Eigentlich wollte ich vor zwei Jahren unmittelbar nach der Bundeswehr als frisch gebackener Kriegsdienstverweigerer sechs Monate nach Neuseeland fliegen, um das Land als Work and Travel-Tourist kennen zu lernen. Es kam bekanntlich anders, dafür aber zumindest im Hinblick aufs Reisen deutlich besser als erwartet: Statt mir  – vor dem Hintergrund der als KDVler fälligen Rückzahlung des Studiums – die Reise vor Ort verdienen zu müssen, wirft mir die Bundeswehr beim Ausscheiden aus dem Dienst das Geld quasi hinterher. Mit einer Einmalzahlung und einem Jahr Übergangsgebührnisse kann ich nun reisetechnisch aus dem vollen schöpfen.

Irgendwann kam mir dann die Idee, nicht nur ein halbes Jahr ins Ausland zu gehen, sondern ein ganzes. Und sich nicht nur auf ein Land zu beschränken, sondern gleich mehrere zu besuchen. Und irgendwann war dann der Gedanke da, eine richtige Weltreise zu machen, also in eine Richtung in einem Jahr einmal um den Globus zu reisen. Woher der Gedanke kam weiß ich heute gar nicht mehr, er ließ mich allerdings nicht mehr los, sodass aus der fixen Idee zusammen mit ein paar Stunden, die ich auf einschlägigen Internetseiten verbracht habe, ein immer konkreterer Plan wurde. Nun ging es daran zu überlegen, welche Länder, Städte und Regionen ich während der Reise besuchen will.

Neuseeland war schon von Anfang an gesetzt. Begeistert von den Landschaften in den Herr der Ringe-Filme und den vielen auf diese folgenden Reisereportagen stehen die beiden Inseln ganz oben auf meiner Reisewunschliste. Hinzu kam dann noch sehr schnell Australien. Zum einen weil es eines der klassischen Backpacker-Länder ist, von dem mir vor allem ein guter Freund immer wieder begeistert berichtet hat, zum anderen wollte ich Australien seit den Olympischen Spielen 2000 unbedingt sehen, hatte ich mir doch Nächte um die Ohren geschlagen um live bei den Entscheidungen am anderen Ende der Welt dabei zu sein.

Eine ebenfalls klassische Backpacker-Region ist Südostasien – nicht erst seitdem Leonardo DiCaprio in „The Beach“ von Traumstrand zu Traumstrand gereist ist. Im kalten Asien (Südkorea) war ich schon, jetzt will ich mir auch das deutlich wärmere Südostasien angucken: Singapur, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam. In Singapur hat ein Freund von mir während des Studiums ein Praktikum gemacht – und die Fotos, die er aus dem Stadtstaat und den angrenzenden Ländern mitgebracht hat, haben bei mir die Reiselust geweckt. Singapur soll daher der Ausgangspunkt für meine Reise mit Bus und Bahn in die anderen vier Länder sein, ich will ja schließlich auch die Länder kennen lernen und nicht bloß von Hauptstadt zu Hauptstadt fliegen.

Dann steht auch noch der Westen Kanadas und der USA auf meinem Reiseprogramm: Die Neugier auf kanadischen Rocky Mountains und die Westküste verdanke ich auch wieder mehreren Freunden, die dort studiert haben und atemberaubende Fotos gemacht haben. Und wenn man sich das folgende YouTube-Werbevideo über Alberta anguckt kann man gar nicht anders, als sich in den nächsten Flieger Richtung Calgary zu setzen:

Im Jahr 2000 habe ich nicht nur vor dem Fernseher gesessen und nach Sydney geguckt, ich war auch mit meiner Familie an der Westküste der USA unterwegs. Allerdings habe ich das Land als 14-jähriger ganz anders gesehen als ich es heute tun würde. Deswegen will ich auch dort noch einmal hin – erweitert um die Nationalparks im Südwesten des Landes, die zuletzt meine Schwester mit meinen Eltern im Wohnmobil bereist hat. Nachdem ich in einem großen Bogen von Calgary nach Denver über Vancouver und Seattle zweimal die Rocky Mountains überquert habe, soll die Reise weiter nach San Francisco und Hawaii gehen. Damit befinden sich schon vier von fünf Kontinenten (zählt man Europa als Start- und Zielkontinent mit) auf meiner Weltreiseliste.

Warum also nicht auch noch Afrika als fünfter Kontinent? Auch wenn Südafrika und Namibia bisher noch nie die Länder waren, die ich unbedingt gesehen haben wollte, finde ich sie immer attraktiver, je mehr ich darüber nachdenke. Wo sonst kann man die großen afrikanischen Wildtiere in ihrer Heimat sehen? Und wo sonst reichen die Dünen einer Wüste bis direkt an den Atlantischen Ozean? Ich bin mittlerweile tierisch gespannt auf Afrika.

Das sind also die Regionen und Länder die, ich irgendwie in logischer Reihenfolge auf meiner Weltreise besuchen will. Wann ich wohin reisen will hängt nun zum einen vom Klima (es ergibt recht wenig Sinn im tiefsten Winter die Rocky Mountains überqueren zu wollen) und zum anderen von den Flugrouten ab (am sinnvollsten ist eine Reise in eine Richtung, also nach Westen oder nach Osten). Also habe ich meine Route so geplant, dass ich möglichst an allen Orten sommerliches Wetter erwarten kann und ich möglichst mit einem Round the World-Ticket der Star Alliance auskomme.

Überraschenderweise fügte sich die Reiseroute fast von alleine zusammen: Los geht es im Januar an der australischen Ostküste. Im März dann weiter über Singapur nach Südostasien, bevor es Mitte Mai in den Süden Afrikas geht. Pünktlich zur Halbzeit meiner Reise wechsle ich von der Süd- auf die Nordhalbkugel nach Kanada und weiter in die USA. Über San Francisco und Hawaii soll es dann Anfang Oktober nach Neuseeland gehen. Und da die Flüge von Hawaii nach Auckland entweder ein Umsteigen in San Francisco oder Tokio erfordern, hat es auch die japanische Hauptstadt spontan auf meine Reiseliste geschafft. Ende Dezember geht es dann pünktlich zum Jahresende nach Deutschland zurück.

In diesen Jahresablauf kann ich eigentlich an jedem beliebigen Ort einsteigen. Optimal wäre natürlich der Start im Juli in Kanada gewesen, da ich dafür keine zusätzlichen Flugreisen zu dem Round the World-Ticket dazubuchen müsste. Dass ich jetzt noch Flüge nach und von Sydney bezahlen muss, stört mich aber auch nicht wirklich. Ich freue mich schon riesig – in etwas mehr als drei Monaten geht es endlich los. Und diese Zeit ist mit Wohnungsauflösung, Möbeleinlagerung und Reisevorbereitungen endlich mal seit langem von sehr positivem Stress geprägt.