Ich glaube, ich habe wirklich ein Problem mit Metropolen. Versteht mich nicht falsch, wenn ich an großen Städten vorbeikomme halte ich auch für ein paar Tage an und gucke mich um. Ich nutze die Möglichkeit, Alltagsgegenstände günstig einzukaufen und mir weltbekannte Sehenswürdigkeiten anzusehen. Nur richtig begeistern kann mich – mit den Ausnahmen Melbourne und Singapur – bisher kaum eine Stadt. Und ich weiß nicht warum.

Nachdem mich einige Freunde darum gebeten haben, auch einmal von meinen Hostels und Busreisen zu berichten und Bilder hochzuladen, will ich dem heute nachkommen. Denn es stimmt ja: Mittlerweile ist das Schlafen in 6-Bett-Zimmern und das Reisen mit (Nacht-)Bussen so alltäglich für mich, dass ich da tatsächlich noch nichts zu geschrieben habe.

Kuala Lumpur

Nach meinem relativ langen Aufenthalt in Singapur stand als nächstes die malaysische Hauptstadt auf meinem Reiseplan. Die Reise dorthin habe ich relativ spontan gebucht: Ich dachte, ich kann ja mal vorbeischauen, wenn ich schon einmal in der Nähe bin. Am frühen Morgen ging es dann mit dem Bus durch den Stadtverkehr Singapurs zum Woodlands Checkpoint, an der Grenze zu Malaysia. Dort halten alle Züge von und nach Singapur. Die Busfahrt selber hat mich einige Nerven gekostet: Im Hostel hatte man mir gesagt, dass sie etwa 45 Minuten dauert. Am Ende waren es fast anderthalb Stunden. Zum Glück kam ich nicht zu spät, konnte die Aus- und Einreiseformalitäten schnell hinter mich bringen und mich dann in die 1. Klasse begeben.

Die Zugfahrt zwischen Singapur und Kuala Lumpur ist recht gemütlich. Für die knapp 300 Kilometer lange Strecke entlang endloser Palmöl-Plantagen benötigt die Bahn sieben Stunden, wir waren also im Schnitt mit etwas mehr als 40 km/h unterwegs. Dafür ist das Ticket recht billig: ich habe in der ersten Klasse etwas mehr als 40 Euro gezahlt – inklusive 500 ml Trinkwasser und einem Stück Bananenbrot. Richtig günstig wäre es gewesen, hätte ich den Bus in die malaysische Grenzstadt Johor Bahru genommen und wäre dort in den Zug gestiegen. Dann hätte ich weniger als die Hälfte des Fahrpreises zahlen müssen. Das wäre mir so früh morgens mit den Verkehrsbedingungen aber zu stressig geworden. Und ich wollte keinen späteren Zug nehmen und somit spät am Abend in Kuala Lumpur ankommen.

Denn wie ich leider feststellen musste, war Kuala Lumpur der erste Ort auf meiner Reise, an dem ich mich unwohl und zum Teil auch unsicher gefühlt habe. Irgendwann ist mir ein Typ zehn Minuten lang zu Fuß gefolgt und hat sich erst dann verzogen, als ich bewusst in Richtung der unzähligen Polizisten am Hauptbahnhof gegangen bin. Und sogar in der Moschee wurde ich von aggressiven Bettlern und falschen Fremdenführern gewarnt. Passiert ist mir nichts, ein ungutes Gefühl blieb und das ist vermutlich der Grund dafür, dass ich mit Kuala Lumpur nicht wirklich warm geworden bin.

Der andere Grund ist, dass es in Singapur auch nicht so wirklich viel schönes und interessantes zu sehen gibt. Ja, die Petronas Towers und die modernen Hochhäuser, die an jeder Ecke entstehen sind schon nett anzuschauen. Und auch die islamische Architektur am Merdeka Square kann sich sehen lassen. Aber dazwischen gibt es halt auch unglaublich viel Verkehr, lärmende Schnellstraßen und so starken Smog, dass die Fernsicht wenige Kilometer beträgt. Die Petronas Towers und den KL Tower kann man eigentlich nur klar sehen, wenn man direkt davor steht. In vielen anderen asiatischen Städten ist das nicht wirklich besser – aber in Kuala Lumpur ist es mir zum ersten Mal wirklich aufgefallen.

Und auch wenn die meisten Menschen, die ich unterwegs in der Stadt getroffen habe wirklich freundlich waren und der Kaffee im Hostel-Café echt super geschmeckt hat – ich war froh, Kuala Lumpur wieder zu verlassen und weiter nach Thailand zu fliegen. Auch wenn das bedeutete, dass ich die Nacht im Flughafen verbringen musste. Das war aber nicht weiter schlimm, denn asiatische Flughäfen sind nicht umsonst die besten der Welt: Großzügig, effizient und mit genug Liegefläche für gestrandete Backpacker.

Mein Flug selber startete um 8:00 Uhr. Er war fantastisch, denn Malaysia Airlines muss gerade alles tun, überhaupt Passagiere an Bord zu bekommen: Im Flugzeug waren vielleicht ein Viertel der Plätze besetzt. Auf dem 45 Minuten dauernden Flug gab es eine warme Mahlzeit und für jeden Passagier Zugriff auf das Bordunterhaltungssystem. In einer Boeing 737 ist das nicht wirklich selbstverständlich. Die beste Aussicht bot sich aber aus dem Fenster auf die unzähligen grünen Inseln vor der thailändischen Küste.

Krabi

Der Grund, warum ich ausgerechnet Krabi als ersten Ort in Thailand ausgewählt habe, war ein sehr spezieller: Ich wollte die Insel sehen, die zu den Drehorten des James Bond-Films „Der Mann mit dem goldenen Colt“ gehört. Dorthin wollte ich mit einer Tagestour fahren.

Bevor ich die Tour buchen wollte, hatte ich mir noch ein paar Rezensionen durchgelesen. Einhelliger Tenor: Man sieht die Inseln vor lauter Touristen nicht. Daraufhin habe ich dann doch dankend verzichtet und die 40 Euro nicht ausgegeben. Zum selben Schluss bin ich auch hinsichtlich der Touren zum weltberühmten Strand aus „The Beach“ gekommen. Ich glaube, ich behalte beide Orte lieber so in Erinnerung, wie ich sie aus den Filmen kenne, anstatt mich in Zukunft nur noch daran zu erinnern, wie viele Touristen jetzt dorthin fahren.

Dadurch hatte ich dann Zeit, mich ein bisschen in Krabi umzuschauen und mich an Thailand zu gewöhnen. So bin ich an einem Nachmittag zum sogenannten „Tiger Temple“ gefahren, der etwa acht Kilometer außerhalb der Stadt liegt. Vor Ort kann man Dutzende Buddha-Schreibe besichtigen und auch knapp 1.300 Treppenstufen auf einen steilen Felsen hinaufklettern. Die Fernsicht war zwar nicht allzu berauschend, es war zu diesig, die kleine Tempelanlage auf dem Berg aber dafür umso beeindruckender. Man kann sich die Mühen kaum vorstellen, die es gekostet hat, alle Baumaterialien den steilen Weg hinaufzuschleppen.

Ansonsten habe ich in Krabi nicht viel angestellt, sondern mich vornehmlich an das warm-schwüle Klima gewöhnt. Nach drei Tagen Entspannung ging es dann mit dem im Hostel gebuchten Minivan weiter nach Norden, nach Khao Lak. Ich hatte dabei Glück, dass ich den Beifahrersitz ergattern konnte. So war die knapp 2,5-stündige Fahrt für mich recht gemütlich ;)

Khao Lak

Khao Lak ist eigentlich nur eine lange Hauptstraße mit Strand und Resorts. Es ist deutlich pauschaltouristischer als Krabi, dementsprechend sind dort die Essenspreise doppelt so hoch. Der Strand ist zwar ganz nett, aber nach zwei Monaten an der australischen Ostküste habe ich erstmal genug Strände gesehen. Zumal das Wasser hier Badewannentemperatur hat und somit kaum erfrischend ist. Der Ort selber musste nach dem Tsunami vor zehn Jahren komplett neu aufgebaut werden. Man kann vor einen Polizei-Patroullienboot besichtigen, dass vom Meer zwei Kilometer von Strand entfernt ins Hinterland getragen wurde. Heute dient es als Tsunami-Mahnmal.

Da man abgesehen von Tauchtouren nicht wirklich viel in Khao Lak machen kann, habe ich die drei Tage genutzt, um zwischen Singapur / Kuala Lumpur und Bangkok / Siem Reap (Angkor Wat) zu entspannen und meine Reisepläne für Südostasien zu finalisieren. Mittlerweile habe ich ein optimales Reisetempo für mich gefunden. Das ist vor allem eins: entspannt und nicht zu schnell. Ich nutze nur drei bis vier Stunden maximal am Tag zum Sightseeing, den Rest der Zeit erhole ich mich, verarbeite die Eindrücke und tue was mir sonst so gefällt. Das ist wirklich optimal für mich. Um dieses angenehme Tempo beibehalten zu können musste ich leider Vietnam von meiner Reiseroute streichen. Somit begebe ich mich nach Bangkok nach Kambodscha, dann nach Laos und danach über Nordthailand zurück nach Bangkok. Vietnam gucke ich mir ein anderes Mal an – genauso wie Myanmar.

Der größte Luxus meines Hostels in Khao Lak war die Klimaanlage, die den ganzen Tag über eingeschaltet war. In den meisten Hostels ist sie das nur über Nacht. Hier konnte ich den ganzen Tag im wohltemperierten Zimmer bei angenehmen 24 °C verbringen – was ich auch ausgiebig ausgenutzt habe. Zum einen mit Lesen, zum anderen mit dem erneuten Anschauen meiner beiden Lieblingsbackpacker-Dokumentationen:

„Mit 1000 Euro um die Welt“ – ein SWR-Reporter versucht in 40 Tagen mit 1.000 Euro die Welt zu umrunden und dabei alle Kontinente zu betreten. Dabei besucht er auch einige Orte, die auf meinem Reiseplan standen und stehen.

„Die Backpacker“ – zwei dreiköpfige Teams versuchen möglichst schnell und umweltfreundlich von Bremerhaven nach Gibraltar zu gelangen. Die Teilnehmer sind echt cool drauf: vor allem das Männerteam, dem – ausgerechnet in Montpellier – aufgeht, dass sie doch lieber die Reise genießen wollen als um jeden Preis zu gewinnen. Das kann ich voll und ganz nachvollziehen.

Wieder besseren Wissens habe ich von Khao Lak nach Bangkok den Nachtbus genommen. Busfahren ist aus meiner Sicht die beste und günstigste Möglichkeit, durchs Land zu kommen. Für die 12-stündige Fahrt habe ich weniger als 20 Euro gezahlt, inklusive  Stewardess, Essen, Decke und einem plärrenden Fernseher mit Thai-Comedy. Letzterer wurde aber nach den ersten drei Stunden abgeschaltet. Leider waren die Sitze ein bisschen zu klein für mich, sodass die Nackenstütze in meinen oberen Rücken gedrückt hat und es sehr schwer war, eine bequeme Sitzposition zu finden. Unterwegs wurden unsere Pässe / Ausweise von Soldaten kontrolliert und meine Unfähigkeit, im Bus oder auch im Flugzeug zu schlafen, hat mir vor Augen geführt, wie sehr Thailand seine Königsfamilie liebt. Mindestens alle 500 Meter sieht man ein überlebensgroßes Bild des Königs. Und im Gegensatz zu Europa ist der gesamte Straßenrand entlang der Autobahn bebaut. Alle anderthalb bis zwei Kilometer gibt es eine Tankstelle, dazwischen unzählige kleiner Geschäfte.

Bangkok

Früh am Morgen bin ich am nördlichen Busbahnhof Bangkoks angekommen. Ein unglaubliches Erlebnis: Hunderte Busse spucken tausende Fahrgäste aus und suchen sich dann neue Mitfahrer. Trotz 45-minütigen Bemühens gelang es mir nicht, einen Taxifahrer dazu zu bewegen, mich zu meinem Hostel zu fahren. Am Informationsschalter schickte man mich dann zur Haltestelle der Stadtbusse: Für 6 Baht (nicht einmal 20 Cent) war ich binnen fünfzehn Minuten in der  Nähe meines Hostels, die letzten Meter zu Fuß waren dann auch kein Problem mehr. Interessant an dem Bus war, dass er so altmodisch ist: Holzfußboden, offene Fenster und eine Schaffnerin, die Fahrscheine verkauft und Haltestellen ansagt. Für mich ein interessantes Erlebnis.

In Bangkok selber bleibe ich nun sechs Tage. Ursprünglich wollte ich hier solange bleiben, um mein Visum für Vietnam zu beantragen. Dass muss ich nun nicht mehr, so bleibt mir viel Zeit hier. Zum einen nutze ich sie zum Sightseeing (Paläste, Tempel, die Khao San Road und Shoppingmalls), zum anderen wandere ich ziellos durch die Gassen. Überallum mein Hostel herum wird an kleinen Ständen Essen verkauft, es riecht köstlich und manchmal bin ich schon ein wenig traurig, vegetarisch zu leben. Aber auch für mich als Vegetarier gibt es genug Auswahl. Man muss nur suchen.

Um in Bangkok von A nach B zu kommen hat man unzählige Möglichkeiten: Den Skytrain, die Metro, Taxis, Busse, Tuktuks, Fähren und Wassertaxis. Leicht ist es dadurch aber nicht, sicher und zuverlässig zu seinem Ziel zu kommen. Vor allem mit Tuktuk-Fahrern an den Sehenswürdigkeiten habe ich keine guten Erfahrungen gemacht: Ich habe keinen einzigen gefunden, der mich für einen vernünftigen Preis auf direktem weg zu meinem Ziel bringen wollte. Ich bin dann lieber die fünf Kilometer zu Fuß gegangen – keine schlechte Entscheidung im Nachhinein: Unterwegs habe ich noch den Golden Mountain besucht, einen Tempel auf einem künstlichen Berg, und das beste Frappée meines Lebens in einem kleinen Coffeeshop getrunken. Geschmacksrichtung: Oreo. Yummy.

Unfreiwillig aufregend wurde hingegen meine Fahrt über den Fluss zum Grand Palace: Verschlafen wie ich war, bin ich nicht in der gemütlichen Fähre, sondern in einem Speedboat gelandet. Ich war danach selten so froh, wieder festen Boden unter meinen Füßen zu haben. Der Palast selber ist die teuerste Sehenswürdigkeit in Bangkok. 500 Baht Eintritt werden verlangt. Die Architektur ist wirklich unglaublich schön, die Wandmalereien faszinierend bis ins kleinste Detail. Schade nur, dass die Anlage voller war als Versailles im Sommer. In den Tempeln waren dafür deutlich weniger Besucher.

Heute Vormittag habe ich dann das Wassertaxi kennengelernt. Für unglaublich wenig Geld ging es über kleine Kanäle vom Skytrain zu der Backpacker-Straße Südostasiens: die Khao San Road. Mittlerweile nur noch Heimat unzähliger (Schnell-)Restaurants und nerviger Verkäufer, die mit allen Mitteln versuchen, Touristen in ihre kleinen Schneidereien zu ziehen. Und die – genauso wie die Tuktuk-Fahrer – ein Nein nicht akzeptieren können. Vor allem diese beiden Grupppen verleiden mir meine sonst eigentlich recht positive Zeit hier in Bangkok.

Dennoch bin ich froh, dass es übermorgen weiter nach Siem Reap in Kambodscha geht. Vom Grenzübergang, den ich auf meiner Busfahrt passiere, habe ich eigentlich nur schlechtes gehört. Ich bin gespannt – und freue mich riesig auf die Tempelanlagen von Angkor Wat.

Ohrwurm des Tages – Peter Alexander / „Im weißen Rössel am Wolfgangsee“

Bitte, bitte, bitte, fragt nicht wieso. Seit 24 Stunden werde ich das Lied nicht mehr los. Dabei habe ich den Film seit mindestens drei Jahren nicht mehr gesehen o.O Zu meiner Ehrenrettung kann ich immerhin festhalten, dass bis vor zwei Tagen noch ein ganz anderes Lied in meiner Gunst ganz weit oben stand:

#Hamburg. #Elbstrand. #Heimweh.

Short and sweet

I’ve got a difficult relationship with towns. Especially Kuala Lumpur is among my least favourite places so far despite the stunning Petronas Towers. Bangkok ranks higher in my ranking – but especially the tuktuk drivers annoy me. In Krabi and Khao Lak I took my time to relax and reflect. I finally found my best travel speed. It’s a rather slow one. Next stop: Siem Reap, Cambodia. I can’t wait to see Angkor Wat.