Der Norden Thailands hat mich mit dem Land versöhnt. Und das liegt nicht nur an den gut ausgebauten, meistens zweispurigen Überlandstraßen, die ich vor allem seit meiner Bustour durch Laos sehr zu schätzen weiß. Generell ist der Entwicklungskontrast zwischen Thailand und Laos ziemlich groß, das wird mir an jeder Straßenecke wieder bewusst. Doch auch die Annehmlichkeiten eines Nichtentwicklungslandes sind nicht ursächlich für mein Urteil. Es ist vielmehr die Abwesenheit all der Dinge, die den Süden Thailands, dieses südostasiatischen Pauschaltouristenghettos und das Mehr an Kultur und erlebbarer Geschichte im Norden des Landes.

Nachdem ich im Anschluss an meine Ziplining-Tour durch den laotischen Dschungel noch eine Nacht nichtstuend in Huay Xai, der Grenzstadt zu Thailand, verbracht hatte, ging es früh am nächsten Morgen los in Richtung Thailand: Über die IV. Thai-Lao-Friendship-Beidge und dann durch die freundlichste Grenzkontrolle (auf Thai-Seite), die ich bisher auf meiner Reise erlebt habe. Von dort aus bin ich dann mit nur drei weiteren Mitreisenden im Minivan und dem defensivsten den ich bisher in Südostasien getroffen habe nach Chiang Rai gefahren. Unglaublich aber wahr: Der Fahrer hat sich an rote Ampeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten!

Chiang Rai

Chiang Rai, in unmittelbarer Nähe zu Laos und Myanmar gelegen, ist keine besonders schöne Stadt: Sehr modern, wenig fußgängerfreundlich und irgendwie ziemlich beliebig. Meinen ersten Tag dort nutzte ich dann auch erstmal zum Wäsche waschen, zum Geld wechseln und zum Busticket kaufen. Letzteres ist das, was mich an Thailand immer noch ein wenig nervt: Man kann trotz der großen Internetaffinität des Landes die Fahrkarten für Überlandbusse nur entweder überteuert bei Reiseagenturen oder etwas außerhalb der Stadt an den Busbahnhöfen kaufen. Glücklicherweise fährt aber der Bus von Chiang Rai nach Chiang Mai von der alten Bushaltestelle im Stadtzentrum ab, sodass ich halbwegs bequem aber immerhin günstig zu Fuß zum Ticketschalter gehen konnte.

Eine wirklich beeindruckende Sehenswürdigkeit hat aber auch Chiang Rai zu bieten: etwa 15 Kilometer außerhalb der Stadt steht, der bizarrste, der verrückteste, der beeindruckendste Tempel, den ich je gesehen habe. Da er vollkommen weiß ist, heißt er auch so: Der weiße Tempel. Auch wenn er nicht zentral gelegen ist kommt man mit einem kleinen, nichtklimatisierten Bus ohne Probleme zur Tempelanlage. Die Busfahrt selbst, die umgerechnet vielleicht 50 Cent kostet, ist auch schon ein Erlebnis: Ich als relativ großer Europäer bin immer wieder von dem menschlichen Tetris-Spiel in lokalen asiatischen Bussen beeindruckt. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie passen immer noch mehr Menschen in die Busse – selbst wenn alle Sitz- und Stehplätze besetzt sind.

An der Tempelanlage angekommen war ich zunächst vor allem von dem nicht-versiegenden Touristenstrom beeindruckt, der sich sogar in der heißen Nebensaison durch das Gebäudeensemble ergoss. Hingucker Nummer 1 war selbstverständlich das unglaublich weiße Hauptgebäude des Tempels mit seinen beeindruckend detaillierten Verzierungen. Zum Haupteingang des Gebäudes – das leider wegen Erdbebenschäden gesperrt war – führt ein nicht minder bizarre Brücke, die man auf einem Pfad durch ein Meer von Händen erreicht, eine Darstellung der Hölle. Zu den weiteren Gebäuden in der Anlage gehören ein riesiges goldenes Toilettengebäude und weiter bizarre Objekte, wie zum Beispiel Köpfe bekannter Filmfiguren wie Gollum oder Iron Man, die vereinzelt in Bäumen hängen.

Aufgrund der drückenden Hitze habe ich mich nur etwa eine Stunde in der Anlage aufgehalten und war so fertig, dass ich den Rest des Tages im Hostelzimmer verbracht habe. Das war nämlich schön von der Klimaanlage auf erträgliche 23 °C heruntergekühhlt. Außerdem konnte ich dank der fixen thailändischen Internetverbindung verpasste „Game of Thrones“-Folgen angucken :D

Chiang Mai

Nach nur zwei Nächten in Chiang Rai bin ich weiter nach Chiang Mai gefahren. Die zweitgrößte Stadt des Landes ist das Zentrum Nordthailands, verfügt über Dutzende Tempel, die Reste einer mittelalterlichen Stadtmauer samt einem sie umgebenen Graben und einige wirklich interessante Museen. Fast jeden Abend gewittert es nun, egal wo ich unterwegs bin. Jedesmal hoffe ich auf eine dauerhafte Abkühlung, doch die bleibt leider weiterhin aus. So muss ich mich mit Tagestemperaturen von um die 40 °C im Schatten herumschlagen – kein Wunder, dass ich mich langsam auf mein nächstes Reiseziel, Südafrika freue. Dort herrscht gerade Winter mit Tageshöchsttemperaturen von um die 20 °C.

Doch noch einmal zurück nach Thailand. Aufgrund der Hitze habe ich auch in Chiang Mai nicht allzuviel gemacht: An meinem ersten Tag bin ich relativ früh in die Innenstadt spaziert um mir drei Museen anzugucken: Das Chiang Mai City Arts ad Cultural Center, das Lanna Folklife Museum und das Chiang Mai Historical Center. Vor allem letzteres hat mir sehr gut gefallen, die knappe aber präzise Ausstellung hat meiner Meinung nach sehr gut und anschaulich in die Stadtgeschichte von der Gründung bis zur heutigen Zeit eingeführt.

Viele Backpacker nutzen Chiang Mai als Ausgangspunkt für organisierte Ausflüge in die Umgebung: Wandern, Kajak fahren, Ziplining, Mountainbiking, etc. werden von Dutzenden Reiseagenturen angeboten wie auch Besuche in Elefanten- und Tigergehegen. Mir persönlich waren die eher körperlichen Erlebnisse zu teuer und Besuche in Zoos kommen für mich aus Prinzip nicht in Frage. Deswegen habe ich mich spontan für einen ganztägigen Kochkurs angemeldet. Dieser hat umgerechnet etwas mehr als 25 Euro gekostet, dafür war ich den ganzen Tag beschäftigt, habe sechs Gerichte gekocht und gegessen, einen Markt besucht und eine Kochbroschüre mit Rezepten nach Hause genommen. Das fand ich persönlich sehr fair. Und geschmeckt hat es auch noch!

Nach einem weiteren heißen Tag, den ich aus Faulheit lieber im Hostel verbracht habe (immerhin habe ich „Galaxy Quest“ und „Raiders of the lost Ark“ geguckt) bin ich dann in einem relativ unbequem 2. Klasse-Bus weiter nach Sukhothai gefahren.

Sukhothai

Sukhothai gibt es gleich zweimal: Zum einem gibt es Alt-Sukhothai, entstanden rund um die Ruinen einer mittelalterlichen Stadt, und zum anderen Neu-Sukhothai, eine relativ moderne und langweilige Stadt 15 Kilometer östlich der archäologischen Ausgrabungsstätten. Der Ort befindet sich auf halbem Weg zwischen Chiang Mai und Bangkok und bot sich deswegen für einen Zwischenstopp an: Zwei sechsstündige Busfahrten tagsüber sind mir lieber als zwölf Stunden im Nachtbus. Und außerdem sind die Ruinen Sukhothais wirklich sehenswert.

Mein Hostel befand sich ein wenig abgelegen in Neu-Sukhotai, dafür gehört das Sila Resort aber zu den besten Unterkünften, in denen ich bisher übernachtet habe: Ein Doppelzimmer mit Klimaanlage für mich alleine für nur 400 Baht die Nacht, das sind etwas mehr als 10 Euro. Fahrräder kann man sich gratis ausleihen und das Essen ist Restaurant ist günstig und gut. Für mich ein idealer Ausgangspunkt um die alten Tempelruinen zu erkunden.

Mit dem Fahrrad ging es dann relativ früh am Morgen – hier herrschen zur Zeit Temperaturen von gefühlt 47 °C – zunächst zur Bushaltestelle in Neu-Sukhothai und von dort aus mit dem recht alten Shuttle-Bus zum Historical Park Dort angekommen habe ich mir zunächst das dazugehörige Museum angeschaut. Es war okay, nicht wirklich beeindruckend aber immer noch gut für einen ersten Eindruck dessen, was den Besucher in den Ruinen erwartet. Diese habe ich dann mit dem Rad erkundet, das Gelände ist für Spaziergänge einfach zu groß. Auch wenn Sukhothai das Angkor Wat Thailands genannt wird und ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, ganz so beeindruckend wie das Original sind die Tempelüberreste dann doch nicht. Dennoch war der Vormittag, den ich dort verbracht habe, sehr schön.

Eigentlich wollte ich noch eine andere historische Anlage etwas außerhalb auf einem Hügel besichtigen – die Mittagshitze und das unzureichende Kartenmaterial haben das dann aber doch verhindert. Deswegen bin ich lieber wieder vor der Hitze geflohen und am nächsten Tag, den ich ebenfalls im wunderbar kalten Hostel verbracht habe, einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt: Ich habe alle sieben Harry Potter-Bücher in nur drei Wochen am Stück gelesen.

Morgen früh geht es dann mit dem Bus zurück nach Bangkok. Dort habe ich noch einiges vor, wenn auch nichts touristisch relevantes: Ich muss einige Dinge einkaufen, die es nicht in jedem 7/11 gibt, wie zum Beispiel meinen Reisführer für das südliche Afrika. Dann muss ich meinen Rucksack aufräumen und einen ganzen Stapel an Souvenirs nach Hause schicken. Vielleicht wiegt mein großer Rucksack ja dann endlich einmal unter 20 kg? Und zu guter letzt muss ich auch noch anfangen, meine sechswöchige Tour durch Südafrika und Namibia zu planen, bevor es dann am Freitag weiter nach Pretoria geht. Ich freue mich – wie bereits erwähnt – schon unglaublich auf die kühleren Temperaturen dort. Vier Monate zwischen 35 und 40 °C sind für mich als durchschnittlichen Mitteleuropäer dann doch erstmal genug ;)

Ohrwurm des Tages – Heidi Kabel / „Jungfernstiegmarsch“

Dieses Wochenende war es wieder soweit: In der schönsten Stadt der Welt wurde groß der Hafengeburtstag gefeiert. Und auch wenn die historischen Ursprünge des Fests mehr als in Frage zu stellen sind will ich mich als studierter Mediävist nicht beschweren, das größte Hafenfest der Welt ist nämlich wirklich grandios. Selbst, wenn es wie dieses Jahr ausnahmsweise einmal schlechtes Wetter gegeben haben soll.

Short and sweet

After leaving Lao for Thailand, I was really surprised how well maintained roads can be. But this is not the main reason why the northern part of Thailand reconciled me with the country itself: It offers more culture, more history and a more diverse landscape than the southern part. During the ten days I’ve spent here I visited Chiang Rai and its famous white temple, took part in a Thai cooking class in Chiang Mai and biked thorugh the ancient ruins of Old Sukhotai. Every day I suffered from the hot weather: 40 °C at least. That’s why I’m really looking forward to South Africa now. Over there, it’s winter now – with temperatures slightly above 20 °C.

The next three days I’ll spent in Bangkok, but I’ve got so many things to do and to organize that I won’t have the time for more sightseeing – but I’ve already seen a lot there. Friday, I’ll finally leave Southeast Asia – I’m flying to Pretoria to start my african adventure.