen. Ein absolutes Muss! Ich habe noch nie ein solch türkises Wasser gesehen wie in den Becken unter den Wasserfällen. Bei den hohen Temperaturen zum Ende der Trockenzeit ist das kühle Wasser wunderbar erfrischend.

Nach vier Nächten bin ich mit dem Nachtbus weiter nach Huay Xai gefahren. Die meisten anderen, die ich getroffen habe, reisen zwischen beiden Städten per Boot auf dem Mekong. Das ganze dauert zwei Tage und soll – wie der Rest des Landes auch – traumhaft schön und voller Natur sein. Für mich kam das leider nicht in Frage, ich musste rechtzeitig in Huay Xai sein, um mich für das Gibbon Experience einzuchecken. Und obwohl die Busfahrt 15 Stunden gedauert hat, war sie nicht so schlimm wie erwartet: Zum einen blieb der Fernseher aus, zum anderen haben die ewigen Serpentinen sogar mich in den Schlaf geschaukelt. Und ich kann normalerweise überhaupt nicht in Bussen schlafen.

Huay Xai / The Gibbon Experience

In Huay Xai gibt es nichts zu sehen. Man kann allerdings von dort aus über die vierte thailändisch-laotische Freundschaftsbrücke die Grenze nach Thailand überqueren – und von dort aus eine unvergessliche Tour in den nordlaotischen Dschungel Unternehmen. Das ganze nennt sich das Gibbon Experience.

Ziel des Programms ist es, die bedrohten Gibbons in einem Nationalpark zu schützen und gleichzeitig Besucher an sie heranzuführen. Dazu werden die Tourenteilnehmer mit Hilfe von Ziplines in Dschungel gebracht, wo sie in Baumhäusern wohnen, von denen aus sich im Idealfall Gibbons und andere Dschungelbewohner beobachten lassen. Mittlerweile kann man dabei zwischen drei verschiedenen Touren wählen, die zwischen zwei und drei Tagen dauern. Ganz günstig ist der Spaß nicht, die Teilnahme kostet mindestens 150 €. Meiner Meinung nach lohnen sich die Investition aber.

Ich selber habe die Gibbon Express-Tour gebucht, die zwei Tage dauert und eine Baumhausübernachtung beinhaltet. Gibbons gibt es in dem Gebiet, durch das die Tour führt, kaum noch zu sehen – dafür nutzt man aber umso mehr Ziplines um zu seinem Baumhaus zu gelangen. Am Anfang stand jedoch erst einmal eine knapp zweistündige Wanderung, die nur eine Richtung kannte: Steil bergauf. Insgesamt waren wir fünf Teilnehmer und zwei Guides – Touren können aber bis zu 20 Teilnehmer umfassen. Durch unsere kleine Gruppengröße ging es dann recht zügig über die ersten neun Ziplines des ersten Tages. Ein einfach atemberaubendes Gefühl.

Meine anfänglichen Bedenken, ob meine Höhenangst nicht zu stark für das Ziplining sein könnte, erwies sich als völlig unbegründet: Während ich die Ziplines über Täler hinweg entlangraste konnte ich mich gar nicht satt genug sehen an dem Dschungelpanorama über den Baumwipfeln. Diesen Ausblick kann man gar nicht auf Bilder bannen und das Gefühl, in 50 Metern Höhe über den Urwald zu rasen, kaum beschreiben. Deswegen versuche ich das auch erst gar nicht ;)

Richtig überrascht war ich von unserem Baumhaus: Ich ging davon aus, es würde sich dabei um eine einfache Plattform mit einem Dach handeln. Weit gefehlt! Das Baumhaus, in dem wir zu fünft übernachtet haben, ist für zwölf Personen konstruiert, hat vier Stockwerke mit Panoramaterasse, Spülnische und einem Bad mit Dusche. Reichhaltiges warmes Essen wurde uns ins Baumhaus gebracht, die Betten gemacht – wir mussten nur den Blick über den Dschungel und seine Geräusche genießen. Und das haben wir auch wirklich ausführlich getan.

Nach dem Frühstück ging es dann zurück aus dem Dschungel in Richtung Zivilisation, wie auf dem Hinweg auch zu Fuß und mit Ziplines (eine war 570 Meter lang). Nach dem Mittagessen auf einem kleinen Bauernhof ging es dann mit dem Allrad-Jeep zurück durch unendliche Bananenplantagen nach Huay Xai. Dort angekommen habe ich mich dann im Hotel ausgeruht – das Wandern und Ziplining war doch anstrengender als gedacht.

Laos habe ich dann nach einer Nacht heute morgen in Richtung Thailand verlassen. Ein bisschen wehmütig bin ich schon – Laos ist definitiv die positive Überraschung auf meiner Reise durch Südostasien.

Ohrwurm des Tages – Tokio Hotel / „Durch den Monsun“

Ja, ich weiß, das ist peinlich. aber ich kann jemandem die Schuld an diesem Ohrwurm geben: In meinen Hotels in Laos konnte ich das Fernsehprogramm der Deutschen Welle empfangen. Das ist an und für sich meiner Meinung nach sogar recht gut – allerdings haben sie irgendwann ein halbstündiges Special zu Tokio Hotel gesendet. Und nun kriege ich das Lied nicht mehr aus meinem Kopf :/

Short and sweet

Laos is the most surprising country for me so far: I really love its calm capital Vientiane, the green hills and mountains around the backpackers paradise Vang Vieng and the colonial-buddhist atmosphere in Luang Prabang. Absolutely awesome was the Gibbon Experience: A two days / one night hiking and zipling tour through and above the laotian djungle with a night spent in a treehouse 25 metres above ground. Expensive but insanely good!